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Ich will ja nicht lästern, aber…

26. April 2017

Ich will ja nicht lästern, aaaber… Irgendsowas bekommt man am Kopierer zu hören, bevor einem Kollege Winkelmann hinter vorgehaltener Hand erzählt, daß der Kollege Kuhauge, der aus der Registratur, letztes Wochenende im Jogginganzug, IM JOGGINGANZUG, am Glascontainer gesehen worden sein soll. Und einiges einzuwerfen habe er wohl auch gehabt!

Als ich mit 15 Jahren anfing, nachmittags im Radsportgeschäft Velodrom in Münster zu arbeiten, habe ich unglaublich viel gelernt. Viel über das Fahrrad selbstverständlich, aber auch viel über das Leben, vor allem vom Seniorchef Gunnar Düsener. Eins der ersten Dinge war, NIEMALS schlecht über die Konkurrenz zu reden, sondern durch perfekte Beratung und Arbeit zu überzeugen.

Ich bemühe mich bis heute, mich daran zu halten. Wobei ich zugeben muß, daß es mich manchmal schon in den Fingern juckt bei den Bildern, die man im Netz so sieht. Aber lieber schreibe ich darüber, weshalb ich bestimmte Dinge so und nicht anders mache. Was ich mache, kann ich erklären. Bei so manchen Lösungen im großen weiten Internet bezweifle ich, ob die jemand erklären kann. Oder sagen wir mal, ob sie jemand schlüssig erklären kann.

Wie auch immer, manchmal muß ich auch Luft ablassen. Bei Teilen, die ich in der Werkstatt habe und die ich für nicht ungefährlich halte. So wie diese Gabel. Eigentlich sollte ich nur den Schaft verlängern, eine Standardreparatur. Es ist auf den Bildern nicht zu sehen, aber es handelt sich um eine sehr lange Gabel, Einbaulänge 470mm, die dadurch auch sehr hoch belastet ist. Schnell war festgestellt, daß das Schaftrohr völlig unverstärkt ist. Eigentlich hat ein Gabelschaftrohr im unteren Bereich eine Wandstärke von mindestens 2mm, dieses hier hat durchgehend von oben bis unten 1,6mm. Erstmal Rücksprache mit dem Kunden, ob es sich eventuell um ein Leichtbauprojekt für einen besonders leichten Fahrer handelt. Nein, ist es nicht. Würde auch keinen Sinn ergeben, denn es gibt verstärkte Gabelschäfte, die unten eine vernünftige Wandstärke haben, oben aber entsprechend dünnwandiger und damit leichter sind als ein Rohr mit durchgehend 1,6mm. Kostenersparnis? 20 Euro gespart für eine deutlich unsichere Gabel? Tut das wer für eine Handvoll Dollar? Ich weiß es nicht…

Ein Blick von unten auf das Schaftrohr läßt auch deutliche Krater im Rohr erkennen, die vom Schweißen komme. Bei solider Wandstärke wäre das nicht so kritisch, aber hier ist das schon sehr grenzwertig. Die Stelle ist hoch belastet, die steifen geschlossenen Segmente treffen auf das relativ flexible, da offene, Schaftrohr.

Der Konussitz ist angeschweißt, aber nicht rundherum. Jeder Anfang und jedes Ende einer Schweißnaht sorgt für sogenannte Kerben, von denen gerne Risse ausgehen. Und das an der höchstbelasteten Stelle der Gabel bei einem unverstärkten Schaft. Technisch besser ist es, den Konussitz zu löten.

Eine Grundregel bei belasteten Bauteilen ist es, Kerben, scharfe Übergänge und Steifigkeitssprünge (zB Übergang von dicken zu dünnen Bauteilen) zu vermeiden. Hier, am hochbelasteten Scheibenbremsadapter gibt es ein schönes Beispiel, wie es nicht aussehen sollte.

Immerhin weist der Schlitz der Ausfallenden in die richtige Richtung. Es ist zum Glück nicht alles schlecht auf dieser Welt. 🙂

Natürlich könnte man auch diese Gabel sicher machen, indem man den Schaft von innen verstärkt. Der Kunde möchte die Gabel allerdings lieber als Wandschmuck verwenden. Ich kann ihn verstehen…

Viele Grüße,

Georg Blaschke

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3 Kommentare
  1. Carsten permalink

    Danke für die Erinnerung an diesen wunderbaren Menschen!

  2. Bleibt nur zu hoffen, dass nicht allzuviele dieser Gabeln in Umlauf gebracht wurden.

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