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Heiße Orange

Man kann in diesen Zeiten gar nicht vorsichtig genug sein. Auch wenn es noch höchst sommerlich scheint, kommen Herbst und Winter doch unaufhaltsam näher. Und da man sich in diesem Jahr nicht mal die allerkleinste Erkältung einfangen möchte, sollte man vorsorgen. Zum Beispiel mit einer heißen Orange. Wenn man sich da draufsetzt und regelmäßig eine Runde fährt, stärkt das nicht nur die Abwehrkräfte, sondern steigert auch Fitness und Wohlbefinden. Da sie zudem noch Streß abbaut, kann man von einem Rundum-Gesundheitspaket sprechen. Haben Sie sich schon einmal vorgestellt, welche Blicke auf Sie geworfen werden, wenn Sie im November in der Schlange der Supermarktkasse mal niesen müssen? Also besser vorsorgen… 🙂

Bei der Farbe handelt es sich um Hot Orange Metallic, wie üblich mal wieder schwer zu fotografieren. Das Rad wiegt komplett mit Pedalen 8,1 kg. Dabei entfallen 1820 Gramm auf den Rahmen und 770 Gramm auf die Gabel, wobei ich diese mit ungekürztem 285mm langem Schaft gewogen habe. Pro 100mm wiegt der Schaft 90 Gramm, so daß die Gabel im Rad dann eher rund 660 Gramm wiegen sollte.

Die rechte Kettenstrebe ist aus rostfreiem Stahl.

Die vorhandenen Campagnolo Laufräder wurden mit einem Antreiber auf Shimano-Standard umgerüstet.

 

Noch ein paar Details zur Gabel.

 

Alle Kontaktflächen zur Bremse und Hülsenmutter sind auch rostfreiem Stahl gefertigt.

Auch die Ausfallenden sind mit rostfreien Oberflächen versehen. Hier die Rennausführung für schnelles Ausbauen des Laufrades. Natürlich sind auch Ausfallenden für Steckachsen und Scheibenbremsen möglich.

Viele Grüße,

Georg Blaschke

Ein Fall für Zwei – Folge Drei

So, endlich geht es auch mal mit dem Tandem weiter. Hier die Beweisbilder.

Das vordere Rahmendreieck ist fertig geschweißt. Vorher wurden noch die Anlötteile angebracht. Und davon hat der Rahmen einige. Erstens, weil ein Tandem immer mehr davon hat, zweitens, um bei den Flaschenhaltern flexibel zu sein. Man kann dann nicht nur die Position verändern, sondern auch Halter für große Flaschen, die drei Befestigungspunkte benötigen, montieren.

 

Hier noch ein paar Details:

Zuerst wird das vordere Sitzrohr and das Tretlagergehäuse geschweißt.

Dann kommt der Rest, hier das Steuerrohr:

Das rostfreie G ist auch schon aufgelötet.

Der Knoten am vorderen Sitzrohr. An den unterschiedlichen Anlaßfarben oben und unten kann man erkennen, daß der Stutzen aus rostfreiem Material ist.

Und der Tretlagerbereich mit den gesammelten Anlötteilen:

Und jetzt kann auch das Verbindungsrohr zwischen den beiden Tretlagergehäusen eingeschweißt werden, die sogenannte Boomtube:

Natürlich wurde hier auch wieder vorab das hintere Sitzrohr an das Gehäuse geschweißt. Dafür einfach nochmal das Bild von oben angucken. 🙂

Viele Grüße,

Georg Blaschke

Ein Fall für Zwei – Folge Zwei

Neulich gab es schon die erste Folge vom Tandembau, heute geht es weiter. Es dauert alles etwas länger. Nicht nur weil ein Tandem länger ist und einfach mehr Arbeit macht, sondern auch, weil hier Handwerker, ein offenes Dach und hübsche Sommergewitter zusammenkommen. Da hat Trockenbleiben erstmal Vorrang…

Die Hauptrohre werden ich der Rahmenlehre eingepaßt. Wie beim normalen Rahmen auch ist das ein wichtiger Schritt. Je besser hier die Passungen, desto weniger Verzug gibt es beim Schweißen oder Löten. Das Sitzrohr ist noch deutlich zu lang, sein oberes Ende wird auch durch eine rostfreie Verstärkung ersetzt.

Die Passungen am Steuerrohr.

