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Ein Fall für Zwei

Nach längerer Zeit möchte ich einmal wieder den Bau eines kompletten Rades dokumentieren. Um Langeweile vorzubeugen, habe ich mir dazu ein Tandem ausgesucht, da sind ja doch ein paar Dinge anders zu machen. Außerdem geht der Bau eines Tandems eh langsamer vonstatten. Natürlich deswegen, weil einfach mehr Teile zu machen sind und alles etwas aufwendiger ist. Vor allem aber auch, weil es für mich kein Routine bedeutet, so viele Tandemrahmen baue ich ja nicht. Zudem sind auch kleine Fehler sehr schnell sehr teuer. Es ist selten, aber kommt immer mal vor, daß irgendeine Bearbeitung daneben geht und man ein Rohr oder ein anderes Bauteil ruiniert. Beim Tandem sind Rohre und viele andere Bauteile aufwendiger und teurer, teils auch rar. Man sollte sich jeden Schritt also gut überlegen.

Das Steuerrohr ist noch recht normal, wenn auch mit etwas größerer Wandstärke versehen als beim Einzelrad. Es hat als Maß für den Steuersatz 44mm und erlaubt dadurch einen Gabelschaft größeren Durchmessers. Da ich solche Steuerrohre meist sowieso selbst herstelle, ist die größere Wandstärke kein Problem: Sie ist das, was auf der Drehmaschine vom nahtlosen CroMo-Rohr übrig bleibt.

 

Hier sitzt das Steuerrohr schon in der Rahmenlehre, um die Rohre anzupassen. Soweit alles ganz normal.

Ab hier wird es schon spannender. Aufmerksamen Lesern wird die Veränderung der Rahmenlehre aufgefallen sein. Die Profile oben und unten sind austauschbar und wurden zum Tandembau durch längere ersetzt. Auch zu sehen ist jetzt die zweite Aufnahme für ein Tretlager. Und wenn man genau hinsieht, kann man schon die beiden Tretlagerhülsen entdecken, die auch auf der Drehmaschine entstanden sind und einen großen Durchmesser für Excenter haben.

Weiter geht es beim nächsten Mal.

Viele Grüße,

GGeorg Blaschke

Mehr Komfort wagen…

Ich verrate kein Geheimnis, wenn ich mich als Fan von gefederten Fahrrädern oute. Schließlich habe ich meinen ersten Rahmen vor bald 30 Jahren gebaut, weil es gar nicht so einfach war, ein vernünftiges gefedertes Mountainbike einfach so zu kaufen. Das hat sich heute geändert, aber bei Straßenrädern sieht es immer noch sehr karg aus. Dabei ist es tatsächlich auch schon 25 Jahre her, daß ich mein erstes vollgefedertes Rennrad gebaut habe. Viel getan hat sich auf der Straße nicht, wenn man davon absieht, daß heute durchweg breitere Reifen gefahren werden. Eben wegen des Komforts. Angeblich haben sie auch geringeren Rollwiderstand, aber das ist tatsächlich nur bei sehr schlechten Straßen durch die mögliche Verringerung des Druckes der Fall. Auf glattem Asphalt rollt ein Reifen mit höherem Druck leichter ab. Ein Rad mit Federung kann nun beides kombinieren: Der Druck bleibt hoch genug, daß der Reifen gut abrollt, der Komfort kommt durch die Federung. Zusätzlich ist die Federung noch gedämpft, so daß es kein nerviges Wippen gibt.

Bei dem hier vorgestellten Rad wurde auf die Federung am Vorderrad verzichtet. Erstens ist durch die Gabel und den vorderen Teil des Rahmens schon deutlich mehr Komfort geboten als am starren Hinterbau. Zweitens können durch die Arme Stöße weit besser abgefangen werden als durch ein dünnes Sitzpolster. Und drittens gibt es kaum vernünftige Federgabeln für die Straße. Zudem ist bei meiner Softtail Federung ein Vorteil, daß sie vom Fahren her eigentlich erst zu spüren ist, wenn man wieder auf ein starres Rad steigt. Dann fühlt man nämlich deutlich, daß sie fehlt. Es gibt auch im Wiegetritt kein Wippen, wie es bei einer Federgabel eigentlich immer auftritt, wenn sie nicht blockiert wird.

