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Rostfreier Stahl, elektrisch geschaltet (2)

10. Oktober 2011

Neulich hatte ich es schon angekündigt: Es gibt mehr Informationen über die Besonderheiten eines Stahlrahmens aus rostfreiem Columbus XCR-Rohr, der für die elektrische Shimano DuraAce Di2 Gruppe ausgelegt ist.

Vielen meiner Rahmen sieht man nicht an, was drinsteckt. Manchmal arbeite ich auch bewußt so, daß der Rahmen eher schlicht wirkt und seine Details erst bei genauem Hinsehen offenbart. Dann sieht der Rahmen sehr einfach aus, ist aber von der Herstellung her meist aufwendiger. Zu diesen Rahmen gehört der hier vorgestellte: Ein Rahmen, der sich selbst bewußt zurückhält, um die besondere Lackierung voll zur Geltung kommen zu lassen.

Wie man sieht, ein schlichter Rennrahmen mit Anlötteilen für den Umwerfer und zwei Flaschenhalter. Andere sichtbare Anlötteile fehlen aber und das liegt an der Shimano DuraAce Di2, die nicht über die klassischen Bowdenzüge, sondern über elektrische Kabel betätigt wird. Fast schon zwangsläufig muß man diese Kabel im Rahmen verlegen, außen sieht es grausig aus. Allerdings verlangt die Innenverlegung einige Löcher im Rahmen, die den extrem dünnwandigen und damit empfindlichen Columbus XCR-Rohren nicht guttun.

Würde man einfach Löcher in die Rohre bohren oder fräsen, würde das Rohr an der Stelle deutlich geschwächt und es würden ideale Ausgangsstellen für Risse entstehen. Hier am Beispiel des Kabelaustritts für den Umwerfer. Das Loch ist oval, da ich es fräse anstatt zu bohren. Dadurch kann man das Loch etwas kleiner halten und schwächt das Rohr entsprechend weniger.

Das hilft natürlich schon einmal, aber der eigentliche Trick ist von außen nicht zu sehen. Der Bereich um das Loch ist von innen durch eine aufgelötete Scheibe verstärkt. Hier mal ein mit einer Endoskopkamera aufgenommenes Bild (das allerdings den Kabeleintritt in das Unterrohr zeigt):

Natürlich könnte man diese Scheibe auch außen auflöten, das würde die Herstellung erheblich vereinfachen. Allerdings sähe eine Verstärkung außen an solchen Stellen schon etwas aufgesetzt aus.

Ganz im Hintergrund sieht man übrigens ein Anlötteil für den Flaschenhalter in das Rohr ragen. Im folgenden Bild ist es ganz deutlich: Auch die Flaschenhalter sind von innen durch aufgelötete Scheiben verstärkt. Sehr schön zu sehen die durch das Silberlot gebildeten Kehlen. Bei so dünnwandigen Rohren wie dem XCR ist eine Verstärkung eigentlich Pflicht, so selten sind von Flaschenhaltern ausgehende Risse nicht. Deutlich abraten würde ich bei Stahl von der Verwendung von Einnietmuttern, wie man sie von Aluminiumrahmen her kennt. Für diese muß das Loch nochmals größer sein und unverstärkt gehen von ihnen gerne Risse aus.

Hier die Flaschenhalter von außen:

Man kann natürlich die Unsichtbarkeit von Flaschenhalteranlötteilen auf die Spitze treiben. Hier ist nicht nur die Verstärkung, sondern auch ein spezielles Anlötteil von innen an das Rohr gelötet. Wie gesagt ist wichtig, daß es überhaupt eine Verstärkung gibt. Wo die sitzt, ist dann eher Geschmacksache.

Am Umwerferanlötteil gibt es noch ein Di2-spezifisches Detail zu entdecken: Es ist eine spezielle Anlagefläche aus rostfreiem Stahl aufgelötet, an der sich der Umwerfer abstützen kann. Der Umwerfer verfügt dazu über eine Madenschraube, die bis an das Rohr geschraubt wird. Diese Schraube kann bei den am Umwerfer auftretenden höheren Kräften regelrecht eine scharfe Delle in das Rohr drücken, auch das wäre wieder ein idealer Startpunkt für einen Riß.

Die Batterie für die Schaltung wird versteckt unter der linken Kettenstrebe sitzen. Am Tretlagergehäuse sieht man die Bohrung für das Kabel. Auch gut zu sehen ist das eingefräste Logo, daß diesen Rahmen als einen VANDEYK ausweist. Üblicherweise fräse ich in meine Rahmen natürlich ein G ein.

Auch der hintere Bremssteg trägt das VANDEYK Logo:

Die Ausfallenden sind klassisch geschlitzt eingelötet. Auch hier setzten die rostfreien XCR-Rohre die Verwendung von Silberlot voraus.

Wie ein solcher Rahmen aufgebaut aussieht, gab es ja neulich schon hier zu sehen. Auch auf VANDEYKs facebook Seite sind einige Bilder vorhanden.

So, das war es erstmal für heute.

Viele Grüße,

Georg Blaschke

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9 Kommentare
  1. ja.re. permalink

    sehr sehr kuhl, das andere mit der abgefahrenen tron-style-lackierung ist auch echt der hammer! aber wieso diese fetten steuerrohre?? sähe meiner meinung nach besser aus wenns ne nummer dünner wäre..

    • Die Steuerrohre sind natürlich Geschmacksache. Ich empfehle in der Regel ein klassisches Steuerrohr. Das ist bei Stahlrahmen das leichteste, ohne irgendwelche Nachteile zu haben. Letzlich füge ich mich aber bei solchen Dingen geschmacklich dem Kundenwunsch. Die Notbremse ziehe ich nur, wenn es mit Nachteilen einhergeht, die ich nicht vertreten möchte. Sonst haben ja viele Entscheidungen Vor- wie Nachteile und man muß abwägen.

      Viele Grüße,
      Georg

  2. Mein lieber Herr Gesangsverein! Ich fand die VANDEYKs ja wirklich schon optisch der Wahnsinn, aber die incognito-Details sind wirklich der Hammer…

  3. Karl permalink

    Hallo Georg,

    Wahnsinn welche Details du immer wieder versteckst.

    lg, Karl

    • Hallo Karl,

      ja, deshalb mußte hier mal ein blog her, damit ich sowas besser zeigen kann. 🙂

      Viele Grüße,
      Georg

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