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Das Rohloff-Rad

21. April 2012

Auf beiden Messen in diesem Jahr hatte ich jeweils ein Rad mit Rohloff-Nabe dabei und beide waren völlig unterschiedlich: Auf der Berliner Fahrrad Schau war es ein 29er Mountainbike mit Rennlenker, auf der EHBE ein eher klassischer Randonneur. Ich muß zugeben, daß ich gerne Räder mit Rohloff baue. Nicht, weil die Nabe so toll wäre. Sie ist natürlich toll und hat viele Vorteile, auch ein paar Nachteile. Aber darüber wurde in diversen Foren schon so viel geschrieben, daß ich mich nicht auch noch darüber auslassen möchte. Mich interessiert daran eher, daß es einem eine Rohloff etwas schwerer macht, vor allem aber, daß man es so viel besser und schöner machen kann als die Konkurrenz.

Mit Konkurrenz meine ich nicht die anderen Rahmenbauer. Das ist für mich keine Konkurrenz – in dem Sinne daß sie sowiso völlig eigenständige Räder bauen. Wer sich von Ulrich Vogel einen Rahmen bauen läßt, würde sich wahrscheinlich vom Stil her kein Rad von mir bauen lassen – und umgekehrt. Insofern freue ich mich über jedes Rad, das vom Rahmenbauer kommt. Mich verwundert eher, daß so viele Rohloff-Räder von der Stange gekauft werden. Oft sind sie gar nicht mal so viel günstiger. Die halte ich für meine eigentliche Konkurrenz und befürchte, daß so manche Käufer dieser Räder die Alternative vom Rahmenbauer gar nicht recht kennen.

Und dann gibt es noch die Billigräder, die natürlich mit Rohloff nicht mehr so richtig billig sind, sich aber sehr darum bemühen. Die erinnern mich immer ein wenig an das sogenannte XT-Rad. Wer lange genug auf zwei Rädern unterwegs ist kann sich sicherlich noch an den Mountainbike-Boom in den späten 80er und frühen 90er Jahren erinnern. Die Shimano DeoreXT war der Stand der Technik, massive Konkurrenz gab es nicht mehr und noch nicht wieder. Ein Mountainbike mit XT war das Tollste, was sich die meisten Kunden vorstellen konnten. Das führte dazu, daß um die Teile von Shimano herum teilweise absolute Billigräder entstanden. Es gipfelte in Angeboten, in denen billigst ausgestattete Räder mit einem XT Schaltwerk als Lockvogel für unkundige Käufer ausgestattet waren. Auch hier sehe ich keine Konkurrenz. Solche Räder sind so lieblos gemacht und zusammengestellt, daß es dann doch oft auffällt.

Für mich hat ein Rohloff-Rad für die Rohloff gebaut zu sein, nur dann kommt man dem Ideal nahe. Viele Rahmen haben verstellbare Ausfallenden, damit das Rahmenmodell für Rohloff und für normale Kettenschaltungen taugt. Ist der Rahmen dann noch mit Sockeln für Felgenbremsen und gleichzeitig mit Befestigungsmöglichkeiten für Scheibenbremsen ausgestattet, wird er zur eierlegenden Wollmilchsau und spart vor allem dem Verkäufer Geld, weil er nur ein Rahmenmodell einkaufen und vorrätig halten muß. Aber Rahmen, die für alles taugen sollen, sind immer Kompromisse und das sieht man ihnen auch an. Manche Kunden geben sogar Geld dafür aus, damit die unnützen Sockel für die ungenutzen Bremsen wieder entfernt werden. Das kann ich sogar verstehen, aber eigentlich ist das bedauerlich.

Hier ein paar Bilder des auf der EHBE gezeigten Randonneurs. Eine Rohloff verbaut an einem Rad mit Rennlenker ist immer ein gewisser Kompromiss, da es den perfekten Schalter dafür meiner Meinung nach nicht gibt. Für sinnvoll halte ich es hier, den Schalter an das Lenkerende zu bauen, von der Handposition auf den Bremshebel aus ist das sehr gut zu bedienen. Ungünstiger ist es vom Oberlenker aus. Da wäre ein Drehgriff von Berthoud eine sinnvolle Sache. Aber dorthin ist der Weg von den Bremshebeln dann wiederum recht weit. 🙂 Eine wirkliche Lösung wird es erst geben, wenn es für die Rohloffnabe eine vernünftige elektrische Schaltbox gibt. Und wenn man mal träumen darf, würde diese ihre Energie aus dem ja doch meist mit verbauten Nabendynamo beziehen und käme mit den unterschiedlichen Schaltern für elektrische Schaltungen zurecht, die es mittlerweile gibt und vermehrt ab Mitte diesen Jahres geben wird.

Die Ausfallenden sind funktionell und visuell für mich Schlüsselstellen eines Fahrradrahmens. Deshalb verwende ich fast ausschließlich meine eigenen Ausfallenden, die ich oft einzeln für den jeweiligen Rahmen anfertigen lasse. Ich mag es überhaupt nicht, wenn deutlich zu sehen ist, daß das Ausfallende für einen anderen Winkel zwischen Ketten- und Sattelstreben entworfen wurde als es an dem jeweiligen Rahmen der Fall ist. Auch sind meine Ausfallenden aus hochfestem Stahl gefertig und besitzen weichere Oberflächen aus rostfreiem Stahl, die den Schnellspannern guten Halt bieten. Und nein, Ausfallenden für Rohloff müssen nicht klobig sein und können trotzdem problemlos die Montage von Scheibenbremse, Gepäckträger und Schutzblech ermöglichen. Und wenn es denn gewünscht wäre, hätte ich auch noch den passenden rostfreien Haltebügel für die Weber-Kupplung dafür. Auch dieser passend für das Ausfallende gemacht, damit man sich nicht mit Adaptern herumplagen muß.

Hier die linke Kettenstrebe mit der Zugführung. Beide Züge für die Rohloff und der hintere Bremszug laufen durch eigene Edelstahlröhrchen im Unterrohr. Gut zu sehen auch das Excenter-Tretlager zur Einstellung der Kettenspannung.

Der Rohloff-Drehgriff am Lenkerende. Die fast ideale Zugführung sorgt für geringe Schaltkräfte.

Der gefräste Abschlußdeckel wird mit einer Titanschraube befestigt. Für mich sind es die kleinen Details, die ein Rad zu etwas Besonderem machen.

Ich hoffe demnächst mal wieder Zeit zu finden, Räder auf meiner website ausführlicher vorzustellen. Leider kann ich von vielen Rädern keine Fotos machen, aber einiges hat sich wieder angesammelt.

Und in der kommenden Woche werde ich mit dem dritten Rohloff-Rad diesen Jahres beginnen, dessen Bau ich hier teilweise vorstellen möchte.
Viele Grüße,

Georg Blaschke

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