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Beim Zahnarzt

13. Juli 2014

Keine Angst, ich habe nicht meinen letzten Besuch beim Zahnarzt gefilmt, um ihn dann der äußerst interessierten Weltöffentlichkeit quasi als DokuSoap vorzuführen. Es gibt auch keine Ekelprüfung. Aber es gibt manchmal ein paar Gemeinsamkeiten zwischen Zahnarzt und Rahmenbauer. Oft dann, wenn es um Reparaturen geht.

Ich repariere recht häufig Fahrradrahmen, meist sind das amerikanische Rahmen aus der Blütezeit der Mountainbikes Ende der ´80 und Anfang der ´90er Jahre. Meist sind die Probleme schon in den Rahmen eingebaut worden, weil mit viel Enthusiasmus und vergleichsweise wenig Vorwissen und Konstruktionserfahrung an die Sache herangegangen wurde. Für manche war das einfach eine Möglichkeit, mit gerade gefragten Produkten gutes Geld zu verdienen, andere rühmen sich auch heute noch, wie schnell sie die Dinger bauen konnten. Wie auch immer: Nach rund 25 Jahren zeigt sich die Wahrheit. Für mich ist das praktisch, denn ich habe schon immer am liebsten aus den Fehlern anderer gelernt. 🙂

Fast alles ist grundsätzlich reparierbar. Aber der Aufwand kann sehr hoch sein uns sollte sich durch einen entsprechenden Rahmenwert rechtfertigen. Dieser Wert muß nicht materiell sein. Man kann zum Beispiel auch einfach an seinem alten Rad hängen und mittlerweile sind manche dieser Räder auch Kulturgut. Zudem repariere ich immer so, daß Originalität, Benutzbarkeit und Langlebigkeit absolut vorrang vor den Reparaturkosten haben. Manchmal bekomme ich Anfragen, bei einem Riß „mal was drüberzubrutzeln, das Rad wird auch nicht mehr hart rangenommen“. Mal davon abgesehen, daß es schlicht lebensgefährlich wäre, etwas so zu reparieren, daß es nicht mehr voll zu belasten ist: Das kann jede Schlosserei und man sollte es dann auch dort machen lassen. Meine Zeit möchte ich nicht in eine Reparatur stecken, für die ich mich dann schämen müßte. Da mache ich lieber die Dinge, die eine normale Schlosserei eben nicht kann.

A propos Brutzeln und damit zu den Bildern der Zahnarztarbeit: Es kann auch nötig sein, neuere Rahmen zu reparieren. Bei diesem Rahmen ist schlicht miserabel gelötet worden, nach rund zwei Jahren löste sich dann das Sitzrohr aus der Tretlagermuffe.

Das, was hell glänzt, ist Lot. Leider ist fast die komplette Fläche schwarz…

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An der Sitzrohrmuffe fällt es nicht von selbst auseinander, also geht es los wie beim Zahnarzt: Fräsen und Schleifen.

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Auch hier sind aber wieder größere Bereiche von Lot unbenetzt.

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Nach der Reparatur sieht es besser aus.

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Auch im Tretlager ist jetzt rundum ein silberner Ring Lot zu erkennen.

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GEBLA-ChinaHandmade-12…and Geldersheim.

Häufige Reparaturen sind bei mir auch Risse bei Rahmen aus Aluminium. Die Gründe liegen meist in zu geringen Wandstärken beim Steuerrohr, falscher Wärmebehandlung, dem Einbau des Steuersatzes in das ungefräste Steuerrohr und vielerlei konstruktiven Fehlern, die man bei Aluminium machen kann. Dazu gehört zum Beispiel, bei Aluminium der 7000er Legierungen nie eine Sattelstützenklemmung anzuschweißen, das geht, wie bei dem roten Yeti hier, irgendwann schief. Zudem waren noch Risse im Steuerrohr zu reparieren, dabei wurde gleich das Maß für den Steuersatz von 1-1/4″ auf 1-1/8″ geändert.

Es wird ein Steuerrohr gedreht, das dann in das vorhandene eingesetzt wird.

GEBLA-YETI-ARC-REP-01Die Risse werden am Ende angebohrt und danach ausgesägt und gefeilt. Von der ursprünglichen Rißoberfläche darf nichts verbleiben, da dort Schmutz, Fett und oxidiertes Metall vorhanden sind. Davon will man nichts in der Reparaturstelle haben. Allein deswegen ist ein schlichtes „Drüberbrutzeln“ Pfusch!

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GEBLA-YETI-ARC-REP-03Beim Schweißen selbst wird dann noch ein dritter Riß erkennbar, der vorher nicht zu sehen war. Auch der muß natürlich noch ausgeschliffen und verschweißt werden.

GEBLA-YETI-ARC-REP-04Dann wird das Rohr noch an beiden Enden rundum verschweißt.

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Und es geht weiter mit der Klemmung der Sattelstütze. Der vorhandene Riß: Die angeschweißte Klemmung soll entfernt und durch eine separate Klemmschelle ersetzt werden.GEBLA-YETI-ARC-REP-06Dazu braucht man als Ersatzteil erstmal ein Stück Rohr:

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GEBLA-YETI-ARC-REP-09Und dann wieder Säge, Feile und Schleifwerkzeug.

GEBLA-YETI-ARC-REP-10 Hier gut zu sehen übrigens die schwarze Verfärbung im Riß, die aus Fett und Aluminiumoxid besteht. Wenn sich das in der neuen Schweißnaht wiederfände, hielte es nicht lange.

GEBLA-YETI-ARC-REP-12Und jetzt heißt es schrittweise anpassen…

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GEBLA-YETI-ARC-REP-14Schweißen….

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… und dann nochmal einiges an Schleiferei, bis alles passabel aussieht.

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Von solchen Bilderserien hätte ich noch einige und könnte stundenlang weitermachen. Aber auch hier ist es wie beim Zahnarzt: Es ist notwendig, aber unangenehm und tut oft weh. Und schön, wenn es wieder vorbei ist. 🙂

Viele Grüße,

Georg

 

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