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Trekkingrad

10. Juli 2013

Das Schöne an Fahrrädern ist unter anderem, daß es praktisch alles schon mal gab und es trotzdem immer wieder neu erfunden bzw. entdeckt wird. Immer schon in seiner Geschichte hat das Fahrrad eine magische Anziehungskraft auf kreative Leute ausgeübt, sich mit seiner Verbesserung zu beschäftigen. Das lag teilweise sicherlich daran, daß es einfach eher auf der Welt war als Autos, Flugzeuge und (moderne) Raketen, aber auch daran, daß man auch mit begrenzten Mitteln viel erreichen kann. Auch durch seinen Verzicht auf alles Überflüssige wird das Fahrrad zu etwas Perfektem. Den Reiz des Minimalen erkennt man sehr schön an den vielen Bahnrädern, die weltweit entstehen und die auf den Messen und im Internet oft die Hingucker schlechthin sind, auch wenn sie ohne Schaltung, Bremsen und Schutzbleche für die meisten Leute nicht nutzbar sind. Und ja, natürlich sind auch Bahnräder keine neue Radgattung, sie hatten ihre Blütezeit schon vor über 100 Jahren. Genauso wie in den Anfangsjahren des Fahrrades alle Räder Fixies waren. 🙂

Es war eben alles schon mal da und es kommt alles mal wieder. Auch das macht das Fahrrad aus: Es paßt sich flexibel der jeweiligen Zeit an.

Vermutlich könnte man auch über das Trekkingrad sagen, daß es früher schon mal da war. Schließlich waren die ersten Räder grundsätzlich für schlechte Straßen gemacht. Ich verbinde mit dem Anfang des Trekkingrades das Centurion Accordo GT. Auch wenn damals niemand Trekkingrad dazu gesagt hätte. Das Accordo GT würde, von einigen Teilen der Ausstattung mal abgesehen, auch heute noch ein schönes Rad abgeben. Ganz im Gegensatz zu dem, was heutzutage im Baumarkt oder Fahrradmassenmarkt so als Trekkingrad verkauft wird. Da scheint es eher so zu sein, daß umso größer „Trekkingrad“ in der Anzeige steht je schlechter das Rad ist. Der Begriff selbst ist fast schon zum Schimpfwort geworden. Andererseits gehört schon einiges dazu, für 279 Euro ein vernünftiges Rad zu erwarten (doch doch, hat Shimano Schaltung und Federgabel!).

Also wird es Zeit, hier mal den Bau eines hochwertigen und ansehnlichen Trekkingrades vorzustellen. Der einzige Nachteil ist, daß es nicht für 279 Euro zu haben sein wird.

Im Lastenheft stehen ein paar technische Eckdaten: Schaltung 1×10 Gänge, vorne also nur ein Kettenblatt. Hydraulische Scheibenbremsen. Cannondale Headshok Federgabel. Schutzbleche, Gepäckträger, Lichtanlage. Züge und das hintere Lichtkabel sind innen zu verlegen.

Los geht´s wie üblich mit dem Vorbereiten des Tretlagergehäuses und Steuerrohres auf der Drehmaschine, beides wird innen wie außen zur Gewichtseinsparung abgedreht. Das Sitzrohr von Columbus ist rostfrei.

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Nach dem Verschweißen des Sitzrohres mit dem Tretlagergehäuse:

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Ein Blick durch das Sitzrohr durch das in das Tretlagergehäuse gefräste G.

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Die BiLaminate Sitzrohrmuffe, Ober- und Unterrohr werden in der Rahmenlehre eingepaßt, die Stellen für die Zugverlegung markiert.

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Jetzt wird es heiß. Hier beim Sitzrohr direkt nach dem Löten der Sitzrohrmuffe und der Flaschenhaltergewinde. An der grünlichen Verfärbung des Flußmittels ist die Verwendung des rostfreien Materials zu erkennen.

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Das Logo auf dem Steuerrohr, auch hier wieder direkt nach dem Löten.

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Auch die rostfreien Röhrchen für die Innenverlegung der Züge werden eingelötet, alles schon mal nachgearbeitet und es wandert wieder in die Rahmenlehre. Die Bohrung, die hier in der BiLaminate Sitzrohrmuffe zu sehen ist, ist schon für den Wishbone-Hinterbau. Dazu später mehr.

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Wie üblich wird eine Verbindung nach der anderen verschweißt, um Verzug und Spannungen im Material möglichst zu minimieren. Das erfordert eine Rahmenlehre, die die Wärmebedingte Ausdehnung erlaubt und auch Zeit, denn man muß die erste Verbindung abkühlen lassen, bevor man die nächste beginnt.

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So, das vordere Rahmendreieck ist mehr oder weniger fertig, weiter geht es beim nächsten Mal mit dem Hinterbau.

Viele Grüße,

Georg Blaschke

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7 Kommentare
  1. Heinz permalink

    Das wird ja wieder ein tolles Rad – diesmal meins 🙂

  2. Hallo Heinz,

    das stimmt und heute oder morgen geht es zum Lackierer. 🙂

    Viele Grüße,
    Georg

    • Heinz permalink

      Hi Georg,
      Super – bin gespannt darauf wie das Ergebnis aussehen wird.
      Gruß aus GR
      Heinz

  3. Thomas Wieling permalink

    Servus Georg,
    schaut ja mal wieder klasse aus.
    Liegt eigentlich das Sitzrohr Aussen auf der Tretlagerbüchse über der
    grossen Bohrung oder in dieser?

    Lg, Thom.

  4. Hallo Thom,

    das Sitzrohr steckt im Sitzrohr. Das kann man auch gut bei gelöteten Rahmen machen.

    Viele Grüße,
    Georg

  5. Micha permalink

    Wieder sehr schöne Arbeit, aber das kennt man ja von Georg. Mein Rahmen ist schon auf Usedom und in Lackierarbeit, der Lackierer hat viel zu tun bei meinen Sonderwünschen.

    Viele Grüße,
    Micha

Trackbacks & Pingbacks

  1. Das Trekkingrad ist unterwegs | GeorgBlaschkeBikes

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