Ein Softtail entsteht
Nachdem beim letzten mal schon der Hauptrahmen des Softtails entstanden ist, fehlt zum Rahmen noch der Hinterbau, also Ketten und Sattelstreben. In diesem Fall auch noch der Dämpfer.
Anfangs aber geht es recht konventionell weiter. Die Kettenstreben werden vorbereitet. Erst einmal werden sie im perfekt passenden Winkel verschweißt. Es gibt auch schon Kettenstreben mit Winkel zu kaufen, aber ideal ist es, den für optimale Reifenfreiheit nötigen Winkel zu bestimmen. Vor allem bei Softtails und auch 29ern kann das sehr sinnvoll sein, weil es perfekt passende Winkel manchmal nicht zu kaufen gibt.
Auf dem Bild neben den schon verschweißten Kettenstreben sind die Ausfallenden zu sehen. Links das für die Rohloff-Nabe, rechts das für ein normales Schaltwerk bzw. in diesem Fall für den Kettenspanner der Rohloff. Wie bei mir üblich sind die Ausfaller aus hochfestem Stahl hergestellt. Gerade die Rohloff-Nabe übt ein teilweise erhebliches Drehmoment auf das linke Ausfallende aus, das sollte nicht nur entsprechend gestaltet, sondern auch fest genug sein.
Das rechte Ausfallende wird schon einmal eingelötet. Das linke kann erst zusammen mit dem Einbau der Kettenstrebe eingelötet werden, da die Position der Scheibenbremse perfekt passen muß.
Schön zu sehen nach dem Abwaschen des Flußmittels an der Schweißnaht: Das Korrosionsschutzmittel im Wasserbad hat das Rohr grau gefärbt, aber die Schweißnaht ist mit rostfreiem Draht gemacht, sie bleibt silber:
Das rechte Ausfallende wird fertig nachbearbeitet:
Das Lagerrohr des Hinterbaues entsteht. Hier nach der Drehbearbeitung auf der Fräse zu sehen:
Alles fertig verschweißt sieht dann so aus:
Und hier der Bereich der Lagerung:
Das nächste mal geht es weiter mit den Sattelstreben, und damit wird der Rahmen dann schon fast fertig sein.
Viele Grüße,
Georg Blaschke
Kleinvieh
Ja, auch Kleinvieh macht Mist bzw. Arbeit. Das GEBLA 20 Anniversary mit der Nummer 20, an dem ich gerade arbeite, wird ja ein gefedertes Rad sein und da gibt es immer ein paar Teile mehr zu machen.
Eigentlich kann man mit sehr wenig Technik einen Fahrradrahmen bauen. Säge, Feile, Schraubstock, Bohrmaschine und Lötbrenner reichen grundsätzlich aus. Und Anfängern würde ich auch empfehlen, erst einmal mit diesen Mitteln einen Rahmen zu bauen. Oder auch ein paar mehr. Manche amerikanischen Rahmenbauer machen auch für professionellen Rahmenbau eine Minimalausstattung zum Prinzip. Mir wäre das zu puritanisch. Und es limitiert natürlich auch auf bestimmte Rahmentypen. Ein gefedertes Rad ist so kaum zu bauen, auf jeden Fall nicht in der Qualität, die ich erwarte. Für viele meiner Räder fertige ich auch spezielle Komponenten an, die es so nicht zu kaufen gibt. Ein bißchen sehe ich mich da in der Tradition einiger französischer Rahmenbauer, die sich auch nicht auf den Bau des Rahmens beschränkt haben, sondern das ganze Rad im Blick hatten. Denn so schön ein Rahmen auch sein mag, seine Erfüllung findet er erst in einem Rad, das ihm auch gerecht wird und bei dem alles perfekt zusammenspielt.
