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Radtourismus – das ist Muskelkraft plus Elektrifizierung des ganzen Rades

2. Juli 2017

Es ist schon beeindruckend, wie elektrisch die Welt geworden ist. Und so richtig los ging es erst seit gut 100 Jahren, in vielen Teilen der Welt ist die Elektrifizierung noch nicht mal abgeschlossen. Hier dagegen wird seit einigen Jahrzehnten die Elektrizität mobil: Smartphone und Akkuschrauber sind schon selbstverständlich und elektrisch unterstützte Fahrräder sind allerorten zu sehen.

Ich halte elektrisch unterstützte Fahrräder für eine gute Sache, um Leuten das Fahrradfahren zu erleichtern oder zu ermöglichen, die es sonst nicht tun würden. Oder wenn sie unverschwitzt im Büro ankommen möchten und sonst mit dem Auto fahren würden. Oder um Paaren das gemeinsame Radeln zu ermöglichen, wenn einer deutlich besser trainiert ist. Da gibt es viele gute Gründe. Gemeinsam ist diesen Gründen, daß es in der Regel Personen betrifft, die keine passionierten Radfahrer sind. Und das führt dazu, daß übliche Pedelecs oder E-Bikes für genau diese Personen gemacht sind, nicht für passionierte Radfahrer.

Als Faustformel kann man sagen: Je sportlicher ein Radfahrer unterwegs ist, desto höher ist seine Trittfrequenz. Dadurch leistet er viel, ohne Muskeln und Gelenke stark zu belasten. Das Fahren mit höherer Frequenz ist allerdings eine Übungssache, das muß man sich angewöhnen. Die üblichen Elektroantriebe liefern aber am meisten Unterstützung, wenn mit hoher Kraft getreten wird, das kann man aber nur bei niedriger Trittfrequenz. Also wird man sich eher an die niedrige Trittfrequenz gewöhnen, die die meiste Unterstützung zur Folge hat (und die die natürliche Frequenz eines Nicht-Radfahrers ist). Meist kann man auch schon weit vorher an der Trittfrequenz erkennen, ob einem ein elektrifiziertes Rad entgegen kommt oder nicht: Wer langsam stampfend flott fährt, tut dies meist mit Motor.

Was heißt das alles? Als geübter Radfahrer sollte man gut überlegen, wenn man elektrische Unterstützung möchte. Viele Räder sind nicht nur bleischwer und ohne elektrische Unterstützung kaum fahrbar, sondern sind aus obigen Gründen auch keine gute Wahl. Im schlimmsten Fall führen sie dazu, daß man seinen flüssigen Tritt verliert. Zusammen mit einer Portion Fitness, weil man sich auf den üblichen Strecken weniger anstrengt. Da sollte man die zusätzliche Energie schon dazu nutzen, die Strecken zu verlängern.

Heute möchte ich zwei Räder vorstellen, die genau das tun: Sie bieten Unterstützung für sportliche Radfahrer, um längere Strecken möglich zu machen, aber meist ohne Unterstützung gefahren zu werden. Die meisten Reiseradfahrer standen nicht nur einmal vor der Entscheidung, ob man nicht lieber da halt machen soll, wo man ist. Klar, zwei Dörfer weiter liegt der schöne Campingplatz, das schnuckelige Hotel oder das leckere Restaurant vom letzten Mal, aber man hat schon so einige Kilometer in den Beinen und der Tag war heiß. In solchen Fällen hat man mit Unterstützung einfach mehr Möglichkeiten. Oder kann doch ein paar Wechselklamotten mehr mitnehmen, ohne vor den steileren Bergen Angst haben zu müssen.

Wichtig: Man kann die Räder ganz normal ohne Unterstützung fahren. Der Vivax-Antrieb bietet bei höherer Trittfrequens die meiste Unterstützung, er ist für sportliche Radfahrer gemacht. Angeblich ist er ja sogar bei Profis beliebt, gesünder als EPO und ähnliches ist ein Motörchen sicherlich. Zudem ist der Antrieb sehr dezent im Sitzrohr untergebracht. Bei einem Reiserad nicht verkehrt, es bleibt ja schon mal irgendwo angeschlossen stehen und soll dann dezent genug sein, nicht die falschen Bewunderer anzulocken. Die Räder wiegen mit allem drum und dran, Akku, Rohloff, kompletter Lichtanlage, Tubus Gepäckträgern und den nicht gerade federleichten Brooks Sätteln etwas über 17 kg. Das macht sie nicht zu Leichtgewichten, aber viele ähnlich ausgestattete Reiseräder wiegen genauso viel, nur ohne Vivax. Die Rohloff wird natürlich mit einer Rohbox angesteuert, um mit den Bremsschalthebeln zu schalten.

Wie man sieht, sieht man nicht viel. Die Räder sind betont dezent gestaltet, um auf Reisen nicht aufzufallen. Nichts ist ärgerlicher als ein Rad, das nicht mehr da ist.

Das ist fast schon alles, was man vom Vivax-Antrieb sieht. Auf Höhe der Kette sitzt eine der Schrauben, mit der der Antriebsmotor befestigt ist. Der Bereich ist durch ein aufgelötetes Edelstahlplättchen verstärkt.

Rohloffnabe mit Kettenspanner, eine langlebige und wartungsarme Kombination.

An der Sattelklemme fehlt noch die Abus-Sicherungsmutter, die den Klau des Sattels mit Stütze verhindert. Die wird erst bei der Abholung montiert, damit die Sattelhöhe noch bequem eingestellt werden kann.

Das Ansteuerungskabel für den Antrieb wird wie eine Bremsleitung sehr dezent im Oberrohr geführt.

Der Taster ist in der Oberlenkerhaltung bequem mit dem Daumen zu bedienen. Die Klingel sitzt an ihrem eigenen Anlötteil am Vorbau.

Die Scheibenbremsen wurden bewußt in mechanischer Ausführung gewählt, um auf Reisen möglichst robust unterwegs zu sein.

Hier noch die Befestigungsschraube des Motors auf der linken Seite. Muß man schon drauf achten…

Für die Vollausstattung am linken Ausfallende fehlt nur noch eine Anhängerkupplung. Und auch das wäre ohne Unterlegscheibentürme gut machbar. Viele verstellbare Ausfallenden haben Probleme, alles unterzubringen. Deshalb bevorzuge ich feste Ausfallenden. Gut zu sehen hier am Ausfallende die Edelstahloberflächen, die dafür sorgen, daß sich kein Lack abschabt und Bremse und Scheibe immer in derselben Position sitzen. Das ist wichtig für eine gute Funktion der Scheibenbremse.

Nochmal die Kabelführung im Oberrohr.

Viele Grüße,

Georg Blaschke

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