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Dem Constructeur ist nichts zu schwör

11. Februar 2015

Natürlich ist das Zitat nicht ganz korrekt und muß eigentlich „Dem Ingeniör ist nichts zu schwör“ heißen. Die Übersetzerin Dr. Erika Fuchs hat es dem Erfinder Daniel Düsentrieb in den Mund gelegt, es aber auch schon abgewandelt von einem älteren Ingenieurslied übernommen. So wie sie viele Klassiker abgewandelt zitierte und für die Comic-Sprache der Bewohner Entenhausens nutzte. Nach heutigen Maßstäben sind die Geschichten dabei durchaus wohltuend politisch unkorrekt, was in neueren Auflagen wohl teils korrigiert wurde.

Im Fahrradbereich allerdings gibt es durchaus den Constructeur. Wer sich für schöne Fahrräder interessiert, kennt wahrscheinlich die Bücher von Jan Heine. Das sind in erster Linie sogenannte Coffeetable Bücher, aber sie haben durchaus auch content, wie man so schön sagt. Sie haben also nicht nur Bilder und/oder Werbung, natürlich kuratiert, wie man so schön sagt, zu bieten, sondern echten Inhalt. Das ist heutzutage nicht selbstverständlich, geht es doch im www oft nur darum, zu verlinken und andere daran teilhaben zu lassen, was man sich gerade im www ansieht.

GEBLA-Coffeetable01tAllerdings hat Herr Heine durchaus seine eigenen Ansichten, die meiner Meinung nach mit einer Prise Salz zu nehmen sind. So wird er nicht müde zu betonen, daß die Räder im Goldenen Zeitalter der Handgebauten Fahrräder deutlich leichter waren als das, was heute auf die Beine gestellt wird. Tja, leider waren die Zeiten auch andere: Nicht nur, daß damals auch die Fahrer leichter waren. Sie waren auch damit zufrieden, für ein paar Gramm weniger statt eines Umwerfers ein Stück gebogenen Draht zu benutzen. Die superleichten Schlauchreifen konnten sie selbst flicken, sie hatten durch die regelmäßigen Platten ja Übung. Und daß die aus Rohr geformten Felgen und die Rahmenrohre ohne Endverstärkungen schon bei kleinen Remplern hinüber waren: Das war eben so. Da sind die Kunden heutzutage anspruchsvoller, meiner Meinung nach zu Recht. Trotzdem ein schönes Buch, das mittlerweile auch auf Deutsch erhältlich ist.

Die Constructeurs aus dem Goldenen Zeitalter haben für meinen Geschmack aber den richtigen Ansatz gewählt: Erst alle Teile zusammen (und auch der Fahrer) ergeben das Rad. Wenn es da von der Stange nicht die richtige Lösung gibt, läßt man sich etwas einfallen, um es besser zu machen. Nicht nur beim Rahmen, auch bei den Komponenten. Insofern sehe ich mich selbst da durchaus in dieser Tradition und habe auch nicht das Empfinden, daß das Zeitalter für Handgebaute Fahrräder heutzutage weniger golden ist.

Ein hübsches Beispiel dafür wird das Tandem sein, mit dem ich beim ATB 2.0 Award der Berliner Fahrradschau teilnehmen werde. So langsam wird es zum Fahrrad. Der hintere Gepäckträger aus rostfreiem Stahl ist auf jeden Fall schon mal fertig und die Ortlieb-Tasche darf schon mal probehängen:

GEBLA-Contestandem05

GEBLA-Contestandem08

Die Gabel und ein paar andere Teile sind aber noch zu machen. So ein Fahrrad besteht ja nicht nur aus dem Rahmen, der dann Halter für die tollen Teile ist. Auf jeden Fall nicht beim Constructeur…

Viele Grüße,

Georg Blaschke

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  1. Schwitz Schwitz | GeorgBlaschkeBikes

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