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Gepäckträger

22. Februar 2020

Viele Leute gehen davon aus, daß ein Gang zum Rahmenbauer vor allem dann sinnvoll ist, wenn man mit den üblichen Rahmengeometrien nicht glücklich wird. Das kann durchaus ein Grund sein, aber die meisten meiner Kunden kämen auch mit Geometrien von der Stange problemlos zurecht. Da sind die Gründe eher, daß ein paar gewünschte Details vorhanden sein sollen, die man sonst nicht bekommt. Daß man als Vielfahrer eher auf ein Rad setzt, das lange hält und trotzdem nicht zu schwer wird. Daß der Weg zur Arbeit Spaß machen soll. Daß man mitentscheiden möchte, wie das Rad denn fahren soll. Ob besonders wendig oder gutmütig zum Beispiel.

Das alles sind Gründe für den Gang zum Rahmenbauer. Es gibt aber noch einen, nämlich den Gepäckträger. Da ist es nämlich tatsächlich sinnvoll, wenn er auf Maß gebaut wird. Warum, wenn es doch zig Modelle in wirklich guter Qualität bezahlbar fertig zu kaufen gibt? Vor einiger Zeit hatte ich schon mal beschrieben, wie vorteilhaft es für einen Rahmenbauer ist, die Nutzer seiner Fahrräder zu kennen. Beim Gepäckträger ist natürlich lohnend, die spätere Nutzung zu kennen, aber viel wichtiger ist hier, daß der Gepäckträger speziell für ein Rad gebaut wird. Ein üblicher Gepäckträger ist eben nicht auf Maß gebaut und dadurch unnötig kompliziert, unnötig schwer und unnötig flexibel. Denn die Verstellmechanismen zur Anpassung an alle möglichen Rahmen sind genau das: Kompliziert, schwer und flexibel. Zudem sorgen sie dafür, daß praktisch alle Last über die Ausfallenden aufgenommen werden muß, die oberen Befestigungspunkte sorgen hauptsächlich dafür, daß sich der ganze Träger nicht um die unteren Befestigungspunkte dreht. Bei meinen Trägern sind alle Befestigungpunkte gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft, müssen aber auch alle mitarbeiten. 🙂

Man kann nun die ganze Sache auf die Spitze treiben und den Gepäckträger direkt als Einheit mit dem Rahmen bauen. Das ist im Zweifelsfall tatsächlich die leichteste und stabilste Variante. Allerdings hat sich gezeigt, daß damit auch einige Nachteile einhergehen: Bei Stürzen oder Unfällen ist ein Gepäckträger meist exponierter und empfindlicher als der Rahmen selbst. Ein Defekt des Gepäckträgers führt dann zu einem großen Aufwand bei der Reparatur. Zudem entstehen am Gepäcktäger durch die Packtaschen fast zwangsläufig irgendwann Lackschäden. Ich versuche, das konstruktiv und durch entsprechende Materialien zu minimieren, aber ganz wird man die Problematik nicht los. Auch das führt dann zu größeren Aktionen, wenn der Träger ein Teil des Rahmens ist. Man muß also abwägen, es gibt da kein schlichtes Richtig oder Falsch.

Aber legen wir mal los, damit es irgendwann mal einen Gepäckträger gibt, es gibt viel zu tun. Fangen wir an mit den Verbindungen zum Rahmen, ich baue mir da meine eigenen Kleinteile aus rostfreiem Stahl.

Los geht es mit einer Vierkantstange aus V4A, säurefestem rostfreiem Stahl.

Es wird ein Loch gebohrt und entgratet. Löcher in rostfreien Stahl zu Bohren, ist eine eher nervige Tätigkeit. Das ist etwa vergleichbar damit, ein schönes großes Loch in einem gut durchfeuchteten kompakten Lehmboden auszuheben. Um einen größeren Baum zu pflanzen, zum Beispiel. Normaler Baustahl wird in diesem Vergleich durch lockere Blumenerde repräsentiert. 🙂

Sprach ich davon, wie nervig das Bohren in rostfreien Stahl ist? Es gibt Schlimmeres: Das Bohren von kleinen, tiefen Löchern in rostfreien Stahl! Das sieht man hier am Ende des Stabes und es geht bis in die größere Bohrung. Dieses kleine Loch ist wichtig, um das Bauteil später verschweißen zu können.

Es wird ein Absatz angedreht.

Das Endstück wird abgeschnitten.

Das Ende wird mit einer Rundung versehen und alles gesäubert.

Jetzt die Schritte noch drei Mal wiederholen und schon sind die ersten Kleinteile fertig und der Bau des eigentlichen Gepäckträgers kann losgehen.

Das aber beim nächsten Mal.

Viele Grüße,

Georg Blaschke

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  1. Theorie und Praxis | GeorgBlaschkeBikes

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