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Excenter einstellen

29. März 2013

Manche Fahrräder haben am Tretlager einen sogenannten Excenter. Mittels einer drehbaren Hülse, eben dem Excenter, kann damit das Tretlager verstellt werden, meistens zur Kettenspannung bei Rädern ohne Kettenspanner oder -schaltung.

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, wie der drehbare Excenter festgeklemmt werden kann. Meiner Meinung nach sind zwei dieser Möglichkeiten besonders zu empfehlen:

1. Das Tretlagergehäuse ist geschlitzt und klemmt den Excenter praktisch wie ein Vorbau oder die Klemmung der Sattelstütze. Wenn es halbwegs gut gemacht ist, ist das System sehr stabil, haltbar und hat wenig Neigung dazu, Geräusche zu erzeugen. Ein Nachteil ist, daß man das Gehäuse schlitzen muß. Da dieses dadurch instabiler wird, muß es etwas dickwandiger und damit schwerer sein.

2. Das Tretlagergehäuse bleibt ungeschlitzt und es wird ein Excenter-Einsatz verwendet, der sich aufspreizt. Ich halte die Bushnell-Excenter für die beste Lösung, allerdings gibt es mittlerweile so viele, daß ich auch nicht alle kenne. Der Vorteil ist, daß das Gehäuse ein stabiles rundes Rohr bleiben kann. Allerdings tritt es bei solchen Excentern deutlich häufiger auf, daß Knackgeräusche beim Treten entstehen, der Bushnell ist da noch relativ problemlos. Auch kommt es häufig vor, daß sich die verspannten Bauteile nach längerer Zeit nur noch schwierig Lösen lassen.

Ich bekomme oft die Befürchtung zu hören, daß bei einem geschlitzten Gehäuse auch Wasser eindringen kann. Das ist richtig und deswegen ist es gut, daß der Schlitz am tiefsten Punkt ist. Eine Ablaufbohrung braucht das Gehäuse sowiso, allein schon für das über das Sitzrohr eindringende Wasser. Deshalb braucht auch das ungeschlitzte Gehäuse eine solche Bohrung. Zudem dringt dort über die offenen Seiten Wasser und Schmutz ein, und dann direkt in die etwas anfälligere Mechanik eines selbstverspannenden Excenters. Beide Systeme sind hier also nicht perfekt.

Perfekt dagegen sollte das Gehäuse vorbereitet sein. In diesem Fall ist mit „perfekt“ „perfekt rund“ gemeint. Ein Tretlagergehäuse verzieht sich beim Bau des Rahmens immer durch das Verlöten oder Verschweißen. Deshalb ist das als Rohteil runde Tretlager beim gebauten Rahmen nicht mehr rund. Gewinde im Tretlager müssen deshalb nachgeschnitten, Gehäuse für Excenter-Lager müssen am fertigen Rahmen nachbearbeitet werden. Das wird selbst bei vergleichsweise einfach zu bearbeitenden Aluminiumrahmen nur äußerst selten gemacht, bei Stahlrahmen praktisch nie. Am Besten vor dem Kauf nachfragen. Hier habe ich die Prozedur für meine Rahmen schon mal näher beschrieben.

GEBLA-20A14-006

Zum Verstellen der Kettenspannung reicht es in der Regel aus, die beiden Klemmschrauben zu lösen und den Excenter auf der linken Seite mittels eines Inbusschlüssels, der sich gegen die Achse abstützt, zu verdrehen. Da ich die Passung relativ eng fertige, ist es zum Ein- oder Ausbau des Gehäuses meist nötig, das Gehäuse etwas zu spreizen. Ein Gehäuse, in das sich der Excenter locker einbauen läßt und womöglich noch klappert, ist eigentlich zu groß.

Je nach Einsatz des Rades kann es sinnvoll sein, den Excenter zum Beispiel nach einem harten Winter auszubauen und neu gefettet einzubauen. Ich habe hier für die Bilder zur besseren Ansicht die rechte Kurbel demontiert. Sinnvoller wäre allerdings, nur die linke Kurbel zu demontieren und die rechte Kurbel zusammen mit dem Innenlager und dem Excenter nach rechts aus dem Gehäuse zu ziehen.

Der Excenter eingebaut im Neuzustand. An den Schrauben und im Schlitz ist einiges Fett zu erkennen.

GEBLA-Excenter01

Nach Entfernen der Schrauben läßt sich der Excenter noch nicht herausziehen, der Schlitz hat sich nur minimal gespreizt.

GEBLA-Excenter02

Die Schrauben werden von der anderen Seite eingeschraubt.

GEBLA-Excenter03

Dann werden größere Unterlegscheiben in den Schlitz der Klemmstücke gehalten und die Schrauben sanft dagegengeschraubt. Es ist nicht viel Kraft nötig, das Gehäuse sollte nur so weit gespreizt werden, daß sich der Excenter herausziehen läßt. Auch hier ist wieder die satte Fettpackung zu erkennen.

GEBLA-Excenter04

Der Einbau erfolgt gesäubert und satt eingefettet in umgekehrter Richtung. Man kann statt Fett auch Montagepaste verwenden. Allerdings nicht die reibungserhöhende zur Montage von Carbonteilen, sondern die, die ein Fressen verhindert (Anti Seize).

Viele Grüße,

Georg Blaschke

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4 Kommentare
  1. Johannes permalink

    Welche Maßnahmen empfehlen sich denn bei einem knarzenden Excenter in einem geschlitzten Gehäuse? Ausbauen, Säubern und mit Fett wieder einbauen habe ich schon probiert. Kann hier Kupferpaste helfen?

    • Hallo Johannes,

      ich würde eher Montagepaste nehmen, zum Beispiel von Shimano das AntiSeize, das für deren Innenlager gedacht ist. Auf jeden Fall auch das Innenlager ausbauen und beim Einbau schmieren. Manchmal ist schwer zu lokalisieren, was genau knarzt. Auch die Kettenblätter können auf der Kurbel knacken.
      Wenn das Gehäuse genug Wandstärke hat, könnte man das auch eventuell nacharbeiten und mit einem größeren Excenter versehen. Das lohnt aber nur bei einem hochwertigen Rahmen.

      Viele Grüße,
      Georg

  2. Smartandem permalink

    Wir fahren schon seit über 20 Jahren Tandem – immer mit Excenter ums vordere Tretlager zur Einstellung der Kettenspannung. Ungefähr genauso lange ist es immer mit Gewürde und Gezerre verbunden das richtig einzustellen. Leider hatte mir keiner diesen eigentlich naheliegenden und einfachen Trick gezeigt, die Schrauben quasi von hinten reinzudrehen und mit den Karrosseriescheiben die Hülse aufzudrücken. Habe ich ausprobiert und siehe da – geht ohne jede Kraft und ohne „ausnackeln“ der Löcher im Excenter. Ganz, ganz herzlichen Dank für die Dokumentation und das Veröffentlichen!

    Viele Grüße von einem glücklichen Synchronkettenspanner
    Smartandem

    • Na, dann wurde es aber Zeit! 🙂 Umso schöner, daß es jetzt besser geht.
      Die leichte Verstellbarkeit hängt auch von der Paßgenauigkeit des Excenters ab. Vor allem die Tretlagerhülsen sind oft sehr unrund, da sie nach dem Schweißen oder Löten meist nicht nachbearbeitet werden.

      Viele Grüße,
      Georg Blaschke

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