Hier die beiden Sattelrohrverstärkungen aus rostfreiem Stahl und ein Tretlagergehäuse, schon mit dem gefrästen G als Wasserablauf. Solche Sattelrohrverstärkungen gibt es in der Länge und aus dem Material nicht zu kaufen, also muß wie beim Tretlagergehäuse die Drehmaschine herhalten. Alles vermeintliche Kleinigkeiten, die man nachher nicht mal groß sieht, die aber viel Zeit benötigen. Durch den Lenker des Stokers ist der Sitzrohrknoten beim Captain aber durchaus belastet, Schäden an Tandems sind hier gar nicht so selten. Es ist also sehr sinnvoll, hier mit einer Verstärkung zu arbeiten.

Das Verbindungsrohr zwischen den Tretlagern wird vorbereitet. Das Tandem soll zum einfacheren Transport zerlegbar sein und bekommt deshalb entsprechende Kupplungen von S&S. Schöne Teile, sehr gut gemacht, leider nicht ganz günstig.

 

Solche Kupplungen kommen auch in das Oberrohr. Aber nicht mehr heute…

 

Viele Grüße,

Georg Blaschke

Ein Rad auch für rauhe Touren

Komisch an der heutigen Welt ist ja, daß es vor allem im Netz von Patentrezepten nur so wimmelt, die Welt aber eher verworrener, vielschichtiger und suchender wird. Allem Gerede, Geposte und Getwittere zum Trotz gibt es eben weder die einzig richtige wissenschaftliche Weltanschauung noch den ultimativen Weg zum Glück.

Selbst bei einem so profanen Ding wie einem Fahrrad ist alles nicht so einfach. Neulich hatte ich hier ein Rad als besonders komfortabel gepriesen, heute stelle ich wieder eins vor, allerdings mit komplett anderem Ansatz. Es kommt eben immer darauf an. Letztendlich erarbeitet man als Rahmenbauer zusammen mit dem Kunden ein Rad, das dann gebaut wird. Eigentlich gemein, daß man als Kunde nicht nur einiges an Geld bezahlen, sondern auch noch mitarbeiten muß. Allerdings wird dann auch das Ergebnis besser sein. Vielleicht kann man es mit der Gesundheit vergleichen: Natürlich ist ein langes Wochenende in der Wellnessoase eine tolle Sache und man wird mal so richtig verwöhnt. Nachhaltiger für die Gesundheit ist es aber wahrscheinlich, ein Vierteljahr lang zwei mal die Woche eine schöne Runde Rad zu fahren. Und dann am besten dabei zu bleiben. Aber es ist auch anstrengender…

Wie auch immer, für mich ist Rahmenbau weniger der tatsächliche handwerkliche Bau eines Rahmens, sondern eine gute Lösung für viele schöne Stunden im Sattel zu finden und umzusetzen.

Bei diesem Rad waren aus Komfortgründen Laufräder mit 26 Zoll und breiten Reifen gesetzt, dazu eine Sitzposition, die an einem vorhandenen Rad sehr ausgiebige Touren ermöglicht. Kombiniert werden sollte das Ganze mit einem schlichten und eher unauffälligem, aber zeitlosen Auftreten. Na ja, so richtig unauffällig ist das Rad nicht geworden, auf jeden Fall nicht für jemanden, der sich ein wenig auskennt. Aber für zeitlose schlichte Eleganz sorgt auf jeden Fall schon mal die Farbe, ReflexSilber kombiniert mit Schwarz. Schutzbleche und Gepäckträger sind hier auch schwarz lackiert, die originalen schwarzen Schutzbleche von Gilles Berthoud sind Schwarz Matt, das hätte nicht so richtig gepaßt. Leider ist es wieder einmal schwierig, die Farbe gut zu fotografieren.

Was soll ich sonst noch schreiben… Ich lasse lieber mal Bilder sprechen…

 

Der Gepäckträger ist selbstverständlich mit den rostfreien Aufhängepunkten für Packtaschen ausgestattet.

Alle Züge sind innen verlegt, optisch schlichter geht es nicht.

Der für die hohe Lenkerposition nötige lange Spacer ist ein dünnwandiges Rohr, das in Rahmenfarbe lackiert wurde.

Es kommt selten vor, aber manchmal verbaue ich noch eine Rohloff Nabe mit originaler Schaltbox, keiner Rohbox. Für einen MTB Lenker ist der Drehgriff von Rohloff nicht die schlechteste Lösung.

Das Lichtkabel ist im Gepäckträgerholm verlegt, die nötigen Löcher durch rostfreie Scheiben verstärkt.

Demnächst geht es weiter mit dem Tandem. Oder mit einem anderen Thema, wir werden sehen.

Viele Grüße,

Georg Blaschke

Ein Fall für Zwei

Nach längerer Zeit möchte ich einmal wieder den Bau eines kompletten Rades dokumentieren. Um Langeweile vorzubeugen, habe ich mir dazu ein Tandem ausgesucht, da sind ja doch ein paar Dinge anders zu machen. Außerdem geht der Bau eines Tandems eh langsamer vonstatten. Natürlich deswegen, weil einfach mehr Teile zu machen sind und alles etwas aufwendiger ist. Vor allem aber auch, weil es für mich kein Routine bedeutet, so viele Tandemrahmen baue ich ja nicht. Zudem sind auch kleine Fehler sehr schnell sehr teuer. Es ist selten, aber kommt immer mal vor, daß irgendeine Bearbeitung daneben geht und man ein Rohr oder ein anderes Bauteil ruiniert. Beim Tandem sind Rohre und viele andere Bauteile aufwendiger und teurer, teils auch rar. Man sollte sich jeden Schritt also gut überlegen.

Das Steuerrohr ist noch recht normal, wenn auch mit etwas größerer Wandstärke versehen als beim Einzelrad. Es hat als Maß für den Steuersatz 44mm und erlaubt dadurch einen Gabelschaft größeren Durchmessers. Da ich solche Steuerrohre meist sowieso selbst herstelle, ist die größere Wandstärke kein Problem: Sie ist das, was auf der Drehmaschine vom nahtlosen CroMo-Rohr übrig bleibt.

 

Hier sitzt das Steuerrohr schon in der Rahmenlehre, um die Rohre anzupassen. Soweit alles ganz normal.

Ab hier wird es schon spannender. Aufmerksamen Lesern wird die Veränderung der Rahmenlehre aufgefallen sein. Die Profile oben und unten sind austauschbar und wurden zum Tandembau durch längere ersetzt. Auch zu sehen ist jetzt die zweite Aufnahme für ein Tretlager. Und wenn man genau hinsieht, kann man schon die beiden Tretlagerhülsen entdecken, die auch auf der Drehmaschine entstanden sind und einen großen Durchmesser für Excenter haben.

Weiter geht es beim nächsten Mal.

Viele Grüße,

GGeorg Blaschke

Mehr Komfort wagen…

Ich verrate kein Geheimnis, wenn ich mich als Fan von gefederten Fahrrädern oute. Schließlich habe ich meinen ersten Rahmen vor bald 30 Jahren gebaut, weil es gar nicht so einfach war, ein vernünftiges gefedertes Mountainbike einfach so zu kaufen. Das hat sich heute geändert, aber bei Straßenrädern sieht es immer noch sehr karg aus. Dabei ist es tatsächlich auch schon 25 Jahre her, daß ich mein erstes vollgefedertes Rennrad gebaut habe. Viel getan hat sich auf der Straße nicht, wenn man davon absieht, daß heute durchweg breitere Reifen gefahren werden. Eben wegen des Komforts. Angeblich haben sie auch geringeren Rollwiderstand, aber das ist tatsächlich nur bei sehr schlechten Straßen durch die mögliche Verringerung des Druckes der Fall. Auf glattem Asphalt rollt ein Reifen mit höherem Druck leichter ab. Ein Rad mit Federung kann nun beides kombinieren: Der Druck bleibt hoch genug, daß der Reifen gut abrollt, der Komfort kommt durch die Federung. Zusätzlich ist die Federung noch gedämpft, so daß es kein nerviges Wippen gibt.

Bei dem hier vorgestellten Rad wurde auf die Federung am Vorderrad verzichtet. Erstens ist durch die Gabel und den vorderen Teil des Rahmens schon deutlich mehr Komfort geboten als am starren Hinterbau. Zweitens können durch die Arme Stöße weit besser abgefangen werden als durch ein dünnes Sitzpolster. Und drittens gibt es kaum vernünftige Federgabeln für die Straße. Zudem ist bei meiner Softtail Federung ein Vorteil, daß sie vom Fahren her eigentlich erst zu spüren ist, wenn man wieder auf ein starres Rad steigt. Dann fühlt man nämlich deutlich, daß sie fehlt. Es gibt auch im Wiegetritt kein Wippen, wie es bei einer Federgabel eigentlich immer auftritt, wenn sie nicht blockiert wird.

