Zum Inhalt springen

Gepäckträger

Viele Leute gehen davon aus, daß ein Gang zum Rahmenbauer vor allem dann sinnvoll ist, wenn man mit den üblichen Rahmengeometrien nicht glücklich wird. Das kann durchaus ein Grund sein, aber die meisten meiner Kunden kämen auch mit Geometrien von der Stange problemlos zurecht. Da sind die Gründe eher, daß ein paar gewünschte Details vorhanden sein sollen, die man sonst nicht bekommt. Daß man als Vielfahrer eher auf ein Rad setzt, das lange hält und trotzdem nicht zu schwer wird. Daß der Weg zur Arbeit Spaß machen soll. Daß man mitentscheiden möchte, wie das Rad denn fahren soll. Ob besonders wendig oder gutmütig zum Beispiel.

Das alles sind Gründe für den Gang zum Rahmenbauer. Es gibt aber noch einen, nämlich den Gepäckträger. Da ist es nämlich tatsächlich sinnvoll, wenn er auf Maß gebaut wird. Warum, wenn es doch zig Modelle in wirklich guter Qualität bezahlbar fertig zu kaufen gibt? Vor einiger Zeit hatte ich schon mal beschrieben, wie vorteilhaft es für einen Rahmenbauer ist, die Nutzer seiner Fahrräder zu kennen. Beim Gepäckträger ist natürlich lohnend, die spätere Nutzung zu kennen, aber viel wichtiger ist hier, daß der Gepäckträger speziell für ein Rad gebaut wird. Ein üblicher Gepäckträger ist eben nicht auf Maß gebaut und dadurch unnötig kompliziert, unnötig schwer und unnötig flexibel. Denn die Verstellmechanismen zur Anpassung an alle möglichen Rahmen sind genau das: Kompliziert, schwer und flexibel. Zudem sorgen sie dafür, daß praktisch alle Last über die Ausfallenden aufgenommen werden muß, die oberen Befestigungspunkte sorgen hauptsächlich dafür, daß sich der ganze Träger nicht um die unteren Befestigungspunkte dreht. Bei meinen Trägern sind alle Befestigungpunkte gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft, müssen aber auch alle mitarbeiten. 🙂

Man kann nun die ganze Sache auf die Spitze treiben und den Gepäckträger direkt als Einheit mit dem Rahmen bauen. Das ist im Zweifelsfall tatsächlich die leichteste und stabilste Variante. Allerdings hat sich gezeigt, daß damit auch einige Nachteile einhergehen: Bei Stürzen oder Unfällen ist ein Gepäckträger meist exponierter und empfindlicher als der Rahmen selbst. Ein Defekt des Gepäckträgers führt dann zu einem großen Aufwand bei der Reparatur. Zudem entstehen am Gepäcktäger durch die Packtaschen fast zwangsläufig irgendwann Lackschäden. Ich versuche, das konstruktiv und durch entsprechende Materialien zu minimieren, aber ganz wird man die Problematik nicht los. Auch das führt dann zu größeren Aktionen, wenn der Träger ein Teil des Rahmens ist. Man muß also abwägen, es gibt da kein schlichtes Richtig oder Falsch.

Aber legen wir mal los, damit es irgendwann mal einen Gepäckträger gibt, es gibt viel zu tun. Fangen wir an mit den Verbindungen zum Rahmen, ich baue mir da meine eigenen Kleinteile aus rostfreiem Stahl.

Los geht es mit einer Vierkantstange aus V4A, säurefestem rostfreiem Stahl.

Es wird ein Loch gebohrt und entgratet. Löcher in rostfreien Stahl zu Bohren, ist eine eher nervige Tätigkeit. Das ist etwa vergleichbar damit, ein schönes großes Loch in einem gut durchfeuchteten kompakten Lehmboden auszuheben. Um einen größeren Baum zu pflanzen, zum Beispiel. Normaler Baustahl wird in diesem Vergleich durch lockere Blumenerde repräsentiert. 🙂

Sprach ich davon, wie nervig das Bohren in rostfreien Stahl ist? Es gibt Schlimmeres: Das Bohren von kleinen, tiefen Löchern in rostfreien Stahl! Das sieht man hier am Ende des Stabes und es geht bis in die größere Bohrung. Dieses kleine Loch ist wichtig, um das Bauteil später verschweißen zu können.

Es wird ein Absatz angedreht.

Das Endstück wird abgeschnitten.

Das Ende wird mit einer Rundung versehen und alles gesäubert.

