Skip to content

Rostfreier Stahl – elektrisch geschaltet (3)

4. November 2014

Erst neulich habe ich hier den Bau eines Rahmens aus rostfreim Stahl vorgestellt und aktuell ist schon wieder einer an der Reihe. Der ist zwar aus rostfreiem Material, wird aber lackiert werden. Praktisch wird es wie das von mir gebaute VANDEYK Rapha Continental sein, nur eben mit elektrischer Schaltung. Das Rapha Continental und generell die Eigenheiten eines rostfreien Rahmens von mir hatte ich hier auch schon vorgestellt.

Heute möchte ich ein Detail näher beleuchten, das für elektrische Umwerfer wichtig ist. Darauf gebracht hat mich der Kunde des aktuell gebauten Rahmens durch eine Rückfrage.

Konventionelle Schaltungen mit Seilzug können sehr unterschiedlich gut funktionieren. Neben der Montage und Einstellung hängt das sehr stark vom Gefühl des Fahrers ab. Der macht vieles ganz automatisch richtig, was dem Hersteller der Schaltung die Sache enorm erleichtert, zum Beispiel die Pedallast zu reduzieren oder zu überschalten, bis der Schaltvorgang komplett erfolgt ist. Im Grunde ist das wie beim Auto, wo bei einem automatisierten Schaltgetriebe schon eine ganze Menge Elektronik aufgeboten werden muß, um das Zusammenspiel von Kupplungsfuß, Gasfuß und rechter Hand ähnlich gut hinzubekommen wie der Mensch. Und ganz so viele Sensoren hat ein Fahrrad dann halt doch nicht.

Bemerkbar machen kann sich das vor allem am vorderen Umwerfer, der generell schon mehr Probleme beim Schalten hat, da er im gespannten Teil der Kette arbeitet. Da muß man schon mal ordentlich drücken bzw. tut es dann meist doch nicht, sondern wartet lieber etwas länger, bis der Schaltvorgang erfolgt ist. Diese Zeit nimmt sich der elektrische Umwerfer nicht unbedingt und drückt lieber. 🙂 Und das so stark, daß sich der ganze Umwerfer verdrehen kann.

Die Umwerfer von Shimano haben deswegen eine Stellschraube, die sich zusätzlich am Rahmen abstützt. Und sie drücken beim Schalten dann über diese Schraube auf den Rahmen. Hersteller von Carbonrahmen können ein Lied davon singen, nicht nur in Einzelfällen hat die Schraube regelrecht das Sitzrohr durchbohrt. Shimano liefert mittlerweile Edelstahlbleche, die an der entsprechenden Stelle am Rahmen aufgeklebt werden müssen, um die Last zu verteilen.

Ich bin nun gefragt worden, ob der Rahmen eine spezielle Abstützung für den Di2 Umwerfer bekommt oder ob ein Stahlrahmen das nicht braucht. Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, ob ein Stahlrahmen das braucht. Die Schraube wird über kurz oder lang sicherlich eine Kerbe hervorrufen. Aber ob das einem Stahlrahmen an der Stelle schadet, wird man vielleicht in 20 Jahren wissen, wenn Brüche entstehen sollten. Andererseits gibt es erstens durchaus Fälle von Brüchen am Umwerfer-Anlötteil und zweitens ist es IMMER besser, keine Kerbe entstehen zu lassen. Deshalb ist ein Rahmen von mir für Di2 generell durch ein aufgelötetes Edelstahlblech an dieser Stelle geschützt. Leider gibt es das nicht als fertiges Umwerfer-Anlötteil zu kaufen und man muß es selbst bauen. Um so besser, kann ich doch hier wieder ein paar Bilder zeigen. 🙂

Zusammen mit den Flaschenhaltern wird das Umwerfer-Anlötteil aufgelötet. Hier wieder schön zu sehen die dunkle grünliche Verfärbung des Flußmittels direkt nach dem Löten, die auf rostfreien Stahl als Material hinweist.

GEBLA-StainlessDiscRoad11

 

Nach dem Abwaschen des Flußmittels und nach ein wenig Schleiferei sieht es schon ansprechender aus. Gut zu sehen hier auch die Austrittsbohrung für das Kabel des Umwerfers. Die Bohrung sollte nie unverstärkt ausgeführt werden! Hier ist von innen ein rostfreies Blech aufgelötet.

GEBLA-StainlessDiscRoad12

 

Das Anlötteil im hinteren Bereich, in dem sich die Schraube des Umwerfers abstützen wird. Nicht nur, daß die Schraube eventuell auf dem Rohr aufsitzen wird ist ungünstig, sie könne auch auf einer Kante sitzen, so daß sie kaum vernünftig eingestellt werden kann. Nicht ohne Grund schreibt Shimano für Di2 eine glatte Fläche rechtwinklig zur Umwerferbefestigung vor.

GEBLA-StainlessDiscRoad13

 

An der entspechenden Stelle wird in das Anlötteil eine Nut gefräst.

GEBLA-StainlessDiscRoad14

 

Ein Stück rostfreier Stahl wird passend bearbeitet…

GEBLA-StainlessDiscRoad15

…und aufgelötet.

GEBLA-StainlessDiscRoad16

Und so sieht es fertig aus: Für den ganzen Einstellbereich eine ebene Fläche, die das empfindliche Rohr schützt und für eine gute Einstellbarkeit sorgt.

GEBLA-StainlessDiscRoad19

Es sind die kleinen Details, die den Unterschied machen. Auch wenn man sie am fertigen Rad hinter dem montierten Umwerfer vielleicht gar nicht sieht. Aber wer weiß, vielleicht wird man in 20 Jahren wissen, daß die zusätzlichen Arbeitsschritte gut investiert waren…

Viele Grüße,

Georg Blaschke

 

 

Advertisements
Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: