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Mehr Komfort wagen…

28. Juli 2020

Ich verrate kein Geheimnis, wenn ich mich als Fan von gefederten Fahrrädern oute. Schließlich habe ich meinen ersten Rahmen vor bald 30 Jahren gebaut, weil es gar nicht so einfach war, ein vernünftiges gefedertes Mountainbike einfach so zu kaufen. Das hat sich heute geändert, aber bei Straßenrädern sieht es immer noch sehr karg aus. Dabei ist es tatsächlich auch schon 25 Jahre her, daß ich mein erstes vollgefedertes Rennrad gebaut habe. Viel getan hat sich auf der Straße nicht, wenn man davon absieht, daß heute durchweg breitere Reifen gefahren werden. Eben wegen des Komforts. Angeblich haben sie auch geringeren Rollwiderstand, aber das ist tatsächlich nur bei sehr schlechten Straßen durch die mögliche Verringerung des Druckes der Fall. Auf glattem Asphalt rollt ein Reifen mit höherem Druck leichter ab. Ein Rad mit Federung kann nun beides kombinieren: Der Druck bleibt hoch genug, daß der Reifen gut abrollt, der Komfort kommt durch die Federung. Zusätzlich ist die Federung noch gedämpft, so daß es kein nerviges Wippen gibt.

Bei dem hier vorgestellten Rad wurde auf die Federung am Vorderrad verzichtet. Erstens ist durch die Gabel und den vorderen Teil des Rahmens schon deutlich mehr Komfort geboten als am starren Hinterbau. Zweitens können durch die Arme Stöße weit besser abgefangen werden als durch ein dünnes Sitzpolster. Und drittens gibt es kaum vernünftige Federgabeln für die Straße. Zudem ist bei meiner Softtail Federung ein Vorteil, daß sie vom Fahren her eigentlich erst zu spüren ist, wenn man wieder auf ein starres Rad steigt. Dann fühlt man nämlich deutlich, daß sie fehlt. Es gibt auch im Wiegetritt kein Wippen, wie es bei einer Federgabel eigentlich immer auftritt, wenn sie nicht blockiert wird.

Zudem ist das System äußerst robust. Es gibt nur eine Lagerstelle hinter dem Tretlager, die dort verbauten Kugellager sind neben den schleifenden Dichtlippen noch beidseitig durch O-Ringe gedichtet. Durch den nur geringen nötigen Luftdruck ist auch der Dämpfer sehr gering belastet und hält entsprechend lange. Selbstverständlich wurde auch bei diesem Rad der Dämpfer schon im Neuzustand einem Service und einer peniblen Schmierung unterzogen. Leider ist das ab Werk nicht der Fall, aber immer zu empfehlen. Es macht sich halt niemand die Mühe…

Aber jetzt mal zum Rad selbst. Ich würde es als Tourenrennrad mit Rohloff und Schutzblechen bezeichnen. Zudem ist es mit Scheibenbremsen ausgestattet, was nicht nur von der Bremsleistung her emfehlenswert ist, sondern auch den Einsatz von breiten Reifen erlaubt. Übrigens möchte ich auch bei diesem Rad wieder einmal anbringen, daß es sehr sinnvoll sein kann, vorhandene Komponenten zu verwenden. Gerade bei so langlebigen Teilen wie den Laufrädern, den Kurbeln oder auch der Sattelstütze.

Wie man sieht, ist es auch ein großes Rad. Ich habe relativ selten den Fall, daß meine Kunden wirklich von der Größe her ein individuelles Rad benötigen, aber bei einer Rahmengröße von 66cm ist das Angebot dann doch nicht mehr so wahnsinnig groß.

Aber jetzt mal Bilder:

 

Das Hauptlager der Schwinge hinter dem Tretlager. Neben den schleifenden Dichtungen der Rillenkugellager ist alles zusätzlich mit O-Ringen gedichtet. Die Kugellager sitzen in Passungen aus rostfreiem hochfesten Stahl, die Achse ist aus schwarz anodisiertem Aluminium. Das hält und ist wartungsfrei.

Der hintere Dämpfer stellt am Hinterrad rund 40mm Federweg zur Verfügung. Natürlich wurde der Dämpfer schon im Neuzustand zerlegt und gut geschmiert wieder zusammengesetzt, die beste Voraussetzung für ein langes Leben. Schon vor ein paar Jahren habe ich mich hier im blog mal über den Kleinen Service ausgelassen.

Die Kontaktflächen des Dämpfers zum Rahmen hin sind rostfrei und frei von Lack.

Hier ist übrigens ein Grund zu sehen, warum Dämpfer und Federgabeln im Neuzustand eher sparsam geschmiert sind: Es bildet sich ein Schmierstoffilm auf dem Kolben in dem Bereich, der genutzt wird. Das läßt einen unvorbereiteten Kunden vermuten, daß der Dämpfer undicht ist und Öl verliert. Im Zweifelsfall wird reklamiert. Das kann man als Hersteller vermeiden, in dem man den Staubabstreifer trocken verbaut. Daß der Dämpfer dann nicht so lange hält, ist dann halt so…

Eine große Pumpe unter dem Oberrohr ist keine schlechte Sache, wenn man wirklich mal einen Defekt hat. So schön die Minipumpen sich in der Satteltasche machen, so unschön sind sie zum Pumpen.

Die Leitung für die hintere Bremse ist im Unterrohr verlegt.

Das hintere Schutzblech kann nicht hinter dem Tretlager befestigt werden, da sich beim Einfeder der Abstand zur Befestigung an den Sattelstreben ändert. Deshalb wurde hier eine zweite Strebe verwendet.

Die rechte Kettenstrebe ist aus rostfreiem Stahl.

An einem Rad mit Rohloff und Rennlenker darf natürlich eine Rohbox nicht fehlen. 🙂

Viele Grüße,

Georg Blaschke

P.S. Lack ist über den Umweg über eine Digitalkamera und einen Monitor immer nur schlecht darzustellen. Aber das folgende Bild vermittelt einen gewissen Eindruck vom Aluminiumsilber-Metallic. Ein sehr schönes und zeitloses Silber, daß mit silbernen und schwarzen Anbauteilen gleichermaßen gut kombinierbar ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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