Zudem ist das System äußerst robust. Es gibt nur eine Lagerstelle hinter dem Tretlager, die dort verbauten Kugellager sind neben den schleifenden Dichtlippen noch beidseitig durch O-Ringe gedichtet. Durch den nur geringen nötigen Luftdruck ist auch der Dämpfer sehr gering belastet und hält entsprechend lange. Selbstverständlich wurde auch bei diesem Rad der Dämpfer schon im Neuzustand einem Service und einer peniblen Schmierung unterzogen. Leider ist das ab Werk nicht der Fall, aber immer zu empfehlen. Es macht sich halt niemand die Mühe…

Aber jetzt mal zum Rad selbst. Ich würde es als Tourenrennrad mit Rohloff und Schutzblechen bezeichnen. Zudem ist es mit Scheibenbremsen ausgestattet, was nicht nur von der Bremsleistung her emfehlenswert ist, sondern auch den Einsatz von breiten Reifen erlaubt. Übrigens möchte ich auch bei diesem Rad wieder einmal anbringen, daß es sehr sinnvoll sein kann, vorhandene Komponenten zu verwenden. Gerade bei so langlebigen Teilen wie den Laufrädern, den Kurbeln oder auch der Sattelstütze.

Wie man sieht, ist es auch ein großes Rad. Ich habe relativ selten den Fall, daß meine Kunden wirklich von der Größe her ein individuelles Rad benötigen, aber bei einer Rahmengröße von 66cm ist das Angebot dann doch nicht mehr so wahnsinnig groß.

Aber jetzt mal Bilder:

 

Das Hauptlager der Schwinge hinter dem Tretlager. Neben den schleifenden Dichtungen der Rillenkugellager ist alles zusätzlich mit O-Ringen gedichtet. Die Kugellager sitzen in Passungen aus rostfreiem hochfesten Stahl, die Achse ist aus schwarz anodisiertem Aluminium. Das hält und ist wartungsfrei.

Der hintere Dämpfer stellt am Hinterrad rund 40mm Federweg zur Verfügung. Natürlich wurde der Dämpfer schon im Neuzustand zerlegt und gut geschmiert wieder zusammengesetzt, die beste Voraussetzung für ein langes Leben. Schon vor ein paar Jahren habe ich mich hier im blog mal über den Kleinen Service ausgelassen.

Die Kontaktflächen des Dämpfers zum Rahmen hin sind rostfrei und frei von Lack.

Hier ist übrigens ein Grund zu sehen, warum Dämpfer und Federgabeln im Neuzustand eher sparsam geschmiert sind: Es bildet sich ein Schmierstoffilm auf dem Kolben in dem Bereich, der genutzt wird. Das läßt einen unvorbereiteten Kunden vermuten, daß der Dämpfer undicht ist und Öl verliert. Im Zweifelsfall wird reklamiert. Das kann man als Hersteller vermeiden, in dem man den Staubabstreifer trocken verbaut. Daß der Dämpfer dann nicht so lange hält, ist dann halt so…

Eine große Pumpe unter dem Oberrohr ist keine schlechte Sache, wenn man wirklich mal einen Defekt hat. So schön die Minipumpen sich in der Satteltasche machen, so unschön sind sie zum Pumpen.

Die Leitung für die hintere Bremse ist im Unterrohr verlegt.

Das hintere Schutzblech kann nicht hinter dem Tretlager befestigt werden, da sich beim Einfeder der Abstand zur Befestigung an den Sattelstreben ändert. Deshalb wurde hier eine zweite Strebe verwendet.

Die rechte Kettenstrebe ist aus rostfreiem Stahl.

