Skip to content

Gabeln

24. Januar 2012

Zu jedem Fahrradrahmen gehört eine Gabel. Ich finde es immer am schönsten, wenn man beiden auch ansieht, daß sie zusammengehören. Das ist in der heutigen Zeit der Federgabeln bei Mountainbikes und Carbongabeln bei Rennrädern fast verlorengegangen. Ich will da keine alten Zeiten glorifizieren: Für Federung an Fahrrädern war ich seit der ersten Federgabel für Mountainbikes und Carbongabeln sind technisch nicht zu schlagen, wenn man dem Gewicht einen deutlichen Stellenwert einräumt. Aber trotzdem freue ich mich jedesmal, wenn einer meiner Rahmen zusammen mit einer Gabel bestellt wird. Hauptsächlich weil das Paket dann einfach stimmig aussieht. Dazu kommt noch, daß sich die Gabeln einfach gut fahren und, das ist keine Selbstverständlichkeit, sich auch beim Bremsen solide verhalten. Wie sehr einem eine beim Bremsen flatternde Gabel ein ganzes Rad verderben kann, kann man regelmäßig in diversen Foren nachlesen. Schön, daß man dann immerhin ein paar hundert Gramm gespart hat.

Ich baue auch regelmäßig Gabeln für klassische Mountainbikes. Meine eigenen Gabeln sind ja der klassischen FatChance YoEddy! Gabel sehr ähnlich. Und ich will auch gar nicht verheimlichen, daß der Stil in weiten Teile von ihr angeregt ist. Aber es gibt auch Unterschiede, die sich auch dadurch ergeben haben, daß ich mittlerweile so einige originale Fat Chance Gabeln repariert habe und deshalb die Schwachstellen besser kenne als die Erbauer. 20 Jahre Feldtest verschaffen eben viele Informationen, die damals nicht zur Verfügung standen. 🙂

Nach heutigem Stand werden die ersten drei 20 Anniversary Rahmen mit dazugehöriger Stahlgabel entstehen, obwohl ich auch die Variante mit Federgabel anbiete. Die erste dieser drei Gabeln entsteht diese Woche, sie wird zusammen mit einer Gabel für ein klassisches FatChance YoEddy! gebaut. An diesen Beispielen möchte ich über Gabeln erzählen.

Ich baue fast ausschließlich sogenannte segmentierte Gabeln. Dabei ist der klassische Gabelkopf durch eine Schweißkonstruktion von sogenannten Segmentrohren ersetzt, eine relativ leichte und dennoch steife Konstruktion. Gleichzeitig ist die Konstruktion sehr variabel, was die Abstimmung auf Fahrverhalten, Fahrergewicht und die gewünschte Geometrie betrifft.

Eine recht detaillierte Beschreibung der Entstehung ist auf meiner website zu finden. Deshalb werde ich hier nur die Dinge beschreiben, die für das erste 20 Anniversary und die Ersatzgabel für das YoEddy! wichtig sind.

Hier die Segmentrohre in der Lehre, kurz bevor sie an das Gabelschaftrohr geschweißt werden. Gut zu sehen sind am Ende des Gabelschaftes drei Bohrungen: Die zwei äußeren haben Gewinde für die versteckte Befestigung eines vorderen Schutzbleches, das mittlere ist eine Ablaufbohrung, damit sich im Gabelschaft kein Wasser sammeln kann. Die Befestigung des Schutzbleches mit zwei Schrauben sorgt für deutlich mehr Steifigkeit und weniger mögliches Flattern.

Hier der Ring, der den Konus des Steuersatzes trägt, kurz vor und kurz nach dem Auflöten. Das ist eine Stelle, an der ich anders arbeite als es bei der originalen YoEddy! Gabel der Fall war. Dort wurde der Ring aufgeschweißt. Das Aufschweißen führt an der Stelle der Gabel, die am höchsten belastet ist, zwangsläufig zu einer ringförmig umlaufenden Kerbe. Ein technisches Unding und im Zweifelsfall Gift für die Langlebigkeit. Deshalb wird der Ring von mir mit bei niedriger Temperatur schmelzendem Silberlot aufgelötet. Das ist die aufwendigere, aber bessere Variante.