Im drittletzten Bild des letzten Bauberichtes von Nummer 20 war es schon zu erahnen: Das Rad bekommt ein verlängertes Sitzrohr mit integrierter Sattelstütze. In Mode gekommen ist das in den letzten Jahren vor allem durch Carbonrahmen. Bei denen ist das Klemmen einer Sattelstütze immer problematisch, eine Klemmung außen auf dem verlängerten Sitzrohr ist da technisch besser. Allerdings sieht das meiner Meinung nach teilweise extrem unschön aus: Auf dem relativ schlanken Rohr sitzt manchmal ein extrem klobiges Klemmstück, auf dem dann wieder ein minimalistischer Sattel thront. Optisch und technisch sollte es nach oben hin eher schlanker werden, wie eine Fahnenstange oder ein Stamm oder Ast eines Baumes. Zudem sollte es auch eine Verstellung um mehrere Zentimeter erlauben, das ist schon zum Wechsel des Sattels notwendig. Um das alles zu erreichen, baue ich die integrierte Sattelstütze selbst:
Bei einer Spendersattelstütze wird das Rohr so abgedreht, daß der Kopf nutzbar wird. Der Kopf dreht sich so schnell, daß er nur sehr verschwommen zu erkennen ist:
Ein neues Sattelrohr im passenden Durchmesser wird gedreht:
Und ein paar weitere angefertigte Teile später ist sie fertig, die neue Sattelstütze mit Innenklemmung:
Da die Drehmaschine gerade so schön läuft, mache ich gleich noch zwei Sattelstützen mehr. Beziehungsweise ich fertige Ersatzrohre für alte Interloc-Sattelstützen, die bei klassischen Mountainbikes recht verbreitet sind. Auf die silberne Stütze ist der alte Kopf schon mal testweise montiert, bei der schwarzen muß das angefertigte Kopfstück noch zum Anodisieren, damit es schwarz wird:
Aber weiter mit der Nummer 20. Dort wird es jetzt federungsspezifisch. Vermutlich haben Sie es schon geahnt, ich baue grundsätzlich auch alle Lagerachsen, Umlenkhebel, Dämpferaufnahmen usw. für meine Räder selbst. Auch darum, weil ich seit 20 Jahren Erfahrung im Bau von gefederten Fahrrädern habe und weiß, daß meine Lagerungen ohne Wenn und Aber funktionieren. Das liegt teilweise an der Konstruktion, aber auch an der Beschränkung auf hochwertige Einzelteile. Zudem sind die Lagerungen immer noch zusätzlich zu den Lagerdichtungen gedichtet.
Im Bild: Die Lagerachse, hausgemacht aus hochfestem Aluminium, für höchste Präzision in einer Aufspannung gedreht. Die Hülsenmuttern lasse ich für meine Lagerungen speziell anfertigen, wenn schon denn schon. Zwei X-Ringe sorgen für die zusätzliche Abdichtung. Und die Lager selbst sind sogenannte Zweireihige Schrägkugellager. Sie sind spielfrei vorgespannt und können seitliche Kräfte aufnehmen. Kugellagerspezialisten werden es an den gelben Deckeln schon erkannt haben: Sie kommen von INA, nicht aus China. Wer es ergoogeln möchte (ich habe die Typenbezeichnung extra auf dem Foto sichtbar gelassen): Der Preis eines Lagers liegt etwa auf dem Niveau eines kompletten starren Aluminiumrahmens in Asien. Nicht ergooglebar: Die beiden Hülsenmuttern zusammen auch.
Eigentlich hatte ich geglaubt, daß die leidige Diskussion darüber, ob denn nun Gleitlager oder Kugellager bei einem gefederten Fahrrad besser sind, ein paar Jahre zurückliegt. Schon vor ein Jahren hatte ich einen technischen Artikel über das Thema geschrieben. Und regelmäßig lese ich in neuerer Zeit dieselben Argumente wie anno dazumal. In jeder Diskussion in einem Forum kommt dann noch ein Student im ersten oder zweiten Semester Maschinenbau hinzu und doziert lehrbuchgerecht, daß sich Kugellager für Lagerungen gefederter Hinterbauten nun gar nicht eignen, da es sich nicht um schnellaufende Lagerungen handelt. Da könnte ich mich aufregen. Tu ich aber nicht. Schließlich halten meine Kugellagerungen seit 1993, das ist länger, als die meisten Firmen überhaupt Erfahrung mit gefederten Fahrrädern haben (Nur mein erstes gefedertes Mountainbike 1992 habe ich noch mit Gleitlagerung gebaut). Allerdings mußte ich in meiner Diplomarbeit darauf hinweisen, daß meine Lagerungen nicht gerade beispielhaft für den allgemeinen Maschinenbau sind.
Sie sind das auch nicht, gottseidank. Die wenigsten Leute radeln auch bei gutem Wetter auf einer Drehmaschine oder einem Getriebe für Windkraftanlagen über ruhige Nebenstraßen.
Wer sich die Diplomarbeit durchlesen möchte, findet sie hier. Aus irgendeinem Grund klappt es bei mir nur, sie mit der rechten Maustaste herunterzuladen und dann auf dem Computer zu öffnen. Das PDF öffnet nicht direkt.
Viele Grüße,
Georg Blaschke
Weiter geht es mit Nummer 20
Neulich hatte ich mit einem Baubericht angefangen, das GEBLA 20 Anniversary mit der Nummer 20, ein Softtail Mountainbike aus Stahl. Jetzt geht es weiter.
Nachdem das Steuerrohr durch ein Wasserbad vom Flußmittel befreit wurde, geht es erstmal auf die Drehmaschine, damit das rostfreie G auch richtig schön rund wird:
Die graue Färbung des Steuerrohres kommt übrigens aus dem Wasser, es entsteht durch ein beigefügtes Rostschutzmittel.
Da ist erstmal noch Nacharbeit fällig, damit auch alles schön aussieht. Später unter dem Lack sieht man jede noch so kleine Unebenheit. Deshalb dauert das Nacharbeiten beim Rahmenbau auch meistens länger als die eigentlichen konstruktiven Tätigkeiten. Eigentlich müßte man mal einen Film machen, bei solchen Bildergeschichten fallen viele Arbeitsschritte einfach unter den Tisch, weil sie kaum sichtbare Veränderungen bewirken.
Weitaus unschöner als es aussieht: Ein größeres Loch in dünnwandigen, hochfesten Chrom-Molybdän-Stahl zu bohren, ist gar nicht so einfach. Auf jeden Fall, wenn es rund sein soll und die Kanten nicht zerrupft. Ich habe dafür speziell angeschliffene Bohrer, die ich nur dafür benutze. Die beiden Löcher im Steuerrohr erlauben später den Zugang zu Ober- und Unterrohr, zum Beispiel für die Hohlraumkonservierung, die bei mir jeder Rahmen erhält.
Jetzt werden die Gehrungen von Ober- und Unterrohr gefräst, damit sie nachher exakt am Steuerrohr und Sitzrohr bzw. dem Tretlager anliegen. Je geringer dort der Spalt ist, desto weniger verzieht sich der Rahmen beim Löten oder Schweißen. Dadurch gelingt es eher, einen geraden Rahmen zu bauen und auch die sogenannten Eigenspannungen (Spannungen im Material selbst, die nach außen nicht sichtbar sind) gering zu halten.
Nach dem Fräsen der Rohre gibt es wieder einmal innenverlegte Züge, drei Stück im Unterrohr, zwei für die Rohloff-Nabe, einen für die hintere Scheibenbremse. Ich hatte ja vor einiger Zeit schon einmal darüber geschrieben, wie kniffelig das sein kann, mehrer Edelstahlröhrchen in einem einzigen Rahmenrohr unterzubringen. Und zwar so, daß sie auch bei schlechten Wegen nicht gegeneinanderstoßen, nichts ist ja nerviger als ein klapperndes Teil am Rad. In diesem Fall ist das relativ harmlos, da die Rahmenrohre große Rohrdurchmesser haben. Das Unterrohr hat einen Durchmesser von 42mm. Bei ungefederten Rädern rate ich in der Regel von solchen Rohren ab, da sie den Rahmen unnötig steif und unkomfortabel machen. Aber dieses Rad ist gefedert, der Kunde ist relativ groß und legt Wert auf steife Rahmen, da ist das in Ordnung. Und macht das Leben bei den innenliegenden Zügen einfach, zudem auch Flaschenhalter nicht gewünscht werden. Ich habe also Platz. Wer auf dem Foto ganz genau hinsieht, sieht hinten auf dem Rohr zwei Querstriche, etwa da, wo der Schraubstock beginnt. Diese Striche zeigen an, wo das Rohr dünnwandiger wird, an den Enden ist die Wandstärke größer und das Rohr damit stabiler. Deshalb sollten Löcher für innenliegende Züge auch immer in Bereichen mit größerer Wandstärke liegen: Nicht zu nah am Ende, da das Rohr dort am höchsten belastet ist, aber auch nicht so weit entfernt, daß der Bereich der Endverstärkung verlassen wird.
