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Gabelsalat

18. Oktober 2012

Zu jedem Rahmen gehört eine Gabel. In jedem Fahrrad steckt eine Gabel. Beide Aussagen hören sich erstmal so an, als würden sie ähnliches bedeuten. Der Unterschied ist aber fundamental.

Ein Fahrrad wird zum Fahrrad durch das Zusammenspiel von Rahmen, Gabel, Laufrädern und einer Vielzahl von Komponenten. Im Idealfall harmoniert alles miteinander und erfüllt zusätzlich die Wünsche und Bedürfnisse des Fahrers. Um das zu erreichen, ist es sehr hilfreich, die Anforderungen des Fahrers zu kennen, dann kann man Komponenten und Rahmen darauf abstimmen. Bei einem Rad von der Stange kann der Fahrradhändler oft durch Tausch einiger Teile optimieren, denn ein Serienhersteller kann nur wissen, was ein Durchschnittskunde benötigt. Da kommt es dann vor allem auf den Rahmen an, der zum Kunden passen muß. Und der zur Gabel passen muß, denn da wird es mit dem Austausch schon aufwendiger. Das trifft auch auf Federgabeln zu, wobei da jede Geometrie ein Kompromiß ist, denn durch das Eintauchen der Federgabel ist die Lenkgeometrie dauernd im Fluß.

Passen Rahmen und Gabel nicht zusammen, hilft manchmal wirklich nur der Austausch der Gabel. Recht häufig damit zu tun habe ich bei älteren Mountainbikes, wo die originale Gabel über die Jahre durch eine Federgabel ersetzt wurde und verlorengegangen ist. Oder eine defekte Gabel muß durch ein passendes Modell ersetzt werden. Oder es wurde eine passende Gabel gefunden, aber ihr Schaft ist zu kurz. Solche Fälle landen recht häufig bei mir und allen ist eigentlich nur gemeinsam, daß der Aufwand relativ groß ist, herauszufinden, was genau gebaut werden muß. Trotzdem mache ich solche Gabeln recht gerne, denn wenn dann alles paßt, ist auch der Erfolg und die Freude darüber groß.

Vor ein paar Wochen hatte ich schon vom Bau eines Nachbaus einer FatChance BigOneInch Gabel berichtet, dazu gibt es Bilder der fertigen, aber unlackierten Gabel:

Aber das war nicht die einzige Gabel, die gebaut wurde. Ich fasse den Bau von Gabeln immer etwas zusammen, so daß sich das Einrichten der Maschinen usw. eher lohnt als für eine einzelne Gabel.

Hier liegen schon Schaft und Segmente für eine Gabel mit 1″ Gewindeschaft bereit, für ein altes FatChance YoEddy! in Frankreich.

Auch die Gabelbeine erhalten segmentierte Ausfallenden:

Bei den fertigen Gabeln dürfen natürlich die typischen Verstärkungsbleche hinten an den Gabelbeinen nicht fehlen:

An der fertig in British Racing Green beschichteten Gabel hier kann man schön die freigeschliffenen Edelstahloberflächen an den Ausfallenden sehen:

Auch bei dieser Gabel natürlich die Verstärkungsbleche:

Leider kommt die Farbe durch die Werkstattbeleuchtung und die Digitalkamera nicht besonders gut zur Geltung. In Wien einfach mal die Augen offenhalten, da kann sie ab Ende der Woche in natura begutachtet werden. 🙂

Zum Abschluß für den heutigen Gabelsalat noch eine typische Variante: Eigentlich sollte an einer älteren Tange Gabel nur der Schaft verlängert werden, eine flotte Sache. Doch ein verbogener Anlötsockel der Cantileverbremse läßt böses ahnen. Als um 1990 herum die Gabelbeine dicker und dünnwandiger wurden, kam es bei Tange Gabeln regelmäßig vor, daß sich die Sockel nach außen bogen, da sie nur an einer relativ kleinen Stelle aufgelötet waren. Es beult sich dann das Gabelbein ein. Also wird der Sockel abgeschliffen, beide sollen ersetzt werden. Leider offenbart sich direkt am Sockel ein Riß, der auch durch tieferes Ausschleifen nicht verschwindet.

Später stellt sich dann durch Zersägen der Gabel heraus, daß der Riß tatsächlich bis nach innen durchgeht. Glück gehabt, daß die Gabel ausgebaut wurde. Einfaches Weiterfahren wäre irgendwann gefährlich geworden.

Auch diese Gabel wurde durch einen Nachbau mit derselben Geometrie ersetzt. Die leicht gebogenen Gabelbeine mußten allerdings durch gerade ersetzt werden, sie sind nicht mehr erhältlich. Dafür halten sie jetzt. 🙂

Viele Grüße,

Georg Blaschke

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