An einem Rad mit Rohloff und Rennlenker darf natürlich eine Rohbox nicht fehlen. 🙂

Viele Grüße,

Georg Blaschke

P.S. Lack ist über den Umweg über eine Digitalkamera und einen Monitor immer nur schlecht darzustellen. Aber das folgende Bild vermittelt einen gewissen Eindruck vom Aluminiumsilber-Metallic. Ein sehr schönes und zeitloses Silber, daß mit silbernen und schwarzen Anbauteilen gleichermaßen gut kombinierbar ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Corona Update

Tja, manchem ist es schon aufgefallen, daß hier alles noch etwas langsamer als sonst abläuft. Das hängt vor allem mit den Zeiten des Virus zusammen. Zum Glück betrifft mich das rein arbeitstechnisch kaum, da ich ja sowieso meistens alleine vor mich hinarbeite. Aber mit Kindern im allerbesten Schulalter ist der Rhytmus doch etwas anders: Seit Mitte März gab es für meine Kinder bisher 5 bzw. 3 Tage (in Worten: TAGE) analogen Schulunterricht. Digitalen Unterricht auf Unterrichtsstunden heruntergebrochen ähnlich viel. Zumindest Digital hätte ich im Land der Laptops und Lederhosen mehr erwartet.

Daß analoger Unterricht aus virologischer Sicht problematisch ist, ist klar. Aber auch hier muß man sich die Frage stellen, wofür eine erhöhte Ansteckungsrate in Kauf genommen wird. Zumindest die Wirtschaft in Schweinfurt kann sich nicht beklagen: Vor dem „Trinkstüble“ und ähnlichen Lokalitäten sitzen schon seit Wochen die im Lockdown arg dehydrierten Mitbürger gerne auch während der Unterrichtszeit in den Vormittagsstunden, um Flüssigkeit aufzufüllen und durch Inhalation verschiedener Kondensate dem Erreger den Weg in die Lunge wenig schmackhaft zu machen.

Wahrscheinlich haben sich die dort Sitzenden schon ein neues Auto gekauft, wie Herr Aiwanger ganz richtig vermutete. Klar, denn für die Rückfahrt wird vermutlich der Spurhalteassistent benötigt. Zumindest in Bayern kann ein gestandenes Mannsbild ja so zwei Maß vertragen und dann noch Auto fahren, wie der ehemalige Ministerpräsident Beckstein ja schon darlegte. Hoffen wir mal, daß das neue Auto dann auch selbständig Fußgänger und Radfahrer erkennt und selbstätig bremst…

Also gut, ich will mich nicht weiter beklagen und sehe ein, daß auch im Land der Bildungsbürger die Wirtschaft Vorrang haben muß und versuche, fleißig vor mich hinzuarbeiten. Deshalb habe ich heute auch neue Bilder gemacht, die ich hier beim nächsten mal vorstellen möchte.

Viele Grüße,

Georg Blaschke

Silberne Rohboxen sind wieder lieferbar

Nur ein kurzer Hinweis: Die Rohbox ist jetzt auch wieder in Silber lieferbar.

Ein paar Wochen lang haben mir die silbernen Deckel gefehlt. Eigentlich hätten sie schon längst hier sein sollen, aber bei der ursprünglichen Lieferung hatten sich bei der Anodisierung Flecken gezeigt. Also alles nochmal von vorn. Aber jetzt sind sie wieder da.

Viele Grüße,

Georg Blaschke

Ganzheitlicher Ansatz

Vieles wird ja heute als ganzheitlich angepriesen, es ist regelrecht eine Mode geworden. Wobei: Ich kann mich nicht entsinnen, schon einmal eine ganzheitliche Klobürste gesehen zu haben. Aber vermutlich gibt es auch das…

Andererseits: Ein Fahrrad ist ohne Fahrer oder Fahrerin zwar im Zweifelsfalle ein hübsch anzusehendes Objekt, wenn man an so etwas Gefallen findet. Aber fahren tut es nunmal nicht von allein. Deshalb ist irgendeine Aussage wie „dies ist das beste Fahrrad der Welt“ nichts wert, wenn nicht im Nebensatz kommt „für diese Person und ihre momentanen Ansprüche“. Eigentlich sollte darum ein ganzheitlicher Ansatz die Regel sein, nicht nur beim Fahrrad.

Nun ist es auch bei meinen Kunden so, daß die meisten mit einem Rad von der Stange von der Geometrie her auch gut zurechtkämen. Aber auf alle trifft das eben doch nicht zu. Bei Rennrädern kommt man zum Beispiel bei kleinen Rahmen relativ schnell in einen Bereich, in dem kleinere Laufräder einfach sinnvoller wären. Dann müssen keine Kompromisse bei der Kettenstrebenlänge, beim Sitzrohrwinkel, beim Steuerrohrwinkel, bei der Steuerrohrlänge und beim Nachlauf her. Sondern nur ein Kompromiß, eben die Laufradgröße. Deshalb hat das hier gezeigte Rad auch Laufräder mit 26 Zoll (571mm). Das nenne ich in diesem Fall einen ganzheitlichen Ansatz, der den Fahrer oder die Fahrerin mit einbezieht.

