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Das Bürorad

19. Juli 2012

Es gibt nicht viele Dinge, die ich in meiner Selbständigkeit wirklich vermisse. Definitiv dazu gehören allerdings die Fahrten mit dem Rad zur Arbeit. Und natürlich zurück. 🙂 Morgens schnappt man frische Luft und wird richtig wach. Auf dem Rückweg kann man sich schon mal entspannen, wenn der Tag anstrengend war. Auf dem Weg werden gleich kleinere Dinge wie Einkäufe miterledigt und über das Jahr kommen so einige Kilometer zusammen, die schon einen Grundstock für die Fitness bilden. Und das alles, ohne daß es groß Zeit kostet. Um das etwas auszugleichen, erledige ich konsequent jeden Einkauf und jede Besorgung mit dem Rad, das hilft schon einmal.

Mit welchem Rad man die Fahrt erledigt, hängt auch mit der persönlichen Situation zusammen. Ich fahre gerne schöne Räder, aber es kann auch sinnvoll sein, eine alte Mähre zu benutzen, wenn man es nicht sicher abstellen kann. Pendler mit der Bahn können oft ein Lied davon singen und für die gibt es das Wort „Bahnhofsrad“. Das dazugehörige Rad hat dann den Charme und die Qualität eines in die Jahre gekommenen Bahnhofsrestaurants und unterscheidet sich höchstens im Preis von diesem. Teuer darf es nicht sein, sonst wird es geklaut. Glücklich können sich da Pendler schätzen, die, wie es in meiner Heimatstadt Münster der Fall ist, ein bewachtes Fahrradparkhaus mit Reparaturservice nutzen können.

Kann man das Rad aber sicher abstellen, kann man auch ein schönes benutzen. Dann macht der Weg gleich doppelt Spaß. Idealerweise stellt man das Rad einfach ins Büro. Das ist in Berlin recht üblich, wo im Hausflur auch ein verschlossenes Rad oft nicht sicher ist. Es bleibt natürlich die Gefahr, daß das Rad von der Arbeit ablenkt. 🙂

Die folgenden Bilder sind recht groß und werden etwas Ladezeit benötigen. Aber die Digitaltechnik hat offensichtlich Probleme mit dem wunderschönen Lack in Hot Orange Metallic, den die Firma Rockenstein aufgebracht hat. Wenn ich die Bilder verkleinere, wird der Lack fleckig. Und dafür ist er viel zu schön.

Voll ausgestattet für die Stadt sind vollwertige Schutzbleche und eine LED-Lichtanlage mit Standlicht eine Selbstverständlichkeit. Dazu ein sicheres Rahmenschloß und natürlich ein Gepäckträger (mit einigen Finessen). In der Stadt reichen neun Gänge völlig aus, auch eine Nabenschaltung wie Rohloff hätte diesem Rad sehr gut zu Gesicht gestanden. Das ist dann auch Geschmacksache. Die Sitzposition ist für eine gute Übersicht im Verkehr recht aufrecht, es wurde mit Bedacht kein Ledersattel verwendet, um auch bei normaler Kleidung nicht abzufärben. Auch die Pedale erlauben die Nutzung mit Rad- oder Straßenschuhen.

Da es auf dem Weg zur Arbeit und zurück immer etwas zu transportieren gibt, ist der Gepäckträger entsprechend ausgestattet. Die linke Seite erlaubt das direkte Einhängen einer Ortlieb-Tasche mit QL3 System, ohne den etwas unschönen Adapter montieren zu müssen.

Die andere Seite ist für Ortlieb Taschen mit QL1 ausgerüstet, falls ein größerer Einkauf, der Transport von Wechselkleidung oder die Tour am Wochenende ansteht. Die Einhängungspunkte sind mit Edelstahlrohren gegen Abschürfen des Lackes geschützt.

Hydraulische Scheibenbremsen bringen einen sicher zum Stehen, wenn der Verkehr mal eng wird. Zudem entfällt bei Scheibenbremsen auch der lästige Bremsabrieb, der das Rad stark verschmutzt. Hier helfen auch die Edelstahl-Schutzbleche mit ihrer eingebauten Regenrinne, die das Wasser ans untere Ende ableitet.

Ein sicheres Schloß und einen standsicheren Ständer weiß jeder Stadtradler zu schätzen. Nicht ganz zufällig kommen diese beiden Teile aus den Niederlanden. Das Hollandrad ist legendär und es gibt für die Stadt wenig passenderes. Wer lernen möchte, wie man Fahrradverkehr in den Alltag integriert, sollte sich das in den Niederlanden anschauen. Ich freue mich schon auf die diesjährigen zwei Wochen in Egmond aan Zee.

Viel mehr ist diesem Rad gar nicht hinzuzufügen. Es spricht für sich.

Viele Grüße,

Georg Blaschke

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11 Kommentare
  1. Robin permalink

    Hallo Georg, echt toll geworden, vor allem die Gepäckträgerlösung…. könnte mir auch noch gefallen.
    Grüsse Robin

  2. Hallo Robin,

    ja, sieht in der Sonne noch mal besser aus als in der Werkstatt, oder?