Die Röhrchen werden verlötet. Hier das Bild direkt nach dem Löten. Die leicht grünliche Verfärbung des Flußmittels ist typisch bei rostfreiem Stahl.
Aufmerksame Leser ahnen bereits: Jetzt ist wieder einmal ein Bad zur Flußmittelentfernung fällig.
Eigentlich fehlen hier wieder ein paar Bilder. Die Edelstahlröhrchen müssen gekürzt, gefeilt und geschliffen werden. Und zwar so, daß es möglichst makellos aussieht, aber keinesfalls die Wandstärke des Unterrohres reduziert wird. Das bedeutet viele kleine Schritte der Nacharbeit, die man nachher nicht einmal sieht. Und dann müssen die Rohre an den Enden natürlich noch leicht angeschliffen und peinlich gesäubert werden, bevor alles in die Rahmenlehre darf:
Danach wird geschweißt und dabei kann ich nun wirklich keine Fotos machen, aber immerhin vom Ergebnis:
Auch das Schweißen dauert bei mir etwas länger, da ich jede Verbindung nacheinander schweiße und die vorhergehende erst abkühlen lasse. Dazu die Hintergründe zu erklären, ist an dieser Stelle zu aufwendig. Aber es hat wieder mit einem möglichst geraden Rahmen und den möglichst geringen Eigenspannungen zu tun.
Und während ich darüber nachdenke, ist mir zu den Eigenspannungen noch ein passendes Bild eingefallen: Fast jeder von uns kennt Streß. Eigenspannungen könnte man vielleicht mit dem sogenannten negativen Streß vergleichen. Während man von außen nicht unbedingt sieht, daß jemand gestreßt ist, weiß jeder, daß er gestreßt nicht gerade Höchstleistungen im Beruf, dem Sport oder der Kindererziehung vollbringt. Und auf Dauer kann Streß durchaus krank machen. So ähnlich ist das auch bei einem Fahrradrahmen. Die Eigenspannungen führen dazu, daß sich der Rahmen unter Belastungen von außen anders verhält als ein Rahmen ohne diese. Zudem sinkt die Lebensdauer des Rahmens, da er sein Leben lang unter Streß steht. Das ist niemandem zu wünschen, nicht einmal einem Fahrradrahmen. Deshalb bemühe ich mich, jedem Rahmen ein Leben mit möglichst wenig Eigenspannungen zu ermöglichen. Schließlich ist ein Fahrrad ideal dafür geeignet, auch beim Fahrer Streß abzubauen.
Viele Grüße,
Georg Blaschke
Rahmenbau in der Süddeutschen
Generell findet Rahmenbau in den gedruckten Medien kaum Beachtung. Es ist einfach eine Randerscheinung und für die breite Masse bedeutungslos. Aber ab und zu gibt es Ausnahmen: In jedem Messebericht von der Eurobike findet sich irgendein kurioses handgebautes Spezialrad, das augenscheinlich extra für Messeauftritte gebaut wurde, weil es meist mehrere technische Unsinnigkeiten enthält, die aber auffallen.
Für mich hat das immer etwas von einem Zoo, da sind ja auch die Tiere am interessantesten, die wenig Relevanz für die eigene Wirklichkeit haben. So ein Affe ist durchaus lustig, wenn er mag, und ein Löwe kann einen schon erschauern lassen, wenn er wenige Meter entfernt brüllt. Aber in Mitteleuropa sind beide Tierarten als Nutztier doch eher ungeeignet. Folgerichtig berichten die Fahrradzeitschriften in der Regel über neue Züchtungen von Kühen und Schweinen, die ein wenig mehr Milch und Schinken liefern oder deren Haut besonders lila oder rosig ist. Ich finde beide Extreme nicht besonders reizvoll: Entweder spannend, aber nutzlos und zudem bissig oder langweilig und auf Ertrag getrimmt. Da sind mir zum Beispiel die Schottischen Hochlandrinder oder alte Schweinerassen lieber, die eine erfrischende Andersartigkeit mit einer guten Portion Nützlichkeit verbinden. Und so sehe ich das auch bei Fahrrädern: Sie müssen nützlich sein, aber bitte ihren besonderen Reiz haben.