Verbaut wurde ein Mix aus Rostfreien und CrMo Rohren größtenteils von Columbus. Die Rohre wurden durchaus auch für geringes Gewicht ausgewählt, ohne das bis ins Letzte auszureizen. Ich spare lieber durch die Bearbeitung von Tretlager und Steuerrohr, das hat keine Auswirkungen auf die Alltagstauglichkeit. Extrem dünnwandige Rahmenrohre dagegen schon. Die Komponenten konnten zum guten Teil vom vorherigen Rad übernommen werden. Etwas, das ich gerne empfehle, wenn gute und passende Teile vorhanden sind.

Da die Frage sowieso kommen wird: Der Rahmen wiegt mit Lack und Hohlraumversiegelung 1520 Gramm, die Gabel 660 Gramm, das ganze Rad mit Pedalen dann 7,8 kg.

Die Kettenstrebe aus rostfreiem Stahl bleibt unlackiert.

Der hintere Bremszug verläuft im eigenen rostfreien Röhrchen im Oberrohr.

Früher waren viele Rennrahmen an allen möglichen Bauteilen mit Herstellergravuren versehen. Das sah klasse aus, aber setzte auch entsprechend massive Bauteile voraus.

Die Schaltzüge laufen überkreuz, dadurch können die Hüllen vom Lenker zu den Anschlägen in sanfteren Bögen verlaufen. Gerade bei kleineren Rahmengrößen ist das sinnvoll.

Viele Grüße,

Georg Blaschke

Lieblingstasse

Der Klassiker ist das Meeting am frühen Nachmittag. Irgendwie hatte man den Termin völlig verdrängt und muß jetzt schnell noch seine Lieblingstasse mit irgendetwas füllen, das die lähmende Unlust und bleierne Müdigkeit auf ein Niveau drückt, auf dem sie wenigstens für die Vorgesetzten nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind. In der Teeküche angekommen stellt man fest, daß man sich immerhin in einer Schicksalsgemeinschaft befindet, denn den Kollegen geht es sichtlich ähnlich.

Nun, jetzt im home office ist die Herausforderung wohl eher, sich überhaupt für die Arbeit zu motivieren, auch da hilft die Lieblingstasse. Bei mir in der Werkstatt ist ja praktisch immer home office, auch zu normalen Zeiten ganz ohne Corona. Klar muß ich mich auch mal motivieren, aber mindestens im Winterhalbjahr trinke ich schlicht gegen die Kälte. Größere Mengen Grüner Tee aus Taiwan oder Ingwertee helfen da durchaus. Der Nachteil in der Werkstatt ist, daß dort nicht nur Tee getrunken, sondern auch gearbeitet wird. Das sorgt leider dafür, daß meinen Lieblingstassen kein ewiges Leben beschieden ist. Dafür gibt es dann ab und zu mal eine Neue.

Schon zu Weihnachten war dies mal wieder der Fall. Zum Glück, denn so eine Fahrradtasse ist doch ein gleichermaßen hübsches wie nützliches Teil. Würden Sie das von einer Krawatte mit Fahrradmotiv auch behaupten?

Das Schönste ist, daß ich durch diese Tasse immer auch an meine Lieblingskurbel erinnert werde, denn viele Elemente der dargestellten Kurbel passen zur Campagnolo Record Corsa Kurbel der späten Achtziger und frühen Neunziger Jahre.

 

Hier die Campagnolo Record Corsa Kurbel in der Version für Bahnräder mit nur einem Kettenblatt.

Manchmal, zum Beispiel für elektrische Schaltungen, muß es einfach eine moderne Kubel sein, die vom Design her eher zu flächigen Carbonrahmen paßt. Aber für andere Anwendungsfälle kann man durchaus auch auf klassisch anmutende oder sogar auf vorhandene ältere Kurbeln zurückgreifen. Die des neulich hier gezeigten CityRacers ist neu, nimmt aber viele Elemente einer Campagnolo Novo/Super Record aus den Siebzigern und frühen Achtzigern auf. Auch mit einer Rohloff-Nabe wäre diese Kurbel gut kombinierbar. Silberne Fahrradkomponenten sind nicht in Mode, da ist die Auswahl gar nicht so groß. Um so besser, wenn es dann manchmal doch klappt.

Viele Grüße,

Georg Blaschke

Licht und Schatten

Tja, momentan sieht die Welt doch eher düster aus, zu unschön sind da die sich täglich neu im Negativen übertreffenden Nachrichten bezüglich des Corona-Virus. Umso wichtiger ist es, dennoch rauszugehen. Eine Runde mit dem Rad allein oder mit Mitgliedern des Haushaltes ist nicht nur für die Stimmung zu empfehlen, sondern auch für die Fitness. Mit einer gewissen körperlichen Leistungsfähigkeit übersteht man im Falle eines Falles auch Covid besser.

Aber genug vom Schatten, reden wir lieber vom Licht. Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, daß ich das Licht für den größten Fortschritt beim Fahrrad in den letzten 30 Jahren halte. Tolle elektrische Schaltungen hin, E-bikes her. Wer alt genug ist, sich noch an die trüben und anfälligen Funzeln von früher zu erinnern und regelmäßig im Straßenverkehr unterwegs ist, wird es vielleicht ähnlich sehen. Den Hauptvorteil sehe ich übrigens nicht darin, mit dem Licht richtig viel zu sehen, sondern darin, im Zweifelsfall gut gesehen zu werden. Als Autofahrer freue ich mich über jeden Radfahrer, den ich frühzeitig erkenne. Ideal ist, gutes Licht mit gut sichbarer und eventuell reflektierender Kleidung zu kombinieren. Man muß als Radfahrer ja nicht nur den Virus, sondern auch den Verkehr überstehen.

Damit kommen wir zu dem Rad, das ich heute vorstellen möchte. Eigentlich nichts besonderes, sondern ein flottes Rad für die Stadt, ich nenne es gerne CityRacer. Im Grunde eine sportliche Version des guten, alten Hollandrades. Mit Rahmenrohren wie beim Rennrad und auch einer ähnlich wendigen Geometrie, aber mit einem Tourenlenker, der eine aufrechtere Sitzposition und mehr Überblick im Verkehr ermöglicht. Dazu eine Kettenschaltung mit einfachem Kettenblatt vorne, Schutzblechen, Gepäckträger, Ständer, kraftvollen Scheibenbremsen und natürlich gutem Licht.

Da die heutigen Nabendynamos eigentlich Energie im Überschuß liefern, wurde zwei Rücklichter verbaut. Das hat vor allem Vorteile bei der seitlichen Sichtbarkeit, wenn das Rücklicht am Gepäckträger durch Taschen verdeckt wird.

Der Gepäckträger weist die bei meinen Gepäckträgern fast schon üblichen rostfreien Aufnahmen für Onrtlieb Taschen auf. Unter der Lackierung besteht er aus rostfreiem Stahl. Eigentlich hätte man ihn auch aus CrMo Rohr bauen können, dann wäre er noch leichter geworden. Auch so beträgt das Gewicht fertig lackiert und mit den Befestigungsschrauben nur 503 Gramm. Wenn Sie dieses Gewicht vergleichen möchten, bedenken Sie bitte, daß die meisten Gepäckträger ohne die sogenannte Hardware, die ganzen verstellbaren Streben und eben auch die Befestigungsschrauben angegeben werden. Meist addiert sich dadurch nochmal einiges….

Die rostfreie Kettenstrebe nimmt es nicht krumm, wenn die Kette mal aufschlägt. Der Antrieb mit Einfachkettenblatt und Ritzelpaket mit 11-36 Zähnen reicht für den Stadtverkehr und auch die Tour am Wochenende völlig aus.

Ein kurzer Kettenschutz vorne ist kein richtiger Kettenkasten wie beim Hollandrad, aber hält das Hosenbein sauber.

Die Schaltung ist mit wartungsfreien Röllchen mit Vollkeramiklagern ausgestattet, die keine Wartung benötigen. Sollten die Zähne irgendwann verschlissen sein, lassen sich die Lager mit neuen Aluminiumrädchen versehen.