Als nächstes wird die Passung für den Konussitz gedreht, nachdem das Flußmittel entfernt wurde. Eine Bearbeitung auf der Drehbank ist deutlich präziser als durch die üblichen Fräser:

Drehbankspezialisten werden im Foto oben trotz des sich drehenden Futters erkannt haben, daß ich zur Aufnahme des Gabelschaftes sogenannte weiche Backen verwendet habe, die für den jeweiligen Anwendungsfall speziell ausgedreht werden und dadurch praktisch perfekt rundlaufend spannen können. Das erhöht noch die Präzision des Konussitzes, indem zusätzlich ein Versatz zur Achse des Gabelschaftes vermieden wird.

Im folgenden Foto sind wieder die üblichen Stufenbacken eingesetzt, da es für den verwendeten Fräser keine wirkliche Rolle spielt. Jetzt werden die Gehrungen für die Gabelbeine gefräst. Die Segmente sollen sich möglichst genau an die Gabelbeine anschmiegen. Diese Prozedur ist gar nicht so einfach, da in mehreren Richtungen Winkel zu beachten sind. An den meisten Stellen eines Fahrradrahmens liegen die Achsen der zu verbindenden Rohre auf derselben Ebene und es zählt nur ein Winkel. Hier ist alles krumm und schief und muß trotzdem stimmen. 🙂 Vorteilhaft ist, daß die Segmente schon an den Schaft geschweißt sind. Eventueller Verzug dort hat dadurch keine Auswirkungen, da die Fräsung erst danach erfolgt.

Damit ist der Gabelkopf bis auf Säuberungen fertig und ich wende mich den Gabelbeinen zu. Bei der Art der Ausfallenden lehne ich mich stark an die elegante und leichte Variante der YoEddy! Gabel, die leider umso aufwendiger ist.

Die Gabelbeine müssen eine Gehrung erhalten:

Diese Gehrung dient zur Aufnahme eines Rohrsegmentes, hier noch schön roh zu sehen:

Verarbeitet mit den Ausfallenden sieht es dann schon ziviler aus. Schön zu sehen hier die unterschiedlichen Ausfallenden: Rechts die Variante für das klassische Mountainbike, links die Variante für das 20 Anniversary. Deren Öffnung ist leicht nach vorne gerichtet, so daß die durch die Scheibenbremse entstehenden Kräfte möglichst quer zur Richtung der Schlitze wirken. Dadurch wird ein immer gleichbleibender Sitz des Vorderrades erreicht, wichtig nicht nur für die Sicherheit, sondern auch für die perfekte Funktion der Scheibenbremse. Das Ausfallende des linken Gabelbeins trägt bei der Scheibenbremsvariante zudem einen Vorsprung für die Anbringung des Anlötteils für die Scheibenbremse. Dazu beim nächsten Mal mehr.

In der Mitte übrigens eine Möglichkeit, um sich hier die Arbeit zu erleichtern: Ausfallenden fertig in der Variante aus Feinguß. Nicht ganz so leicht, nicht ganz so elegant. Leider möchte sie niemand an meinen Gabeln. 🙂

Bei der Gabel für das klassische Mountainbike geht es jetzt am anderen Ende der Gabelbeine weiter. Edelstahldeckelchen werden aufgeschweißt. Unüblich für mich ohne Gravur, aber die Gabel soll an dieser wichtigen Stelle, an der das Original Aufkleber trägt, dem Original entsprechen:

So, bis auf ein paar Kleinteile ist die Gabel fertig. Gut zu sehen hier der 1″ Gewindeschaft. Der Schaft ist übrigens original aus der damaligen Zeit, rostfrei und von Columbus. Besser geht es nicht.

Mehr zu den fehlenden Kleinteilen und natürlich zur weiteren Entstehung der ersten 20 Anniversary Gabel gibt es beim nächsten Mal.

Viele Grüße,

Georg Blaschke

Advertisements

From → Uncategorized

5 Kommentare
  1. MIKe permalink

    ich sehe du lötest den lagerring jetzt eher auf. ist sicher handlicher beim drehen !?

    • Hallo Mike,

      den Lagerring habe ich bei meinen Gabeln immer schon aufgelötet. Bei originalen FatChance Gabeln war er geschweißt, das erzeugt aber eine umlaufende Kerbe, die für die Dauerfestigkeit ungünstig ist. Deshalb löte ich…

      Viele Grüße,
      Georg

  2. Micha permalink

    Moin Georg,

    ich freu mich schon auf meine Gabel, da darfst du aber deine Gravur mit einbringen.

    Grüße Micha

Trackbacks & Pingbacks

  1. Weiter mit dem GEBLA 20A02 und der BigOneInch « GeorgBlaschkeBikes
  2. OldSchool – Die Mittelstufe | GeorgBlaschkeBikes

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: