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Weiter geht es mit Nummer 20

2. Mai 2012

Neulich hatte ich mit einem Baubericht angefangen, das GEBLA 20 Anniversary mit der Nummer 20, ein Softtail Mountainbike aus Stahl. Jetzt geht es weiter.

Nachdem das Steuerrohr durch ein Wasserbad vom Flußmittel befreit wurde, geht es erstmal auf die Drehmaschine, damit das rostfreie G auch richtig schön rund wird:

Die graue Färbung des Steuerrohres kommt übrigens aus dem Wasser, es entsteht durch ein beigefügtes Rostschutzmittel.

Da ist erstmal noch Nacharbeit fällig, damit auch alles schön aussieht. Später unter dem Lack sieht man jede noch so kleine Unebenheit. Deshalb dauert das Nacharbeiten beim Rahmenbau auch meistens länger als die eigentlichen konstruktiven Tätigkeiten. Eigentlich müßte man mal einen Film machen, bei solchen Bildergeschichten fallen viele Arbeitsschritte einfach unter den Tisch, weil sie kaum sichtbare Veränderungen bewirken.

Weitaus unschöner als es aussieht: Ein größeres Loch in dünnwandigen, hochfesten Chrom-Molybdän-Stahl zu bohren, ist gar nicht so einfach. Auf jeden Fall, wenn es rund sein soll und die Kanten nicht zerrupft. Ich habe dafür speziell angeschliffene Bohrer, die ich nur dafür benutze. Die beiden Löcher im Steuerrohr erlauben später den Zugang zu Ober- und Unterrohr, zum Beispiel für die Hohlraumkonservierung, die bei mir jeder Rahmen erhält.

Jetzt werden die Gehrungen von Ober- und Unterrohr gefräst, damit sie nachher exakt am Steuerrohr und Sitzrohr bzw. dem Tretlager anliegen. Je geringer dort der Spalt ist, desto weniger verzieht sich der Rahmen beim Löten oder Schweißen. Dadurch gelingt es eher, einen geraden Rahmen zu bauen und auch die sogenannten Eigenspannungen (Spannungen im Material selbst, die nach außen nicht sichtbar sind) gering zu halten.

Nach dem Fräsen der Rohre gibt es wieder einmal innenverlegte Züge, drei Stück im Unterrohr, zwei für die Rohloff-Nabe, einen für die hintere Scheibenbremse. Ich hatte ja vor einiger Zeit schon einmal darüber geschrieben, wie kniffelig das sein kann, mehrer Edelstahlröhrchen in einem einzigen Rahmenrohr unterzubringen. Und zwar so, daß sie auch bei schlechten Wegen nicht gegeneinanderstoßen, nichts ist ja nerviger als ein klapperndes Teil am Rad. In diesem Fall ist das relativ harmlos, da die Rahmenrohre große Rohrdurchmesser haben. Das Unterrohr hat einen Durchmesser von 42mm. Bei ungefederten Rädern rate ich in der Regel von solchen Rohren ab, da sie den Rahmen unnötig steif und unkomfortabel machen. Aber dieses Rad ist gefedert, der Kunde ist relativ groß und legt Wert auf steife Rahmen, da ist das in Ordnung. Und macht das Leben bei den innenliegenden Zügen einfach, zudem auch Flaschenhalter nicht gewünscht werden. Ich habe also Platz. Wer auf dem Foto ganz genau hinsieht, sieht hinten auf dem Rohr zwei Querstriche, etwa da, wo der Schraubstock beginnt. Diese Striche zeigen an, wo das Rohr dünnwandiger wird, an den Enden ist die Wandstärke größer und das Rohr damit stabiler. Deshalb sollten Löcher für innenliegende Züge auch immer in Bereichen mit größerer Wandstärke liegen: Nicht zu nah am Ende, da das Rohr dort am höchsten belastet ist, aber auch nicht so weit entfernt, daß der Bereich der Endverstärkung verlassen wird.

Die Röhrchen werden verlötet. Hier das Bild direkt nach dem Löten. Die leicht grünliche Verfärbung des Flußmittels ist typisch bei rostfreiem Stahl.

Aufmerksame Leser ahnen bereits: Jetzt ist wieder einmal ein Bad zur Flußmittelentfernung fällig.

Eigentlich fehlen hier wieder ein paar Bilder. Die Edelstahlröhrchen müssen gekürzt, gefeilt und geschliffen werden. Und zwar so, daß es möglichst makellos aussieht, aber keinesfalls die Wandstärke des Unterrohres reduziert wird. Das bedeutet viele kleine Schritte der Nacharbeit, die man nachher nicht einmal sieht. Und dann müssen die Rohre an den Enden natürlich noch leicht angeschliffen und peinlich gesäubert werden, bevor alles in die Rahmenlehre darf:

Danach wird geschweißt und dabei kann ich nun wirklich keine Fotos machen, aber immerhin vom Ergebnis:

Auch das Schweißen dauert bei mir etwas länger, da ich jede Verbindung nacheinander schweiße und die vorhergehende erst abkühlen lasse. Dazu die Hintergründe zu erklären, ist an dieser Stelle zu aufwendig. Aber es hat wieder mit einem möglichst geraden Rahmen und den möglichst geringen Eigenspannungen zu tun.

Und während ich darüber nachdenke, ist mir zu den Eigenspannungen noch ein passendes Bild eingefallen: Fast jeder von uns kennt Streß. Eigenspannungen könnte man vielleicht mit dem sogenannten negativen Streß vergleichen. Während man von außen nicht unbedingt sieht, daß jemand gestreßt ist, weiß jeder, daß er gestreßt nicht gerade Höchstleistungen im Beruf, dem Sport oder der Kindererziehung vollbringt. Und auf Dauer kann Streß durchaus krank machen. So ähnlich ist das auch bei einem Fahrradrahmen. Die Eigenspannungen führen dazu, daß sich der Rahmen unter Belastungen von außen anders verhält als ein Rahmen ohne diese. Zudem sinkt die Lebensdauer des Rahmens, da er sein Leben lang unter Streß steht. Das ist niemandem zu wünschen, nicht einmal einem Fahrradrahmen. Deshalb bemühe ich mich, jedem Rahmen ein Leben mit möglichst wenig Eigenspannungen zu ermöglichen. Schließlich ist ein Fahrrad ideal dafür geeignet, auch beim Fahrer Streß abzubauen. 🙂

Viele Grüße,

Georg Blaschke

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  1. Kleinvieh « GeorgBlaschkeBikes

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