Der Tourenlenker mit passendem Vorbau.

Wer genau hinsieht, erkennt an den Sattelstreben die vorbereiteten Anlötteile für ein festes Rahmenschloß. Ideal, um das Rad mal kurz vor dem Bäcker abzustellen. Und wenn es länger dauern wird, kann das Rad auch mit einer Einsteckkette angeschlossen werden.

Klassisch seitlich angelegte Sattelstreben.

Der hintere Bremszug verläuft im Unterrohr in seinem eigenen Röhrchen aus rostfreiem Stahl.

Die hintere Scheibenbremse und die selbst gefertigte Ständeraufnahme aus rostfreiem Stahl.

Die vordere Scheibenbremse.

Bei den Scheibenbremsen wurde übrigens die sogenannte Trekking Version verwendet. Die hat etwas längere Dreifinger-Bremshebel, diese sind an einem Tourenlenker deutlich angenehmer zu bedienen.

Hier nochmal der Kettenschutz mit der vorderen Kurbel. Silberne Komponenten sind teilweise selten geworden.

Genug für heute, bleiben Sie gesund und munter,

Georg Blaschke

Parkplatznot fürs Bäckerbrot?

Ich wohne in einem recht kleinen Ort mit rund 2500 Einwohnern und niemand hat einen Weg vom mehr als einem Kilometer bis zur Ortsmitte. Und trotzdem ist es jeden Samstag dasselbe: Morgens vor dem Bäcker ist rühriges Parkplatzsuchen und Rangieren angesagt. Es ist nicht so, daß es keine Parkplätze gäbe, aber die sind 50 Meter weit entfernt. Da kann man doch besser das in der Fahrschule mühsam gelernte „Wenden in drei Zügen“ vorführen und macht mal eben 20 Meter Wegstrecke gut. Nun gut, daß die Frau mit dem Kinderwagen recht zügig an den Rand des Bürgersteiges hetzt ist ihr Problem, die war doch in der Rückfahrkamera trotz dunkel getönter Heckscheiben gut zu sehen. Muß sie doch wissen, daß mein tolles SUV sowas hat und ich auch draufgucke…

Tja, manchmal möchte man verzweifeln. Trotz Fridays for Future, hoher Spritpreise, schlechter Luft und weit verbreiteter Bewegungsarmut tut sich einfach wenig. Auf jeden Fall nicht in einem kleinen Kaff in Unterfranken. Dabei wäre es so simpel wie effektiv und von heute auf morgen umsetzbar, wenigstens die völlig unnötigen Kurzstrecken mit dem Fahrrad zu erledigen. Es muß ja nicht immer der ganz große Wurf sein, viele Kleinigkeiten läppern sich auch. Und ja, allein schon für sein Auto sollte man das tun, denn dem tun solche Wege gar nicht gut. Aber wenn es darauf ankommt, wird lieber eine Standheizung mit Motorvorwärmung nachgerüstet. Wo wir wieder beim Verzweifeln wären…

Aber Kopf hoch, liebe Radfahrer: Jetzt kommt der Frühling. Und mit einem Ründchen in der Sonne läßt sich auch der Unsinn ertragen. Nicht ändern, aber ertragen. Zudem ist Radfahren eins der wenigen Dinge, die man momentan noch ziemlich gut machen kann, ohne sich oder andere anzustecken. Auf jeden Fall, wenn man raus ins Grüne fährt.

Viele Grüße, bleiben Sie gesund und entspannt,

Georg Blaschke

Theorie und Praxis

Wahrscheinlich kennen Sie auch mehr als einen Witz über das Verhältnis, den Unterschied oder was auch immer von Theorie und Praxis, meist bezogen auf die Arbeitswelt. Viele dieser Witze sind sogar lustig, aber so richtig habe ich eine strenge Unterscheidung in Theorie und Praxis nie verstanden. Meistens im Leben ist es ja doch eine Kombination aus beidem. Nicht zuletzt eben wegen dieser Kombination ist das duale Ausbildungssystem Deutschlands weithin recht angesehen.

