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Steckachsen

21. Januar 2019

Das Schöne am Fahrrad war immer schon seine relative Einfachheit und seine Durchschaubarkeit. Natürlich kann ein Fahrrad auch ziemlich komplex werden, aber für 95% des Vergnügens braucht es nicht viel. Die letzten 5% sind dann superleichtes Gewicht, exotische Materialien, elektronische Schaltungen und ein Design in der allerneuesten Mode.

Ein anderer Vorteil beim Fahrrad war über die letzten Jahrzehnte, daß es recht standardisiert war. Während in der Frühzeit jeder Hersteller sein eigenes Süppchen kochte, waren irgendwann nur noch ein paar Standards übriggeblieben. Das war eigentlich nicht schlecht, weil man ein Rad problemlos lange Jahre fahren konnte. War irgendwas defekt, wurde es ausgetauscht, die neueren Komponenten haben ja immer noch gepaßt.

Das hat sich in den letzten Jahren deutlich geändert. Es gibt mittlerweile zig herstellerspezifische Standards, die sich teils zu echten Standards entwickelt haben. Einige sind auch schon wieder verschwunden. Andere werden noch verschwinden. Und es werden wieder andere entstehen. Immer auf der Jagd nach den letzten paar Prozent Performance oder auch Gewinn. Auf Kosten der Kompatibilität, Austausch- und Reparierbarkeit. Aber es ist eh fraglich, ob ein Großteil der Käufer eines neuen Fahrrades darüber nachdenkt, ob es in 10 Jahren noch Ersatzteile dafür gibt.

Momentan stark im Kommen auch bei Straßenfahrrädern sind sogenannte Steckachsen. Was hat es damit auf sich? Seit einigen Jahren sind die praktisch Standard bei Mountainbikes. Dort verbessern sie die Steifigkeit bei Federgabeln und gefederten Hinterbauten. Bei einem starren Straßenrad bringt das nicht viel. Warum setzen sie sich dann dort durch? Der Grund liegt darin, daß sich das Rahmenmaterial Carbon durchgesetzt hat. Und Carbon hat so seine Problemstellen: Es verträgt keine hohen Klemmkräfte, Oberflächen sind schon ab Werk nicht sehr präzise oder eben und die Oberflächen verschleißen schnell, werden sie mechanisch belastet. Eine übliche Schnellspannachse setzt aber präzise Oberflächen voraus und belastet diese relativ stark durch Klemmkräfte. Also ist es sinnvoll, hier Steckachsen einzusetzen. Leider, ohne sich bisher bei den Gewinden einig zu sein.

Bei meinen Rädern bemühe ich mich, nur Standards zu verwenden, für die es auch in 10 Jahren noch Teile geben wird. Nach allem, was da momentan abzusehen ist, werden Steckachsen dazugehören. Allerdings werden deshalb Schnellspanner nicht aussterben, dafür ist allein der Bestand viel zu groß. Man hat also die Wahl, wenn auch Steckachsen bei starren Rahmen und Gabeln aus Metall keinen nennenswerten Vorteil bieten. Eher leichte Nachteile, weil der Ausbau eines Laufrades nicht gerade beschleunigt wird und bei einigen Komponenten wie Nabendynamos die Auswahl für Schnellspanner dann doch deutlich größer ist. Auch bei der Verwendung einer Rohloff Speedhub sollte man möglichst die Schnellspannvariante bevorzugen, da ist die Steckachsvariante erheblich umständlicher. Nicht zuletzt der vorhandene Bestand an Fahrrädern und Komponenten kann die Wahl beeinflußen: Es hat was, im Fall der Fälle mal schnell das andere Laufrad einbauen zu können…

Viele Grüße,

Georg Blaschke

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2 Kommentare
  1. Benjamin Quest permalink

    Steckachsen werden ja noch zwei weitere Vorteile nachgesagt: 1. Soll angeblich die Ausrichtung der Scheibenbremsscheibe exakter bzw. „reproduzierbarer“ sein und 2. soll das Vorderrad beim Bremsen besser Spur halten (weil die Gabelholme sich weniger gegeneinander verwinden können).

    Ist bei beidem die Frage inwieweit es bei GEBLA’scher Präzisionsarbeit relevante Unterschiede macht. Für meinen Teil ist die Steckachsenidee für ein zukunftssicheres Alltagsrad erstmal ausgeredet (bzw. aus-argumentiert 😉

    • georgblaschke permalink

      Der erste Punkt ist tatsächlich so bei eben Carbon und auch lackierten Metallteilen. Deshalb ist es ja sinnvoll, sie bei Carbon zu verwenden. Und deshalb ist sie auch unnötig bei meinen Rahmen, die generell an solchen Stellen mit rostfreien Oberflächen lackfrei ausgeführt sind. Übrigens auch bei Steckachsen, auch dort ist Lack an der Oberfläche natürlich ungünstig.
      Der zweite Punkt ist sicherlich der Fall bei Federgabeln, dort haben die Steckachsen auch einen größeren Durchmesser. Ob es bei einer starren Gabel viel bringt bzw. überhaupt nötig ist, ist fraglich. Da wäre mal ein Test einer Zeitschrift sinnvoll. Mittlerweile üblich bei Carbongabeln ist, das linke Gabelbein für Scheibenbremsen steifer auszulegen. Bei meinen Gabeln ist das seit 2008 der Fall.

      Viele Grüße,
      Georg Blaschke

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