Zudem ist das System äußerst robust. Es gibt nur eine Lagerstelle hinter dem Tretlager, die dort verbauten Kugellager sind neben den schleifenden Dichtlippen noch beidseitig durch O-Ringe gedichtet. Durch den nur geringen nötigen Luftdruck ist auch der Dämpfer sehr gering belastet und hält entsprechend lange. Selbstverständlich wurde auch bei diesem Rad der Dämpfer schon im Neuzustand einem Service und einer peniblen Schmierung unterzogen. Leider ist das ab Werk nicht der Fall, aber immer zu empfehlen. Es macht sich halt niemand die Mühe…

Aber jetzt mal zum Rad selbst. Ich würde es als Tourenrennrad mit Rohloff und Schutzblechen bezeichnen. Zudem ist es mit Scheibenbremsen ausgestattet, was nicht nur von der Bremsleistung her emfehlenswert ist, sondern auch den Einsatz von breiten Reifen erlaubt. Übrigens möchte ich auch bei diesem Rad wieder einmal anbringen, daß es sehr sinnvoll sein kann, vorhandene Komponenten zu verwenden. Gerade bei so langlebigen Teilen wie den Laufrädern, den Kurbeln oder auch der Sattelstütze.

Wie man sieht, ist es auch ein großes Rad. Ich habe relativ selten den Fall, daß meine Kunden wirklich von der Größe her ein individuelles Rad benötigen, aber bei einer Rahmengröße von 66cm ist das Angebot dann doch nicht mehr so wahnsinnig groß.

Aber jetzt mal Bilder:

 

Das Hauptlager der Schwinge hinter dem Tretlager. Neben den schleifenden Dichtungen der Rillenkugellager ist alles zusätzlich mit O-Ringen gedichtet. Die Kugellager sitzen in Passungen aus rostfreiem hochfesten Stahl, die Achse ist aus schwarz anodisiertem Aluminium. Das hält und ist wartungsfrei.

Der hintere Dämpfer stellt am Hinterrad rund 40mm Federweg zur Verfügung. Natürlich wurde der Dämpfer schon im Neuzustand zerlegt und gut geschmiert wieder zusammengesetzt, die beste Voraussetzung für ein langes Leben. Schon vor ein paar Jahren habe ich mich hier im blog mal über den Kleinen Service ausgelassen.

Die Kontaktflächen des Dämpfers zum Rahmen hin sind rostfrei und frei von Lack.

Hier ist übrigens ein Grund zu sehen, warum Dämpfer und Federgabeln im Neuzustand eher sparsam geschmiert sind: Es bildet sich ein Schmierstoffilm auf dem Kolben in dem Bereich, der genutzt wird. Das läßt einen unvorbereiteten Kunden vermuten, daß der Dämpfer undicht ist und Öl verliert. Im Zweifelsfall wird reklamiert. Das kann man als Hersteller vermeiden, in dem man den Staubabstreifer trocken verbaut. Daß der Dämpfer dann nicht so lange hält, ist dann halt so…

Eine große Pumpe unter dem Oberrohr ist keine schlechte Sache, wenn man wirklich mal einen Defekt hat. So schön die Minipumpen sich in der Satteltasche machen, so unschön sind sie zum Pumpen.

Die Leitung für die hintere Bremse ist im Unterrohr verlegt.

Das hintere Schutzblech kann nicht hinter dem Tretlager befestigt werden, da sich beim Einfeder der Abstand zur Befestigung an den Sattelstreben ändert. Deshalb wurde hier eine zweite Strebe verwendet.

Die rechte Kettenstrebe ist aus rostfreiem Stahl.

An einem Rad mit Rohloff und Rennlenker darf natürlich eine Rohbox nicht fehlen. 🙂

Viele Grüße,

Georg Blaschke

P.S. Lack ist über den Umweg über eine Digitalkamera und einen Monitor immer nur schlecht darzustellen. Aber das folgende Bild vermittelt einen gewissen Eindruck vom Aluminiumsilber-Metallic. Ein sehr schönes und zeitloses Silber, daß mit silbernen und schwarzen Anbauteilen gleichermaßen gut kombinierbar ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Corona Update

Tja, manchem ist es schon aufgefallen, daß hier alles noch etwas langsamer als sonst abläuft. Das hängt vor allem mit den Zeiten des Virus zusammen. Zum Glück betrifft mich das rein arbeitstechnisch kaum, da ich ja sowieso meistens alleine vor mich hinarbeite. Aber mit Kindern im allerbesten Schulalter ist der Rhytmus doch etwas anders: Seit Mitte März gab es für meine Kinder bisher 5 bzw. 3 Tage (in Worten: TAGE) analogen Schulunterricht. Digitalen Unterricht auf Unterrichtsstunden heruntergebrochen ähnlich viel. Zumindest Digital hätte ich im Land der Laptops und Lederhosen mehr erwartet.

