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Ach so, so mehr für Profis…

13. Februar 2020

Sie kommt ja ab und zu mal vor, die Frage nach dem Beruf. Meist habe ich nach meiner Antwort Erklärungsbedarf, wenn die Frage von Personen gestellt wird, die mit Fahrrädern nicht viel am Hut haben. Nach einem noch nicht näher erforschten Naturgesetz kommt dann irgendwann auch ein „Ach so, so mehr für Profis…“, oder ein ähnlicher Ausspruch. Ich antworte dann meist irgendwie mit „Nein, eher für normale Leute“.

Aber stimmt das überhaupt? Mal abgesehen davon, daß normale Leute gar kein Rad fahren? Normale Leute setzen sich ja meist nur ein mal im Jahr auf das Rad. Nämlich dann, wenn der lokale Vorsitzende einer meist konservativen Partei um Ostern herum zur alljährlichen Bürgernähebekundungswahlkampfradtour ruft.

Mit Profis sind ja nicht Personen gemeint, die mit Radsport ihr Geld verdienen, sondern eher ambitionierte Radsportler. Natürlich habe ich auch Radsportler unter meinen Kunden, aber die lassen bei mir eher ihr Alltagsgerät, mit dem sie zur Arbeit fahren, bauen. Nur sehr selten baue ich wirkliche Freizeitgeräte und das dann für Leute, die schon ausreichend Alltagsräder besitzen.

Angestoßen nicht zuletzt durch Fridays for Future und dadurch entstandene Diskussionen habe ich mich und andere in den letzten Monaten öfter gefragt: Wer ist denn überhaupt Radprofi? Der, der mit dem SUV ausgeruht zum Hausberg fährt, um dann dort den Renner auszupacken und einen Streckenrekord zu fahren? Oder die ältere Dame, die vorgestern wie ich nach dem Einkauf im Supermarkt 10 Minuten am Fahrradständer gewartet hat, bis der gröbste Schauer vorrüber war? Ich glaube, ich tendiere da eher zur älteren Dame. Kann man sich überhaupt professioneller verhalten als ein Fahrrad einfach für den anstehenden Einkauf zu nutzen? Quasi als Werkzeug?

Etwas Besonderes an einem Fahrrad ist auch, daß man überhaupt die Wahl hat, wie man es benutzen möchte: Man kann zum Genuß oder zur Entspannung etwas herumradeln. Man kann etwas für seine Gesundheit tun. Man kann die Tour de France gewinnen. Man kann in ferne Länder reisen. Oder man kann damit einen Sack Kartoffeln holen und es dadurch im Zweifelsfall ausschließlich nützlich einsetzen. Das geht mit vielen Dingen nicht. Wollen Sie mit einem Tennisschläger die Blumenerde sieben? Einen Fußball als Weinschlauch nutzen? Eine Bohrmaschine zur Entspannung verwenden?

Je mehr man darüber nachdenkt, desto komplizierter wird es. Wobei ich immerhin herausgefunden habe, daß für mich jeder Radfahrer Profi ist. Was mir aber nicht groß dabei hilft, wie ich in Zukunft auf obige Frage antworten soll. So eine richtig einfache Antwort ohne zusätzliche Erklärung will mir nicht einfallen und gibt es vielleicht auch nicht. Vielfahrer ist möglicherweise ein passender Begriff, denn die meisten meiner Kunden sind genau das. Aber auch das muß dann näher erklärt werden. Aber warum auch nicht, es muß nicht alles plakativ und einfach sein im Leben.

Viele Grüße,

Georg Blaschke

8 Kommentare
  1. Hi Georg,

    versuch es doch mal mit: Ich bin Bauer, mein Vater war Bauer und mein Großvater auch. 😉
    Danke übrigens für den Tipp zum Lackierer, der ist richtig gut! Ist ein Schätzchen geworden…

  2. georgblaschke permalink

    Hmm, das müßte dann schon Öko-Bauer sein. Sonst müßte ich dauernd über die EU und die Bienenschützer wettern. Und Öko-Bauer klappt dann wieder nicht mit Vater und Großvater… 🙂
    Also noch keine perfekte Lösung… 🙂

    Viele Grüße,
    Georg

  3. Benjamin Quest permalink

    „Ich baue SUV’s von Hand“ wäre doch eine passende Antwort (leider wieder MIT Erklärungsbedarf …).

    Denn das sind doch viele der Räder aus GEBLA’scher Feder: Sport-Utility-Vehicles. Und damit wäre dann zumindest gleich geklärt, für WEN die sind, nämlich für SUV-Radler = potentiell jedermann.

    Ich finde, der Begriff SUV passt so irrsinnig viel mehr zu Fahrrädern, als zu Maschinen mit dem Fußabdruck eines Geländewagens, der Kopffreiheit eines Coupés und dem Kofferraum eines Kompaktautos beim Verbrauch eines Sportwagens.

  4. georgblaschke permalink

    Tja, das Wörtchen SUV hat allerdings mittlerweile den Charme einer hartnäckig juckenden Krankheit. 🙂 Ich glaube, da bleibe ich doch lieber beim Fahrrad. 🙂

    Viele Grüße,
    Georg

  5. Matthias Erhard permalink

    Da stellt sich mir die Frage: konstruiert Georg Blaschke auch Lastenräder im Auftrag? Da passt dann nicht nur ein Sack Kartoffeln auf die Ladefläche – das Kleinkind kann auch direkt mitfahren und der Fahrer hat es sogar (bei einem Long John) direkt im Blick…

    • georgblaschke permalink

      Abwarten. 🙂

      Viele Grüße,
      Georg

      • Matthias Erhard permalink

        Dann hoffe ich wir müssen nicht zu lange warten. Mein Filius hat gerade das passende Alter erreicht…

  6. georgblaschke permalink

    Hallo Matthias,

    dann würde ich auch nicht länger warten. Es gibt doch zig gute kindertaugliche Lastenräder. Vom mir wird es kein Kindertransportrad geben, eben weil es schon zig gibt.

    Viele Grüße,
    Georg

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