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Lieblingswerkzeug – Teil1

14. November 2011

Man hat ja so seine Lieblingsdinge, -personen, -orte, -bücher, -filme , -tiere und was es sonst noch so alles gibt. Das geht nicht unbedingt logisch, gerecht und sinnvoll zu. Niemand hat bis jetzt herausgefunden, warum kleine Kinder sich gerade das bestimmte Kuscheltier als Liebling erkoren haben, das man kurz vor dem lange hinausgezögerten Waschgang nur noch mit zwei Fingern anfassen mag. Und manchmal kann man sich nur wundern, wenn einem eigentlich sympathische Personen dieses Buch oder jenen Film als absoluten Favoriten beschreiben, während man beides eher mau findet. Recht negativ sogar kann es werden, wenn man regelmäßig vorgeführt bekommt, daß der Lehrer so seine Lieblingsschüler hat. Und man selbst natürlich nicht dazugehört… 🙂

Auch ich habe viele Lieblingsdinge und in meiner Werkstatt sind das vor allem Werkzeuge. Deshalb fange ich heute an, in einer losen Abfolge meine Lieblingswerkzeuge vorzustellen.

Bei Werkzeug für einen Rahmenbauer stellt man sich wahrscheinlich erstmal Feilen, Maschinen oder Schweißgeräte vor. Anfangen will ich aber mit einer sogenannten Endoskopkamera, das ist in meinem Fall eher ein Kontrollwerkzeug. Generell bin ich großer Fan von Meß- und Kontrollwerkzeugen und halte es da mit Lenin: Vertraue, aber prüfe nach. Bzw. als bekanntere deutsche Version: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.  In der Industrie und größeren Firmen wird das üblicherweise so gehandhabt, daß jemand anders die eigene Arbeit prüft oder testet. Wenn man allein arbeitet, sollte man strukturiert genug sein, die eigene Arbeit zu prüfen. Ich habe gelernt, daß es am sinnvollsten ist, jeden Arbeitsschritt direkt nach seiner Entstehung zu überprüfen. Genau wie jedes Einzelteil, daß man verwendet. Einzelne als schlecht erkannte Teile oder fehlerhaft bearbeitete Teile zu verschrotten ist immer besser als ein fehlerhaftes Teil in einen fertigen Rahmen eingebaut zu haben.

Diese Erkenntnis ist ja schon gut, aber reicht nicht aus. Neben dem Willen zur Kontrolle braucht man eben auch die nötigen Werkzeuge dazu. Und schon sind wir wieder bei einem meiner Lieblingswerkzeuge, der Endoskopkamera. 🙂

Jeder hat mittlerweile eine Digitalkamera. Meine Endoskopkamera ist sehr ähnlich, nur daß sich das Objektiv am Ende einer Leitung mit nur 5,5mm Durchmesser befindet. Dadurch kommt man recht problemlos in 6mm große Löcher und kann in das Innere eines Rahmens gucken. In diesem Falle gucke ich in das Rahmenrohr, um die innenliegende Verlötung eines Flaschenhalters zu kontrollieren, bevor das Rohr weiter bearbeitet oder gar in den Rahmen eingebaut wird. Die zugehörigen Bilder des Endoskops finden sich hier im blog im Artikel über den Edelstahlrahmen für Di2.

Auch bei innenverlegten Zügen, für die ich ja immer Röhrchen aus rostfreiem Stahl einlöte, kann ich so überprüfen, daß sich rund um das Röhrchen eine relativ große Lotkehle bildet, da diese zusammen mit dem Röhrchen selbst für Stabilität sorgt. Immerhin hat man vorher ein Loch in das Rahmenrohr gebohrt, was dieses potentiell schwächt.

Generell überprüfe ich den Lotverlauf der Ausfallenden direkt nach dem Einlöten bzw. nach dem Entfernen des Flußmittels. Hier gut zu sehen ist die halbkugelförmige Lotkehle innen am Ausfallende. Das „gut zu sehen“ ist hier im blog leider etwas relativ: Bei der Arbeit mit der Kamera erzeugen kleine Bewegungen mit dem Objektiv ein eher räumliches Bild, was bei den statischen Bildern hier nicht so wiedergegeben werden kann.

Fast unverzichtbar ist die Endoskopkamera für mich bei Reparaturen, die ich ja regelmäßig vor allem an klassischen Mountainbikes durchführe. Allein schon um zu beurteilen, ob ein Rahmen überhaupt reparaturwürdig ist, sollte man ihn vorher auf den inneren Rostbefall hin untersuchen. Hier ist der Rostbefall im Tretlagerbereich des Sitzrohres schon sehr deutlich:

Und hier in demselben Rahmen in der rechten Kettenstrebe, vom Ausfallende her gesehen: Der Rohrabschnitt, der beim Fräsen der Kettenstrebe entstanden ist, hat sich in der Kettenstrebe verklemmt und fristet nun dort sein kärgliches Dasein. Vielleicht hätte dort auch jemand noch mal in das Rohr gucken sollen, bevor es verbaut wird, dann wäre es nämlich eine Zweiminutensache gewesen, den Rohrabschnitt herauszuholen. Und eventuell wäre der Rahmen dann nie in meiner Werkstatt gelandet, denn er ist am Ausfallende gebrochen (nur so konnte ich ja von hinten in die Kettenstrebe gucken). Auch das wäre vielleicht mit einem Blick in das Rohr nach dem Einlöten des Ausfallendes zu vermeiden gewesen,…

…wenn, ja wenn ein Endoskop auch zu den Lieblingswerkzeugen des Erbauers dieses Rahmens gehört hätte.

Viele Grüße,

Georg Blaschke

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