Manchmal gibt es in den gedruckten Medien auch Ausnahmen, so am gestrigen Montag in der Süddeutschen Zeitung. Da war ein längerer Artikel über Handgebaute Räder und die EHBE. Leider ist der online nicht zu sehen, auf jeden Fall nicht ohne ein App für ein iPad. Im Artikel wird der Bogen gespannt von den besonderen, langlebigen Produkten der oft einzeln arbeitenden Rahmenbauer mit mehrmonatiger Lieferzeit und dem kärglichen Umfang der diesjährigen EHBE, die wohl auch die letzte gewesen sein wird. Vielleicht ist die EHBE ein Beweis mehr dafür, daß Handgebaute Räder durchaus dazu taugen, eine Messe interessant zu machen, aber echte Umsatzträger überwiegen müssen, um die breite Masse der Aussteller, Kunden und Presse anzulocken. Um so schöner, daß es die Süddeutsche zur EHBE geschafft hat. Von vielen Rahmenbauern kann man das leider nicht sagen. Übrigens hat der Autor des Artikels,Michael Tibudd, auch einen schönen blog: radlblogger.de
Ich hoffe darauf, daß es mit dem Rahmenbau messemäßig irgendwie weitergeht, eventuell im Rahmen einer bestehenden anderen Messe. Die Berliner Fahrrad Schau ging ja schon in die Richtung.
Und wer den Artikel in der Süddeutschen gelesen hat: Nein, ich gedenke weiterhin Georg zu heißen, auch wenn Gerhard auch ein schöner Name ist und ich nicht mal das GEBLA ändern müßte.
Viele Grüße,
Georg Blaschke
Nummer 20 entsteht…
Ich hatte neulich ja schon angekündigt, hier die Entstehung des nächsten Rohloff-Rades vorzustellen. Es wird ein 20 Anniversary werden, und zwar mit der Nummer 20. Und es wird gefedert sein, ein sogenanntes Softtail. Ich baue regelmäßig auch gefederte Räder, aber so selten, daß es auch für mich immer wieder etwas Besonderes ist. In einem Technischen Artikel auf meiner website habe ich mich etwas genauer mit den Softtails befaßt, hier soll es eher um den Bau desselben gehen.
Wie üblich beginne ich mit dem Tretlager. Und wie üblich drehe ich das Gehäuse erstmal außen und innen ab, um unnötiges Gewicht zu reduzieren. Auch zum Thema Gewicht gibt es übrigens einen Technischen Artikel. Aber dieses Gehäuse wird etwas dickwandiger bleiben, um den höheren Belastungen beim Softtail gewachsen zu sein.
Wichtig ist beim Abrehen, keine scharfen Kanten zu hinterlassen, da dies das Entstehen von Rissen begünstigen würde. Ich benutze spezielle Drehmeißel mit einem großen Radius, hier für das Ausdrehen innen:
Und es ist wichtig zu kontrollieren. Das ist innen gar nicht so einfach. Da man mit einem Meßschieber an die Stelle gar nicht kommt und zudem ein Meßschieber bei Innenmessungen immer relativ ungenau ist, mache ich das mit einem Innenmikrometer. Das ist ziemlich verläßlich. Die blau-grüne Hand ist übrigens von mir.
Die Gehrung am Sitzrohr wird gefräst:
Das Tretlagergehäuse braucht noch eine Ablaufbohrung für eventuell in den Rahmen eingedrungenes Wasser, wie üblich fräse ich ein G ein:
Alles blankschleifen und peinlich säubern und dann wird es in die Rahmenlehre montiert, damit das Gahäuse auch wirklich senkrecht zum Sitzrohr sitzt. Gehrung und Gehäuse müssen spaltfrei passen, damit es möglichst wenig Verzug gibt:
Und verschweißen:
Und jetzt wird es zum zweiten Mal speziell und man sieht, daß das kein normales Rad wird. Die beiden Laschen, die später die Lagerachse des Hinterbaus tragen, werden angeschweißt:
Während die Laschen selbst aus hochfestem Stahl sind, löte ich auf die Oberflächen wie bei meinen Ausfallenden auch rostfreie Plättchen auf. Die können später metallisch blank bleiben, Farbe würde den präzisen Sitz der Achse nur stören. Hier alles direkt nach dem Löten:
Während das Tretlager erstmal baden muß um das Flußmittel zu entfernen, widme ich mich dem Steuerrohr. Das Rad wird für eine Cannondale Headshok Gabel gebaut und erhält ein spezielles Steuerrohr dafür. Auch auf dieses gehört natürlich ein G aus rostfreiem Stahl. Auch hier das Bild direkt nach dem Löten:
Weiter geht es, wenn das Bad beendet wurde.
