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passiv Radfahren

19. Februar 2014

Nein, natürlich heißt die Zeitschrift „aktiv Radfahren“, daran hat sich nichts geändert. Passives Radfahren ist auch nicht besonders weit verbreitet. Bei anderen Sportarten sieht das nicht so aus, gerade jetzt fällt das auf, wo ein erheblicher Teil der Nachrichten aus Sotschi besteht. Wer hat schon die Möglichkeit, aktiv Bob zu fahren oder mal eben eine Schanze herunterzuspringen? Und wer möchte das schon? Viele Leute sehen es ja schon als Sport an, mit dem Rad zum Einkaufen zu fahren. Die schönste (oder bedenkenswerteste) Antwort auf die Frage „Was sind denn Ihre Hobbies?“ finde ich immer noch „Ich bin aktiv sportinteressiert.“ Wie sich dann herausstellte, war damit die Zeit vor dem Fernsehgerät gemeint…

Beim Fahrrad ist das besser. Skispringen als Feierabendvergnügen ist schwer vorstellbar, beim Fahrrad geht das. So schnell zu sein wie Sebastian Vettel setzt ein paar Millionen voraus, beim Fahrrad kann man dasselbe Material auf denselben Strecken genauso schnell bewegen wie die Profis, wenn man es denn kann. Beziehungsweise wenn die Profis ihre Zeiten nicht mit Hilfe von ungesunden Mittelchen und Methoden erreicht haben. Und wenn man es unbedingt möchte, kann man Radfahren sogar passiv betreiben. Auf jeden Fall im Sommer, wenn die Tour de France im Fernsehen läuft. 🙂

Die Märzausgabe der aktiv Radfahren zu lesen, ist auch eher ein aktives Vergnügen. Vor allem, da ein GEBLA getestet wurde. 🙂 Da es mir immer schwerfällt, für einen Test mal eben ein Rad zu bauen (und zu bezahlen), habe ich meinen eigenen Randonneur hingeschickt. Der hat zwar schon ein paar Jahre auf dem Buckel, aber ich habe ihn vor dem Test sogar geputzt, was ich sonst höchstens ein mal im Jahr mache. 🙂 Ansonsten sieht ein Fahrrad bei mir nicht so wahnsinnig viel Pflege, von Öl für die Kette und Gabel- und Dämpferdichtungen mal abgesehen.

Was mich besonders gefreut hat, ist, daß dem Redakteur aufgefallen ist, wie gut Schaltung und Bremsen funktionieren. Der Redakteur hat mich sogar extra angerufen, um nachzufragen, ob ich irgendwelche Spezialzüge verwendet habe. Nein, habe ich nicht, wenn ich natürlich auch hochwertige Züge verwende. Der Trick, wenn man es überhaupt so nennen möchte, liegt in der Sorgfalt. Manchmal lohnt es eben, penibel und kleinlich zu sein. Bei der Montage der Komponenten lege ich denselben Maßstab an wie beim Bau des Rahmens selbst. Und manchmal sind es Kleinigkeiten, die den Unterschied machen. Bei Komponenten ist das eher fühlbar als beim Rahmen, bei dem sich gute Arbeit im Detail oft erst nach zig Jahren auszahlt.

Kleine Checkliste für die Verlegung von Bowdenzügen:

– Nur Züge guter Qualität verwenden, Außenhüllen mit Liner und Edelstahlseile sind Pflicht.

– Beim Ablängen der Außenhülle auf einen sanften Verlauf achten, auch den Lenker hin- und herbewegen und das Verhalten der Hülle beobachten. Viele Leute wollen kurze Außenhüllen, manchmal erlauben ein paar cm mehr aber den flüssigeren Verlauf. Das Ablängen ist mehr Gefühlssache als Wissenschaft.

– Die Endkappen sollten zu den Zügen passen. Endkappen aus Kunstoff können bei seitlicher Belastung der Hülle schnell einen Knick entwickeln.

– Ganz wichtig: Die Außenhüllen nach dem Ablängen planschleifen! Wer einen Schleifstein oder einen Bandschleifer hat nutz natürlich diese, aber eine feine Feile geht auch. Eine schräg abgeschnittene Bremshülle verursacht einen unnötig weichen Druckpunkt, eine schräg abgeschnittene Schalthülle mit Längsdrähten schaltet unpräziser und wird durch Verschieben der Drähte schneller verschleißen. Wer es ganz perfekt machen möchte, schleift die Hüllen in der Montageposition am Rad plan.

– Die Innenseile sollten bei der Montage absolut sauber sein. Staub ist im Zweifelsfall härter als Stahl und läßt diesen und den Liner der Hülle schnell verschleißen.

– Ich schmiere die Seile bei der Montage mit Silikonöl. Das sorgt dafür, daß Wasser draußen bleibt, das sonst gerne durch die Kapillarwirkung in die Hülle zieht.

Daß solcherart montierte Züge auch nach längerer Zeit noch leichtgängig und präzise funktionieren, zeigt der Test. Daß sie sogar noch besser funktionieren als neue Züge anderer Räder, die vielleicht nicht ganz so penibel montiert sind, ist für mich ein besonderes Lob.

Zum Glück hat aber auch der Rest des Rades gefallen. 🙂 Als Kritkpunkt wurde nur genannt, daß Rahmen und Vorbau etwas weich sind. Das ist natürlich Geschmacksache. In der heutigen Zeit der extrem steifen Aluminium- und Carbonrahmen ist der Rahmen tatsächlich eher weich zu nennen, auch wenn Unter- und Oberrohr jeweils eine Nummer größer dimensioniert sind als die klassischen Rohrduchmesser. Letztlich ist aber mein großer Vorteil, daß ich jeden Rahmen an die Wünsche des Fahrers anpassen kann. Ein Rad, daß oft mit Gepäck gefahren wird, wird dann eben steifer sein als das Rad im Test. Perfekt für alle Eventualitäten wird kein Rad sein, die bekannte eierlegende Wollmilchsau gibt es leider auch beim Rahmenzüchter nicht. 🙂

Viele Grüße,

Georg Blaschke

GB090402

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