Daß analoger Unterricht aus virologischer Sicht problematisch ist, ist klar. Aber auch hier muß man sich die Frage stellen, wofür eine erhöhte Ansteckungsrate in Kauf genommen wird. Zumindest die Wirtschaft in Schweinfurt kann sich nicht beklagen: Vor dem „Trinkstüble“ und ähnlichen Lokalitäten sitzen schon seit Wochen die im Lockdown arg dehydrierten Mitbürger gerne auch während der Unterrichtszeit in den Vormittagsstunden, um Flüssigkeit aufzufüllen und durch Inhalation verschiedener Kondensate dem Erreger den Weg in die Lunge wenig schmackhaft zu machen.

Wahrscheinlich haben sich die dort Sitzenden schon ein neues Auto gekauft, wie Herr Aiwanger ganz richtig vermutete. Klar, denn für die Rückfahrt wird vermutlich der Spurhalteassistent benötigt. Zumindest in Bayern kann ein gestandenes Mannsbild ja so zwei Maß vertragen und dann noch Auto fahren, wie der ehemalige Ministerpräsident Beckstein ja schon darlegte. Hoffen wir mal, daß das neue Auto dann auch selbständig Fußgänger und Radfahrer erkennt und selbstätig bremst…

Also gut, ich will mich nicht weiter beklagen und sehe ein, daß auch im Land der Bildungsbürger die Wirtschaft Vorrang haben muß und versuche, fleißig vor mich hinzuarbeiten. Deshalb habe ich heute auch neue Bilder gemacht, die ich hier beim nächsten mal vorstellen möchte.

Viele Grüße,

Georg Blaschke

Silberne Rohboxen sind wieder lieferbar

Nur ein kurzer Hinweis: Die Rohbox ist jetzt auch wieder in Silber lieferbar.

Ein paar Wochen lang haben mir die silbernen Deckel gefehlt. Eigentlich hätten sie schon längst hier sein sollen, aber bei der ursprünglichen Lieferung hatten sich bei der Anodisierung Flecken gezeigt. Also alles nochmal von vorn. Aber jetzt sind sie wieder da.

Viele Grüße,

Georg Blaschke

Ganzheitlicher Ansatz

Vieles wird ja heute als ganzheitlich angepriesen, es ist regelrecht eine Mode geworden. Wobei: Ich kann mich nicht entsinnen, schon einmal eine ganzheitliche Klobürste gesehen zu haben. Aber vermutlich gibt es auch das…

Andererseits: Ein Fahrrad ist ohne Fahrer oder Fahrerin zwar im Zweifelsfalle ein hübsch anzusehendes Objekt, wenn man an so etwas Gefallen findet. Aber fahren tut es nunmal nicht von allein. Deshalb ist irgendeine Aussage wie „dies ist das beste Fahrrad der Welt“ nichts wert, wenn nicht im Nebensatz kommt „für diese Person und ihre momentanen Ansprüche“. Eigentlich sollte darum ein ganzheitlicher Ansatz die Regel sein, nicht nur beim Fahrrad.

Nun ist es auch bei meinen Kunden so, daß die meisten mit einem Rad von der Stange von der Geometrie her auch gut zurechtkämen. Aber auf alle trifft das eben doch nicht zu. Bei Rennrädern kommt man zum Beispiel bei kleinen Rahmen relativ schnell in einen Bereich, in dem kleinere Laufräder einfach sinnvoller wären. Dann müssen keine Kompromisse bei der Kettenstrebenlänge, beim Sitzrohrwinkel, beim Steuerrohrwinkel, bei der Steuerrohrlänge und beim Nachlauf her. Sondern nur ein Kompromiß, eben die Laufradgröße. Deshalb hat das hier gezeigte Rad auch Laufräder mit 26 Zoll (571mm). Das nenne ich in diesem Fall einen ganzheitlichen Ansatz, der den Fahrer oder die Fahrerin mit einbezieht.