Viele Grüße,
Georg Blaschke
Das Rohloff-Rad
Auf beiden Messen in diesem Jahr hatte ich jeweils ein Rad mit Rohloff-Nabe dabei und beide waren völlig unterschiedlich: Auf der Berliner Fahrrad Schau war es ein 29er Mountainbike mit Rennlenker, auf der EHBE ein eher klassischer Randonneur. Ich muß zugeben, daß ich gerne Räder mit Rohloff baue. Nicht, weil die Nabe so toll wäre. Sie ist natürlich toll und hat viele Vorteile, auch ein paar Nachteile. Aber darüber wurde in diversen Foren schon so viel geschrieben, daß ich mich nicht auch noch darüber auslassen möchte. Mich interessiert daran eher, daß es einem eine Rohloff etwas schwerer macht, vor allem aber, daß man es so viel besser und schöner machen kann als die Konkurrenz.
Mit Konkurrenz meine ich nicht die anderen Rahmenbauer. Das ist für mich keine Konkurrenz – in dem Sinne daß sie sowiso völlig eigenständige Räder bauen. Wer sich von Ulrich Vogel einen Rahmen bauen läßt, würde sich wahrscheinlich vom Stil her kein Rad von mir bauen lassen – und umgekehrt. Insofern freue ich mich über jedes Rad, das vom Rahmenbauer kommt. Mich verwundert eher, daß so viele Rohloff-Räder von der Stange gekauft werden. Oft sind sie gar nicht mal so viel günstiger. Die halte ich für meine eigentliche Konkurrenz und befürchte, daß so manche Käufer dieser Räder die Alternative vom Rahmenbauer gar nicht recht kennen.
Und dann gibt es noch die Billigräder, die natürlich mit Rohloff nicht mehr so richtig billig sind, sich aber sehr darum bemühen. Die erinnern mich immer ein wenig an das sogenannte XT-Rad. Wer lange genug auf zwei Rädern unterwegs ist kann sich sicherlich noch an den Mountainbike-Boom in den späten 80er und frühen 90er Jahren erinnern. Die Shimano DeoreXT war der Stand der Technik, massive Konkurrenz gab es nicht mehr und noch nicht wieder. Ein Mountainbike mit XT war das Tollste, was sich die meisten Kunden vorstellen konnten. Das führte dazu, daß um die Teile von Shimano herum teilweise absolute Billigräder entstanden. Es gipfelte in Angeboten, in denen billigst ausgestattete Räder mit einem XT Schaltwerk als Lockvogel für unkundige Käufer ausgestattet waren. Auch hier sehe ich keine Konkurrenz. Solche Räder sind so lieblos gemacht und zusammengestellt, daß es dann doch oft auffällt.
Für mich hat ein Rohloff-Rad für die Rohloff gebaut zu sein, nur dann kommt man dem Ideal nahe. Viele Rahmen haben verstellbare Ausfallenden, damit das Rahmenmodell für Rohloff und für normale Kettenschaltungen taugt. Ist der Rahmen dann noch mit Sockeln für Felgenbremsen und gleichzeitig mit Befestigungsmöglichkeiten für Scheibenbremsen ausgestattet, wird er zur eierlegenden Wollmilchsau und spart vor allem dem Verkäufer Geld, weil er nur ein Rahmenmodell einkaufen und vorrätig halten muß. Aber Rahmen, die für alles taugen sollen, sind immer Kompromisse und das sieht man ihnen auch an. Manche Kunden geben sogar Geld dafür aus, damit die unnützen Sockel für die ungenutzen Bremsen wieder entfernt werden. Das kann ich sogar verstehen, aber eigentlich ist das bedauerlich.