Etwas überrascht war ich aber dann doch, als vor einiger Zeit meine bestellten Feilen geliefert wurden. Ich hatte schon länger nach Rundfeilen mit Durchmessern in Millimetern gesucht, um meine in die Jahre gekommenen zu ersetzen. Der damalige Hersteller hat allerdings mittlerweile auch seine Durchmesser auf die üblichen krummen, wahrscheinlich irgendwie aus dem Zölligen entstandenen Maße geändert. Fündig wurde ich bei einem japanischen Hersteller von Spezialfeilen für zähe Werkstoffe. Seine Feilen als „ENGINEERS FILES“ zu bezeichen, würde einem deutschen Hersteller wohl nicht einfallen. Ich finde das gut, auch ein Ingenieur will ja mal feilen.

Und als Rahmenbauer gibt es eine ganze Menge zu feilen. Zum Beispiel beim Bau von Gepäckträgern, neulich hatte ich schon mal darüber geschrieben. Da verwende ich als Rohrdurchmesser hauptsächlich 8, 10 und 12mm. Um dann die Rohre möglichst paßgenau aufeinander stoßen zu lassen machen es Feilen in genau diesen Durchmessern einfacher, die entsprechenden Gehrungen herzustellen. Im oben verlinkten Artikel hatte ich es schon geschrieben: Die Bearbeitung von rostfreiem Stahl ist kein Spaß, da sollte man sich das Leben durch gutes Werkzeug erleichtern. Sonst wird es frei nach Daniel Düsentrieb selbst dem Ingeniör zu schwör.

Viele Grüße,

Georg Blaschke

Tour de Orange

Die Tour de France kennt ja praktisch jeder. Das ist diese große, mehrwöchige Rundfahrt mit Fahrrädern, bei der immer ein Gedopter gewinnt. Aber kennen Sie auch Tour de Orange? Wenn nicht: Keine Angst, Sie haben keine Bildungslücke, keins der bisher eingeworfenen Dopingmittel hat Ihre geistige Gesundheit dauerhaft eingeschränkt.

Es geht wie meist hier um ein Fahrrad, genauer gesagt um ein Fahrrad mit oranger Lasur über einem Basislack in Silber Metallic. Leider ist das Ganze fast unmöglich zu fotografieren und der Lack sieht je nach Blickwinkel und Sonneneinstrahlung recht unterschiedlich aus. Aber daß es schön ist, kann ich Ihnen versichern.

Was gibt es sonst zum Rad zu sagen? Es ist ein Tourenrad mit Rennlenker und voller Ausstattung für Gepäck und Verkehrstauglichkeit. Der Antrieb ist 11fach mit nur einem Kettenblatt und damit auch im Stadtverkehr bequem zu schalten. Gebremst wird mit hydraulischen Scheibenbremsen, der Nabendynamo kommt von SON und die Schutzbleche von Gilles Berthoud, diesmal in der relativ neuen schwarzen Ausführung.

Die rostfreie Kettenstrebe nimmt auch die zwangsläufig mal aufschlagende Kette nicht übel. Auch das Sitzrohr ist aus rostfreiem Stahl, um ein Festgammeln der Sattelstütze möglichst auszuschließen.

Das Ritzelpaket hat eine Spreizung von 11 bis 42 Zähnen und deckt damit die allermeisten Nutzungen ab. Auf jeden Fall, wenn es nicht sehr bergig wird.

Als Bremszangen kommen hier wieder die 4Kolben Hope RX4 zum Einsatz. Das Rad wird viel in der Stadt bewegt werden, da sind verläßliche und kräftige Bremsen Pflicht.

Als Gepäckträger gibt es einen Eigenbau für Ortlieb Taschen mit Rücklicht und integrierter Führung für das Lichtkabel. Gut zu sehen sind hier die rostfreien Aufnahmen, die ein Abnutzen der Beschichtung verhindern und gleichzeitig die Postition der Taschen festlegen. Die vordere Aufnahme bietet eine zweite Position für die kleineren Lowridertaschen. Man braucht ja nicht immer großes Gepäck.

Im letzen Beitrag habe ich übrigens begonnen, mal den Zweck und den Bau meiner eigenen Gepäckträger näher zu beleuchten.

Zu guter Letzt: Wenn es irgendwie geht, mache ich Sonderwünsche möglich. Auch schön zu sehen rund um den Schriftzug ist der Farbverlauf durch die Lasur, durch den alle Kanten betont werden.

Viele Grüße,

Georg Blaschke