Jetzt die Schritte noch drei Mal wiederholen und schon sind die ersten Kleinteile fertig und der Bau des eigentlichen Gepäckträgers kann losgehen.

Das aber beim nächsten Mal.

Viele Grüße,

Georg Blaschke

Ach so, so mehr für Profis…

Sie kommt ja ab und zu mal vor, die Frage nach dem Beruf. Meist habe ich nach meiner Antwort Erklärungsbedarf, wenn die Frage von Personen gestellt wird, die mit Fahrrädern nicht viel am Hut haben. Nach einem noch nicht näher erforschten Naturgesetz kommt dann irgendwann auch ein „Ach so, so mehr für Profis…“, oder ein ähnlicher Ausspruch. Ich antworte dann meist irgendwie mit „Nein, eher für normale Leute“.

Aber stimmt das überhaupt? Mal abgesehen davon, daß normale Leute gar kein Rad fahren? Normale Leute setzen sich ja meist nur ein mal im Jahr auf das Rad. Nämlich dann, wenn der lokale Vorsitzende einer meist konservativen Partei um Ostern herum zur alljährlichen Bürgernähebekundungswahlkampfradtour ruft.

Mit Profis sind ja nicht Personen gemeint, die mit Radsport ihr Geld verdienen, sondern eher ambitionierte Radsportler. Natürlich habe ich auch Radsportler unter meinen Kunden, aber die lassen bei mir eher ihr Alltagsgerät, mit dem sie zur Arbeit fahren, bauen. Nur sehr selten baue ich wirkliche Freizeitgeräte und das dann für Leute, die schon ausreichend Alltagsräder besitzen.

Angestoßen nicht zuletzt durch Fridays for Future und dadurch entstandene Diskussionen habe ich mich und andere in den letzten Monaten öfter gefragt: Wer ist denn überhaupt Radprofi? Der, der mit dem SUV ausgeruht zum Hausberg fährt, um dann dort den Renner auszupacken und einen Streckenrekord zu fahren? Oder die ältere Dame, die vorgestern wie ich nach dem Einkauf im Supermarkt 10 Minuten am Fahrradständer gewartet hat, bis der gröbste Schauer vorrüber war? Ich glaube, ich tendiere da eher zur älteren Dame. Kann man sich überhaupt professioneller verhalten als ein Fahrrad einfach für den anstehenden Einkauf zu nutzen? Quasi als Werkzeug?

Etwas Besonderes an einem Fahrrad ist auch, daß man überhaupt die Wahl hat, wie man es benutzen möchte: Man kann zum Genuß oder zur Entspannung etwas herumradeln. Man kann etwas für seine Gesundheit tun. Man kann die Tour de France gewinnen. Man kann in ferne Länder reisen. Oder man kann damit einen Sack Kartoffeln holen und es dadurch im Zweifelsfall ausschließlich nützlich einsetzen. Das geht mit vielen Dingen nicht. Wollen Sie mit einem Tennisschläger die Blumenerde sieben? Einen Fußball als Weinschlauch nutzen? Eine Bohrmaschine zur Entspannung verwenden?

Je mehr man darüber nachdenkt, desto komplizierter wird es. Wobei ich immerhin herausgefunden habe, daß für mich jeder Radfahrer Profi ist. Was mir aber nicht groß dabei hilft, wie ich in Zukunft auf obige Frage antworten soll. So eine richtig einfache Antwort ohne zusätzliche Erklärung will mir nicht einfallen und gibt es vielleicht auch nicht. Vielfahrer ist möglicherweise ein passender Begriff, denn die meisten meiner Kunden sind genau das. Aber auch das muß dann näher erklärt werden. Aber warum auch nicht, es muß nicht alles plakativ und einfach sein im Leben.

Viele Grüße,

Georg Blaschke

Bereit für kleinere, größere und tägliche Abenteuer

Natürlich gibt es nicht das eine Rad, das alles kann. Aber wenn ich mich für nur ein Rad entscheiden müßte, wäre es wahrscheinlich eine Art Randonneur. Nach meinem Verständnis ist ein Randonneur ein rennradartiges Gefährt, das aber Schutzbleche, Licht und eine Mitnahmemöglichkeit für Gepäck liefert. Natürlich gibt es auch andere und wesentlich engere Definitionen, aber Radfahrer sollten großzügig sein. Und zusammenhalten, denn jeder von ihnen ist im heutigen Verkehr nicht gerade privilegiert. Viele meiner Fahrräder sind Nutzgeräte nicht nur für Schönwettersonntagsfahrten, sondern müssen auch auf dem Weg zur Arbeit zu Stoßzeiten im Berufsverkehr ihr Dasein fristen. Daß das nicht nur Spaß bedeutet, brauche ich wahrscheinlich niemandem hier zu erzählen. Immerhin kann man sich sein Los mit einem guten Fahrrad erleichtern und auch komfortabler gestalten.