Hier ein paar Bilder des auf der EHBE gezeigten Randonneurs. Eine Rohloff verbaut an einem Rad mit Rennlenker ist immer ein gewisser Kompromiss, da es den perfekten Schalter dafür meiner Meinung nach nicht gibt. Für sinnvoll halte ich es hier, den Schalter an das Lenkerende zu bauen, von der Handposition auf den Bremshebel aus ist das sehr gut zu bedienen. Ungünstiger ist es vom Oberlenker aus. Da wäre ein Drehgriff von Berthoud eine sinnvolle Sache. Aber dorthin ist der Weg von den Bremshebeln dann wiederum recht weit.
Eine wirkliche Lösung wird es erst geben, wenn es für die Rohloffnabe eine vernünftige elektrische Schaltbox gibt. Und wenn man mal träumen darf, würde diese ihre Energie aus dem ja doch meist mit verbauten Nabendynamo beziehen und käme mit den unterschiedlichen Schaltern für elektrische Schaltungen zurecht, die es mittlerweile gibt und vermehrt ab Mitte diesen Jahres geben wird.
Die Ausfallenden sind funktionell und visuell für mich Schlüsselstellen eines Fahrradrahmens. Deshalb verwende ich fast ausschließlich meine eigenen Ausfallenden, die ich oft einzeln für den jeweiligen Rahmen anfertigen lasse. Ich mag es überhaupt nicht, wenn deutlich zu sehen ist, daß das Ausfallende für einen anderen Winkel zwischen Ketten- und Sattelstreben entworfen wurde als es an dem jeweiligen Rahmen der Fall ist. Auch sind meine Ausfallenden aus hochfestem Stahl gefertig und besitzen weichere Oberflächen aus rostfreiem Stahl, die den Schnellspannern guten Halt bieten. Und nein, Ausfallenden für Rohloff müssen nicht klobig sein und können trotzdem problemlos die Montage von Scheibenbremse, Gepäckträger und Schutzblech ermöglichen. Und wenn es denn gewünscht wäre, hätte ich auch noch den passenden rostfreien Haltebügel für die Weber-Kupplung dafür. Auch dieser passend für das Ausfallende gemacht, damit man sich nicht mit Adaptern herumplagen muß.
Hier die linke Kettenstrebe mit der Zugführung. Beide Züge für die Rohloff und der hintere Bremszug laufen durch eigene Edelstahlröhrchen im Unterrohr. Gut zu sehen auch das Excenter-Tretlager zur Einstellung der Kettenspannung.
Der Rohloff-Drehgriff am Lenkerende. Die fast ideale Zugführung sorgt für geringe Schaltkräfte.
Der gefräste Abschlußdeckel wird mit einer Titanschraube befestigt. Für mich sind es die kleinen Details, die ein Rad zu etwas Besonderem machen.
Ich hoffe demnächst mal wieder Zeit zu finden, Räder auf meiner website ausführlicher vorzustellen. Leider kann ich von vielen Rädern keine Fotos machen, aber einiges hat sich wieder angesammelt.
Und in der kommenden Woche werde ich mit dem dritten Rohloff-Rad diesen Jahres beginnen, dessen Bau ich hier teilweise vorstellen möchte.
Viele Grüße,
Georg Blaschke
EHBE 2012 Nachlese
So, die EHBE 2012 ist vorbei und das Meiste schon wieder aus dem Auto geräumt und verstaut. Wie immer war es eine schöne Veranstaltung mit viel Zeit für Gespräche. Sie war kleiner als in den beiden ersten Jahren, trotzdem ist sie immer noch die Messe im deutschsprachigen Raum, auf der die meisten handwerklichen Rahmenbauer ausstellen. Warum nicht alle da sind, wird mir ein ewiges Rätsel bleiben. Natürlich zahlt es sich nicht nachrechenbar aus, auszustellen. Der Aufwand ist für einen allein arbeitenden Rahmenbauer doch relativ groß. Deshalb kann ich nachvollziehen, daß man sich aus wirtschaftlichen Gründen dagegen entscheidet. Allerdings sehe ich mich auch irgendwo in der Pflicht, Besuchern und Kunden einen direkten Vergleich zu ermöglichen. Den Vergleich zwischen den ausgestellten Rädern und Rahmen, aber auch den Vergleich der Rahmenbauer. Gute Kommunikation zwischen dem Rahmenbauer und Kunden ist extrem wichtig, um ein doch eher aufwendiges Projekt wie einen Rahmen optimal gelingen zu lassen. Nirgendwo kann man besser ausprobieren, ob man auf einer Wellenlänge liegt, als auf einer Messe, die klein genug ist, ausführliche Gespräche führen zu können. Das ist die EHBE. Sie dürfte aber durchaus ein klein, klein wenig größer ausfallen, vor allem auf Ausstellerseite. Auf der Besucherseite war ich wieder sehr überrascht, wie weite Wege wieder in Kauf genommen wurden! Auch da sehe ich mich in der Pflicht, dieses Engagement der Besucher zu honorieren, indem ich einfach da und ansprechbar bin!
