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Neujahrsansprache

6. Januar 2021

Nun, so wichtig bin ich ja nicht, daß ich eine Neujahrsansprache halten dürfte oder müßte. Andererseits sind diese Zeiten auch alles andere als normal, wenn man nicht gerade als A-Promi wie üblich auf der Privatinsel im Pazifik überwintert und die schnöden Alltagsgeschäfte vom Personal erledigen läßt.

Ich bin hier in den letzten Monaten nicht zu wirklich viel gekommen. Das ist schade, weil es mir an Ideen eigentlich nicht mangelt, aber irgendwo muß auch die Zeit vorhanden sein. Und das ist zu Zeiten der Coronaplage leider schwierig. Weniger wegen Lockdown und Homeoffice, das macht für mich gar nicht mal so einen großen Unterschied. Und da will ich mich nicht beklagen, andere Berufsgruppen haben es da viel, viel schwieriger bis hin zur Bedrohung der Existenz. Aber wenn man Kinder in der 8. und 10. Klasse hat, trifft einen das Durcheinander des Schulwesens doch sehr deutlich. Von den in diesem Alter sehr belastenden Kontaktbeschränkungen mal abgesehen. Auch da hat die Schule ja eine wichtige Funktion. Für Berufspolitiker mag das nicht so sein, die freuen sich wahrscheinlich eher, nicht täglich auf Kollegen der anderen Parteien oder gar auf Parteifreunde zu treffen. Aber die meisten Berufspolitiker haben ihr Familiendasein doch eher so organisiert, daß ihnen im Alltag der Rücken freigehalten wird, der Dackel aber bitteschön im Wahlkampf für hübsche Bilder zur Verfügung steht.

Ohne Frage sehe ich es als sinnvoll an, die Schulen zu schließen, wenn das in der Pandemie nötig ist. Aber daß hier in Bayern außer Präsenzunterricht nichts wirklich funktioniert, das ist schon zum Lachen, wenn es für die Schüler und ihre Familien nicht so traurig wäre. Seit 23 Jahren muß ich mir nun anhören, wie toll das bayerische Schulsystem ist. Es wird von Laptop und Lederhose gefaselt. Vom bayerischen Abitur, daß höchste Ansprüche stellt, aber im Reigen der Bundesländer auch von unerreichter Qualität ist. Aber wofür? Ist es eine Errungenschaft, auf Deutsch im Abitur zu bestehen, wenn andere Länder grundlegende Programmierkenntnisse schon in der Grundschule vermitteln?

Heute hat der bayerische Kultusminister empfohlen, die offizielle Lernplattform Mebis möglichst nicht zu nutzen und wenn, bitteschön zeitlich gestaffelt. Das ist nur logisch, hat er doch Mitte Dezember schon festgestellt, daß das System nicht funktioniert hat, weil sich zu viele Schüler teils gleichzeitig eingewählt hatten. So wie es im Frühjahr auch schon war, als nichts funktionierte. Immerhin darauf kann man sich verlassen, das ist doch schon mal etwas. Vielleicht hätte man doch den einen oder anderen Nerd durch´s Abitur schlüpfen lassen sollen, der vielleicht keine Spitzenleistungen in Deutsch erbringt, aber dafür IT beherrscht? Und ausrechnen kann, wie viele Server man benötigt, wenn sich 100% der Schüler einwählen?

Ich hoffe doch, nächstes Mal wieder über Fahrräder schreiben zu können. Aber da wir keinen Familiendackel haben, der sich meine Tiraden stoisch anhören würde, müssen heute Sie ran. 🙂

Viele Grüße und Alles Gute,

Georg Blaschke

From → Fahrradwelt

2 Kommentare
  1. Stefan Hackenthal permalink

    Hallo Herr Blaschke,

    leider ist es in anderen Ländern auch nicht besser (jedenfalls bei uns in Niedersachsen). Und leider geht das Gewurschtele schon seit Jahren, es scheint eine eingebaute Eigenschaft des Bildungssystems zu sein. Nicht nur bei der Digitalisierung, sondern auch bei G8/G9, bei den Inhalten (Sie sprachen ja Programmierung an, das ist ein trauriges Thema für mich als ITler) und bei dem Management (Unterrichtsausfall, auch vor Corona) usw. usf.

    In Bayern ist m.W. die Abbrecherquote höher als in den meisten anderen Bundesländern, das ist ja auch nicht im Sinne der Bildungsgerechtigkeit.

    Herzliche Grüsse aus Hannover
    Stefan Hackenthal

    • georgblaschke permalink

      Na, wenn es überall gleich schlecht läuft, soll noch einer sagen, daß die Bundesländer nicht erfolgreich zusammenarbeiten. 🙂
      Ich konnte heute morgen nicht einmal die website des Schulmanagers aufrufen, vom Anmelden ganz zu schweigen. Dabei ist man als Erziehungsberechtiger bzw. -verpflichteter dazu angehalten.

      Aber Herr Piazolo, der bayerische Kultusminister, hat schon vor ein paar Tagen in weiser Voraussicht darauf hingewiesen, daß Lehrer auch über email oder Post mit den Schülern Verbindung halten und im Zweifelsfall auch mal Arbeitsblätter über den Gartenzaun reichen könnten. In dem Weiler, in dem Herr Piazolo offensichtlich lebt, scheint die Welt noch in Ordnung…
      Ich empfehle ja mittlerweile, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und das Problem mit einer Stärkung unserer coronaleidenden Vereine zu verbinden: Es gibt ja viele notleidende Vereine von Brieftaubenzüchtern. Wenn jetzt jeder Schüler zum Beispiel am Wochenanfang mit seinen Arbeitsblättern fünf Brieftauben über den Gartenzaun gereicht bekäme, könnte er die Blätter nach Erledigung direkt zurücksenden! Ganz ohne neumodische Technik! Nachwuchssorgen wäre der Taubenzüchterverein damit vermutlich auch los, wenn die ganzen Schüler erstmal sehen, wie spannend so eine Taube ist. Etwas unsicher bin ich mir noch bei Sonderregelungen für Katzenbesitzer und bei der Frage, ob in Hotspots die Einschränkung des Bewegungsradius auch für Brieftauben gelten soll. Ich empfehle da die Einsetzung einer Arbeitsgruppe.

      Viele Grüße,
      Georg Blaschke

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