Etwa mit dem folgenden Rad, das eben besonders komfortabel sein sollte, nicht zu schwer, aber flott und wartungsarm. Kein ausgesprochener Lastesel, aber die Sachen für das Büro und auf dem Rückweg der Einkauf sollen schon mit. Dann und wann auch mal vordere Taschen für die längere Tour. Und jeden Tag ein solides Bügelschloß, das ist leider immer nötig. Die verwendeten Schutzbleche sind übrigens von Gilles Berthoud. Mittlerweile gibt es sie auch in schwarz pulverbeschichtet.

 

Eine Rohloff Speedhub mit Kettenspanner ist etwas für Leute, die ihre Zeit lieber mit dem Fahren als der Pflege des Rades verbringen. Die Kettenstrebe aus rostfreiem Stahl ist nur teilweise lackiert.

Da meine Räder Einzelstücke sind, sind viele spezielle Details möglich. Ob das die in kleinen Müffchen halb angelegten Sitzstreben sind oder ein aufgelöteter Namenszug. Auch der GEBLA Schriftzug auf dem Unterrohr ist aufgelötet.

Der SON Nabendynamo hier in der steckerlosen Variante. Das ist sinnvoll, wenn das Vorderrad ab und zu mal ausgebaut  werden muß, zum Beispiel beim Transport.

Im Steuerrohr versteckt sich als Federung die von mir oft verwendete Cannondale Headshok Technik. Sehr reibungs- und wartungsarm, für die Straße gibt es nichts besseres.

Hier nochmal  gut zu sehen  die extra angefertigten Müffchen der Sattelstreben. Auch gut zu sehen die direkte Anbringung des Gepäckträgers ohne schwere Verstellmechanismen. Das macht es lohnend, den Gepäckträger selbst anzufertigen. Nicht weil ich ihn wesentlich besser bauen könnte als zum Beispiel ein Tubus, sondern weil ich dann eine ganze Menge weglassen kann, was ihn schwerer und weniger belastbar macht!

Ich muß mich übrigens korrigieren: Etwas an meinen Gepäckträgern ist besser! Und zwar die Befestigungspunkte für die Ortlieb-Taschen, die auch auf lange Sicht hin nicht durchgescheuert werden. Daß sich hier unter der Pulverbeschichtung rostfreies Rohr versteckt, ist eine andere Sache. Natürlich wird auch das Lichtkabel innen geführt und einen Halter für das Bügelschloß gibt es auch. Dazu demnächst mal mehr…

Ach ja, hier werkelt selbstverständlich eine Rohbox, um das Betätigen der Rohloff Speedhub durch Rennradschalter zu ermöglichen. Für besondere Bremsleistung sind die hydraulischen SRAM Bremsschalthebel übrigens mit Hope 4Kolben-Bremszangen kombiniert. Habe ich den Ständer an seinem extra angefertigten Anlötteil aus rostfreiem Stahl schon erwähnt? So ein Ständer ist natürlich relativ schwer und nur bedingt hochglanzbildtauglich, deshalb sehen ihn viele Räder gar nicht vor. Aber wer eben nicht nur Sonntagsfahrer ist, weiß ihn zu schätzen.

Die Züge sind komplett im Unterrohr geführt.

Das Rücklich von SON ist klein, aber hell.

Auch vorne ist natürlich eine Hope 4Kolben Bremse verbaut.

Was man auf dem Bild nur erahnen kann: Das Lenkerband ist gelocht und in den Löchern zeigt sich reflektierendes Material. Es ist immer gut, gesehen zu werden.

Eine gefederte Sattelstütze sorgt hinten für Komfort. Man könnte auch eine Hinterradfederung verbauen, aber das reduziert deutlich die Gepäcklast, da sich der Gepäckträger dann nicht mehr auf der Hinterachse abstützen kann. Da muß man dann abwägen. Das eine Rad für alles gibt es dann halt doch nicht, auch wenn ein Randonneur nah dran ist. 🙂

Viele Grüße,

Georg Blaschke

Neues Jahr – Neues Rad

Ja, schon wieder ist ein neues Jahr und ich möchte Ihnen und uns allen wünschen, daß es ein Gutes Jahr wird. Ob Klimawandel, kommunale oder Weltpolitik, oder auch im persönlichen Bereich: Brauchen können wir Gute Wünsche eigentlich immer!