Einige Besucher haben mich auch dadurch überrascht, daß sie den Weg extra auf sich genommen haben, um mich zu besuchen. Für mich ist das ein großes Kompliment und ich freue mich darüber sehr. Ein anderes Kompliment für mich war, daß dieser blog sehr ausführlich gelesen wird. Und sehr genau! So hatte ich selbst schon ganz vergessen, daß ich in einem Artikel darüber geschrieben hatte, daß ich mir für die Herstellung von Excenter-Tretlagern doch mal einen größeren Bohrer zulegen sollte. Promt bekomme ich von einem Besucher mit den Worten “Statt Blumen” ein bleischweres rundes Etwas in die Hand gedrückt, das sich beim Auswickeln als massiver Bohrer im Durchmesser von 50 Millimetern entpuppte.
Vielen Dank dafür, ich werde hier berichten, wie gut die Arbeit damit vorangeht!
Zu sehen ist der Bohrer hier schon in meiner Werkstatt auf der Werkbank. Direkt daneben eine Flasche Rotwein, die mir der neue Besitzer des auf der EHBE ausgestellen Randonneurs bei der Abholung geschenkt hat. Auch dafür Vielen Dank!
Ein anderer Höhepunkt der diesjährigen EHBE waren sicherlich die Selberbruzzler aus Wien. Wer sie noch nicht kennt: Vor einem guten Jahr machte sich eine Gruppe von Leuten verschiedenster Profession auf, Fahrradrahmen zu bauen. Zum Spaß und ohne sich damit bisher beschäftigt zu haben. Das kann eigentlich nur schiefgehen, und so haben sie im österreichischen Bikeboard.at einen Thread gestartet: Der Selberbruzzler Thread – Eine Chronologie des Scheiterns. Allerdings muß man anmerken, daß sie ihrem Ziel doch etwas untreu geworden sind und daß die Erfolge mittlerweile deutlich überwiegen!
Schön ist zudem, daß es nicht nur in der Sache klappt, sondern daß die Selberbruzzler auch einen höchst angenehmen und selbstironischen Umgang miteinander (und sogar mit Nichtösterreichern
) pflegen. Das ist in Foren leider fast schon unüblich, umso mehr Spaß macht es, den thread zu verfolgen und den einen oder anderen Tip geben zu können. Nicht nur mir, sondern auch anderen Rahmenbauern wie Ulrich Vogel, Thomas Veidt und Kai Bendixen. Auch viele andere scheinen den thread gerne zu lesen, denn viele Besucher haben den Stand der Selberbruzzler gezielt aufgesucht, um sich zu informieren. Natürlich war ich tagsüber meist an meinem eigenen Stand beschäftigt, aber konnte doch zwei tolle Abende mit den Selberbruzzlern verbringen. Am zweiten Abend wurde mir und Ulrich Vogel eine besondere Ehrung zuteil, indem wir für unsere Tips im thread zu Meisterbruzzlern erklärt wurden! Als Symbole des neuen Status wurden uns zudem ein T-Shirt und eine Tasse mit entsprechendem Aufdruck überreicht! Vielen Dank! Hier ist die Tasse zu sehen, schon zum dritten mal mit Kaffee gefüllt. Nach einem Messewochenende ist die Kaffeetasse halt besonders wichtig.
Und zum Schluß: Mein allergrößter Dank gilt Indra und Ingo, die diese Veranstaltung nun zum dritten mal auf die Beine gestellt haben! Und das mehr oder weniger nebenbei und zusätzlich zu den sonstigen Mühen des Alltags. Ich würde mich freuen, auch nächstes mal wieder dabei sein zu können!
Viele Grüße,
Georg











