Verbaut wurde ein Mix aus Rostfreien und CrMo Rohren größtenteils von Columbus. Die Rohre wurden durchaus auch für geringes Gewicht ausgewählt, ohne das bis ins Letzte auszureizen. Ich spare lieber durch die Bearbeitung von Tretlager und Steuerrohr, das hat keine Auswirkungen auf die Alltagstauglichkeit. Extrem dünnwandige Rahmenrohre dagegen schon. Die Komponenten konnten zum guten Teil vom vorherigen Rad übernommen werden. Etwas, das ich gerne empfehle, wenn gute und passende Teile vorhanden sind.

Da die Frage sowieso kommen wird: Der Rahmen wiegt mit Lack und Hohlraumversiegelung 1520 Gramm, die Gabel 660 Gramm, das ganze Rad mit Pedalen dann 7,8 kg.

Die Kettenstrebe aus rostfreiem Stahl bleibt unlackiert.

Der hintere Bremszug verläuft im eigenen rostfreien Röhrchen im Oberrohr.

Früher waren viele Rennrahmen an allen möglichen Bauteilen mit Herstellergravuren versehen. Das sah klasse aus, aber setzte auch entsprechend massive Bauteile voraus.

Die Schaltzüge laufen überkreuz, dadurch können die Hüllen vom Lenker zu den Anschlägen in sanfteren Bögen verlaufen. Gerade bei kleineren Rahmengrößen ist das sinnvoll.

Viele Grüße,

Georg Blaschke

Lieblingstasse

Der Klassiker ist das Meeting am frühen Nachmittag. Irgendwie hatte man den Termin völlig verdrängt und muß jetzt schnell noch seine Lieblingstasse mit irgendetwas füllen, das die lähmende Unlust und bleierne Müdigkeit auf ein Niveau drückt, auf dem sie wenigstens für die Vorgesetzten nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind. In der Teeküche angekommen stellt man fest, daß man sich immerhin in einer Schicksalsgemeinschaft befindet, denn den Kollegen geht es sichtlich ähnlich.

Nun, jetzt im home office ist die Herausforderung wohl eher, sich überhaupt für die Arbeit zu motivieren, auch da hilft die Lieblingstasse. Bei mir in der Werkstatt ist ja praktisch immer home office, auch zu normalen Zeiten ganz ohne Corona. Klar muß ich mich auch mal motivieren, aber mindestens im Winterhalbjahr trinke ich schlicht gegen die Kälte. Größere Mengen Grüner Tee aus Taiwan oder Ingwertee helfen da durchaus. Der Nachteil in der Werkstatt ist, daß dort nicht nur Tee getrunken, sondern auch gearbeitet wird. Das sorgt leider dafür, daß meinen Lieblingstassen kein ewiges Leben beschieden ist. Dafür gibt es dann ab und zu mal eine Neue.

Schon zu Weihnachten war dies mal wieder der Fall. Zum Glück, denn so eine Fahrradtasse ist doch ein gleichermaßen hübsches wie nützliches Teil. Würden Sie das von einer Krawatte mit Fahrradmotiv auch behaupten?

Das Schönste ist, daß ich durch diese Tasse immer auch an meine Lieblingskurbel erinnert werde, denn viele Elemente der dargestellten Kurbel passen zur Campagnolo Record Corsa Kurbel der späten Achtziger und frühen Neunziger Jahre.

 

Hier die Campagnolo Record Corsa Kurbel in der Version für Bahnräder mit nur einem Kettenblatt.

Manchmal, zum Beispiel für elektrische Schaltungen, muß es einfach eine moderne Kubel sein, die vom Design her eher zu flächigen Carbonrahmen paßt. Aber für andere Anwendungsfälle kann man durchaus auch auf klassisch anmutende oder sogar auf vorhandene ältere Kurbeln zurückgreifen. Die des neulich hier gezeigten CityRacers ist neu, nimmt aber viele Elemente einer Campagnolo Novo/Super Record aus den Siebzigern und frühen Achtzigern auf. Auch mit einer Rohloff-Nabe wäre diese Kurbel gut kombinierbar. Silberne Fahrradkomponenten sind nicht in Mode, da ist die Auswahl gar nicht so groß. Um so besser, wenn es dann manchmal doch klappt.

Viele Grüße,

Georg Blaschke