Im vergangenen Jahr bin ich aus verschiedenen Gründen nicht dazu gekommen, hier regelmäßig zu schreiben. Ich bedaure das sehr, denn an Themen mangelt es nicht. Ich hoffe sehr, daß ich in diesem Jahr zu mehr komme.

Aber zum Jahresauftakt erstmal ein Neues Rad hier im blog. Auch wenn das Rad schon seit über einem halben Jahr munter durch die Welt fährt, ich bin halt spät dran. Es handelt sich um einen Randonneur mit Shimano Ultegra Di2 Schaltung. So wahnsinnig viel mehr muß ich zu diesem wunderschönen Rad gar nicht sagen. Aber doch vielleicht eines: Unter dem Lack versteckt sich ein Rahmen aus rostfreiem Stahl.

 

Viele Grüße,

Georg Blaschke

Messe-Nachlese VeloBerlin

Ich bin mal wieder spät dran, aber ich möchte doch noch ein paar Worte zur VeloBerlin schreiben und auch das Rad vorstellen, daß ich dabeihatte.

Ich war nur mit einem Rad am Stand der Firmal Rohloff vertreten, war also mit kleinem Gepäck unterwegs. Hauptsächlich, um Rohloff-Kunden die Rohbox näher zu bringen und ausprobierbar zu machen. Für meine eigenen Räder lohnt das eher weniger, denn die sind erstens für Berlin zu wenig auffällig und zweitens nichts, was man im Vorbeigehen kaufen kann. Am Stand hat es aber viel Spaß gemacht, nicht zuletzt wegen den netten Leuten von Rohloff und den Nachbarständen von SON und Velophil.

Was mich beeindruckt hat war die große Szene an Bahnrädern und vor allem die große Präsenz von Lastenrädern. Nicht nur auf der Messe, sondern auch im Stadtbild. Hier in Schweinfurt in der radfahrerischen Diaspora sieht das leider völlig anders aus. Dabei ist die Förderung des Radverkehrs auch unter Klimaaspekten eine Sache, die mit wenig Aufwand und absolut vorhandener simpler Technologie viel ändert. Kurzstrecken sind ja das Schlechteste, was man mit dem Auto anstellen kann. Nicht nur für das Klima und die Umwelt, sondern auch für das Auto, den Geldbeutel und die eigene Gesundheit. Und nicht zuletzt auch für die Mitmenschen, denn auch die haben dann bessere Luft, mehr Ruhe und im Zweifelsfall mehr Platz zum Autofahren. Insofern wundere ich mich über jeden Autofahrer, der sich nicht über Radfahrer freut: Führen die auch alle Auto, gäbe es noch mehr Stau und Parkplatzprobleme.

Wie so oft bei mir, handelt es sich um ein Rad für Vielfahrer, es soll auf dem täglichen nicht ganz so kurzen Weg zur Arbeit genutzt werden. Da zählen neben einer sportlichen aber komfortablen Sitzposition auch Verläßlichkeit, geringer Wartungsaufwand, gutes Licht und moderates Gewicht. Und ja, auch gute Schutzbleche.

 

Ein Nabendynamo ist für den täglichen Weg zur Arbeit mehr oder weniger Pflicht. Man hat ja schon genug Akkus, um die man sich kümmern muß.

Ein Rennlenker mit hydraulischen Scheibenbremsen, die Rohloff Speedhub wird natürlich per Rohbox betätigt. Vor allem auf längeren Strecken ist ein Rennlenker die richtige Wahl, weil die unterschiedlichen Griffpositionen den Komfort deutlich erhöhen.

Eine Rohloff Speedhub mit Kettenspanner ist eine recht sorglose Variante.

Das Rad ist für Gepäckträger und Lowrider vorbereitet. Beim täglichen Einsatz ist das hier nicht vorgesehen, aber irgendwann steht auch mal eine längere Tour an. Es gibt schließlich nicht nur Arbeit, sondern auch Urlaub!

Bremszug und Lichtkabel verlaufen im Rahmen.

 

 

Viele Grüße,

Georg Blaschke

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt…

Eigentlich sollte hier ein schöner Beitrag zu dem stehen, was ich auf der VeloBerlin Ende des Monats zeigen will. Allerdings gibt es einen Trauerfall im engsten Familienkreis, so daß sich einiges ändert.