    Viele Grüße,
    Georg

  3. Lukas permalink

    Ist die Ortlieb nicht eine mit QL2 ? QL1 hat doch eine gerade (alt) oder gebogene (neu) untere Schiene, aber nicht dieses Oval.

    Wieso wurde hier auf in Mittelständer gesetzt? ISt doch schon länger nichtmehr gängig.

    Sieht aber insgesamt sehr schick aus.

  4. Hallo Lukas,

    ich habe noch mal bei Ortlieb geguckt. Irgendwie scheint die Tasche ein Mittelding zwischen QL1 und QL2 zu sein. Dranpassen tun aber beide und auch andere mit Haken oben.

    Mittelständer sind nicht unbedingt gängig, aber ich richte mich weniger danach, was gängig ist als danach, was gut ist. Und der Ständer von Spanninga ist mit seiner weiten Ausladung und dem breiten Fuß so ziemlich das Standfesteste, das ich kenne. Zudem läßt er hinten am Ausfallende Platz für Scheibenbremse, Rohloff-Box und Anhängerkupplung.
    Ein Mittelständer ist auch etwas in Ungnade gefallen, weil vor 20 oder 30 Jahren die oft aus Italien stammenden teureren Rahmen schlicht keine Ständerbefestigung hatten, die Ständerplatte bei billigen Rahmen aber per Widerstandsschweißung angepunktet wurde, was nicht besonders haltbar ist. Insofern war eine Platte irgendwann ein Zeichen für einen günstigen Rahmen. Bei Aluminiumrahmen aus Fernost hat sich das Spielchen dann mehr oder weniger wiederholt, zumal die Platten auch bei Aluminium nicht so einfach so anzuschweißen sind, daß es hält.
    Bei Stahlrahmen sind sie aber, flächig angelötet, nicht nur haltbar, sondern bei einem Rad wie oben auch eine gute Lösung für die Praxis. Aber wie jedes Detail wird sowas individuell abgesprochen und auch ein Hinterbauständer ist problemlos machbar.

    Viele Grüße,
    Georg

  5. MIKe permalink

    wieder mal n echt schickes rad ! sag mal was sind das für schutzbleche ? die sehen ja mal richtig schick aus … meine sks plastik teile find ich nicht mehr so hübsch 😉
    schöne grüße !!

  6. Hallo Mike,

    die Schutzbleche sind von Gilles Berthoud.

    http://www.gillesberthoud.fr/anglais/index1.php

    Viele Grüße,
    Georg

  7. Ulrich Bretz permalink

    Wow ein wirklich tolles Alltagrad. Besonders gefreut hat mich das Bild der aufgelöteten Edelstahlröhrchen am Gepäckträger zum Schutz vor Abrieb. Diese Detaillösungen welche nicht vorrangig aus opt. Gründen sondern vor allem auf Basis alltäglicher Erfahrung beruhen, machen Deine Räder aus. Weiter so…ich lechze schon auf die nächsten Beiträge aus dem Blaschke-Universum.

  8. radelnder velosoph permalink

    Ein sehr schönes Rad mit vielen durchdachten Lösungen. Auch ich freue mich auf die nächsten Beiträge aus Deinem Blog. Ich hätte nur noch ein Spritzschutz ans vordere Schutzblech angebracht, damit die Füße auch bei Regen geschützt sind.

    • Vielen Dank für das Lob!
      Natürlich wäre ein Spritzschutz ein Idee, da habe ich auch schöne von Gilles Berthoud da. Auch etwas, was bei einem Hollandrad oft einfach dazugehört.
      Ich bekomme regelmäßig Tips für bessere oder andere Ausstattungen, hier, von Kunden, in Foren oder per email. Letztlich wird aber jedes meiner Räder auf Kundenwunsch zusammengestellt und die Geschmäcker sind zum Glück verschieden. Manche Kunden teilen mir mit, was das Rad können muß und lassen sonst freie Hand. Manche geben mir eine Liste mit allen Details und Gewichten und Beispielbilder für die gewünschte Länge der Außenhülle der Züge. Die meisten liegen irgendwo dazwischen und wir erarbeiten die sinnvollsten Komponenten zusammen in einem Hin und Her, wie das auch bei dem Rahmen geschieht. Das ist viel Kommunikation, aber funktioniert recht verläßlich. Und es kommen immer wieder Lösungen dabei heraus, die mir alleine nie eingefallen wären. Funktionell wie optisch.

      Viele Grüße,
      Georg

  9. Arne permalink

    Richtig schönes Fahrrad! Ich finde die 3te Version der Ortlieb-Befestigungen einfach grandios da sie den Gepäckträger und damit das Fahrrad nicht so sehr verhunzen wie es davor der Fall war. Mit dem Metalverstärkungen an den Einhängepunkten der Alten Tasche hast du dich Augezeichnet abgesichert.

    • Hallo Arne,

      mittlerweile gibt es solche Gepäckträger auch fertig zu kaufen, von Ortlieb und Tubus und vielleicht auch noch anderen. Mit Sicherheit keine schlechte Variante.

      Viele Grüße,
      Georg

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