Nach Berlin werde ich ein Kundenrad mitbringen, das aktuell seiner Fertigstellung entgegensieht. Es wird ein leichter Randonneur oder wie man es auch immer nennen will, gebaut für den täglichen Weg zur Arbeit mit einigen Höhenmetern. Das Gewicht soll sich in Grenzen halten, es gibt für die Wartungsarmut eine Rohloff Nabe mit Rohbox und natürlich auch eine Lichtanlage und Schutzbleche. Die Arbeitszeiten nehmen ja wenig Rücksicht darauf, ob für Radfahrer die Sonne scheint. 🙂

 

Aber kurz zu dem geplanten Projekt. Seit Jahren möchte ich eine Federgabel für Reiseräder bauen, die auch auf kleine Unebenheiten gut anspricht und natürlich auch die Montage von einem Schutzblech und einem Lowrider erlaubt. Eine Variante für ein Tandem habe ich in 2015 schon gebaut und hier vorgestellt.

Bei der Tandemversion lag die Priorität auf Steifigkeit bei niedrigem Gewicht. In Kauf genommen wurde dafür, daß der Vorbau Teil des Systems war und die Gabel beim Bremsen steifer wird bzw. ausfedert. Das ist beim Tandem mit seinem großen Radstand nicht sonderlich störend, bei einem normalen Fahrrad aber schon. Also wird bei der neuen Gabel die Bremse so angebracht, daß die Gabel kaum beeinflußt wird. Gleichzeitig wird die Montageposition des Dämpfers verändert, so daß er sich nicht mehr am Vorbau abstützen wird. Bleiben wird die Lagerung in Nadellagern, die für geringe Reibung und hohe Steifigkeit sorgt. Mal sehen, wann ich dazu komme, daran weiterzuarbeiten, ich werde berichten…

Viele Grüße,

Georg Blaschke

Wider besseren Wissens…

Es ist immer wieder erstaunlich, in wie kurzer Zeit die Menschheit wie viel mehr weiß. Ob nun ein bisher unbekannter Bodenfund erkundet, etwas Neues entdeckt, erforscht, erfunden, ein Archiv geöffnet, ein Zusammenhang hergestellt oder schlicht 1 und 1 zusammengezählt wird, es geht voran. Neben geschichtlichen Dingen finde ich vor allem interessant, wie viel man über Tiere herausfindet. Mein Schulwissen vom instinktgesteuerten Wesen, das einfach nur funktioniert und irgendein vorgegebenes Programm abspult, ist mittlerweile deutlich überholt. Im Grunde führt jedes Forschungsergebnis dazu, daß man sagen muß: Nun denn, die Viecher können ja doch mehr und sind uns Menschen doch ähnlicher als bisher gedacht. Oder andersherum: So viel anders als Hund, Katze oder Esel sind wir Menschen dann auch nicht…

Was mich in diesem Zusammenhang interessieren würde: Können Tiere sich bewußt für etwas entscheiden, obwohl sie sich der Unsinnigkeit dieser Entscheidung bewußt sind? Uns Menschen fällt das nicht schwer, mir auf jeden Fall nicht. Wäre ich vernünftiger, würde ich mich für ein oder zwei Rahmenmodelle entscheiden, für diese meine Fertigung perfektionieren, die gesparte Zeit in die Präsenz bei Sozialen Netzwerken investieren, meine Rahmen dort für die besten erklären und jedem Kunden, der sich darauf nicht wohlfühlt, erläutern, daß er seinen Körper eben an die optimale Sitzposition anpassen muß.

Da ich aber nicht vernünftig bin, habe ich mich dazu entschieden, mal wieder auf Messe zu gehen, und zwar Ende April auf die VELOBerlin. Um die Sache noch schlimmer zu machen, habe ich mich auch dazu entschieden, dafür ein Rad zu bauen. Aber um etwas Neues zu machen, muß man eben auch mal etwas tun, was nicht wirtschaftlich und direkt sinnvoll ist. Und auch das Risiko eingehen, Dinge in den Sand zu setzen. Aber anders können Sachen wie zum Beispiel die Rohbox nicht entstehen. Ideen führen halt nicht nur zum nächsten großen Ding, sondern auch zum nächsten kleinen Ding oder eben in eine Nische, wenn nicht in eine Sackgasse. Andererseits sind neue Ideen und ihre Umsetzung vielleicht etwas, das uns von Tieren doch noch unterscheidet. Auf jeden Fall macht es mir Spaß, Ideen umzusetzen, und Spaß darf auch schon mal unvernünftig sein.

Mehr zur Idee selbst im nächsten Beitrag.

Viele Grüße,

Georg Blaschke