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Meine Glückszahl ist die 17

Man fällt ja doch immer wieder auf Werbung rein. Beziehungsweise Werbung fällt auf, wenn sie ihren Zweck erfüllen soll, mag man sie auch für noch so affig halten. In der letzten Zeit fällt mir immer wieder Werbung von Lotto auf, in der Leute ihre Glückszahl vorstellen. Pech natürlich, daß man schon ein paar Glückszahlen mehr braucht, um abzuräumen.

Es ist nicht so, daß ich nie Lotto gespielt hätte. Mitte der 90er Jahre habe ich es zwei mal versucht. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, kam damals der sich ständig vergrößernde Jackpot auf und stand irgendwann bei über 40 Millionen DM. Als Student hätte ich das Geld gut gebrauchen können, wurde allerdings bitterlich enttäuscht und mußte daraufhin weiterhin so spannende Dinge wie Fördertechnik oder Steuerungs-und Regelungstechnik in mich hineinlernen. Damals hätte Lotto ganz ohne teure Werbung die Möglichkeit gehabt, mich zum lebenslang dankbaren Anhänger des Lottospiels zu gewinnen. Zwei mal schnöde abgewiesen läßt mich heute die Werbung völlig kalt. Und wenn mir 49 Glückszahlen empfohlen werden…

Der Bau von Fahrrädern hat ganz anders als das Lottospiel nicht viel mit Glück zu tun. Vor allem mit Arbeit, daneben aber auch mit umsetzbaren Ideen und guter Planung. Der Bau des Rahmens ist nicht die eigentliche Hürde, das erscheint nur nach außen so. Jeder passable Handwerker könnte nach einiger Übung einen vernünftigen Rahmen bauen. Auch gute Ideen gibt es viele, aber da wird es schon knackiger: Sind die Ideen technisch sinnvoll umsetzbar? Ich hatte immer schon den Vorteil, umsetzbare technische Lösungen praktisch aus dem Ärmel schütteln zu können und konnte das in meinen dreizehn Jahren in der Entwicklung bei SRAM perfektionieren. Die gute Planung halte ich aber für das Wichtigste: Jeder, der bei mir ein Rad bestellt hat, hat mehr oder weniger wörtlich zu hören bekommen: „Wir machen Entwürfe und Änderungen, bis alles paßt, erst dann wird gebaut.“ Ich meine das ernst. Es ist klar, daß alles möglichst schnell gehen soll, wenn man sich dazu durchgerungen hat, ein Rad zu bestellen. Um so nerviger ist dann das Warten, bis es endlich losgeht mit dem Bau. Aber die Zeit bis zum Bau ist eigentlich die wichtigere, hier werden die Entscheidungen getroffen.

Aktuell baue ich ein Rad, für das ich siebzehn Entwürfe gemacht habe. Ja, 17. Das ist mein Rekord und ja, lieber siebzehn Entwürfe machen als das falsche Rad zu bauen. Allerdings wären im Nachhinein nicht so viele Schleifen nötig gewesen: Bei der Sattelposition sind wir zu lange davon ausgegangen, daß ein Rad des Kunden die angegebenen 73° Sitzrohrwinkel auch wirklich hat. Erst ein Nachmessen hat dann ergeben, daß es nur 71,2° waren. Das hat dann alle Widersprüche erklärt und danach war es ein Kinderspiel. Also: Dranbleiben, bis alles paßt!

Das ist schon ein Luxus, so arbeiten zu können. Wobei: Luxus ist das falsche Wort. Mir sitzen natürlich längst die nächsten Kunden im Nacken, die auch gerne mal an die Reihe kämen. Und auch für die ist es nicht leicht, warten zu müssen. Aber was passiert, wenn man den Eröffnungstermin für das Wichtigste hält, sehen wir an dem schönen neuen Hauptstadtflughafen, der bekanntlich 2012 eröffnet wurde. Übertragen auf das Fahrrad wäre es in etwa so, als würde ich Ihnen ein Fahrrad versprechen: Das Ihnen viel zu klein ist. Das keine Beleuchtung hat, auch wenn Sie damit gerne in der Dunkelheit fahren würden. Das schon jetzt die Luft nicht hält, die Schläuche aber nicht flickbar sind und auch eine sonst unbekannte Sondergröße aufweisen. Das Sie schon zwei mal voll bezahlt haben und das Sie auch 2020 nicht geliefert bekommen werden. Gut, daß die Gebrüder Wright als erfahrene Fahrradbauer nicht auf einen Flughafen warteten, bevor sie ein funktionierendes Flugzeug gebaut haben…

Auf meiner website gibt es mehr vom Rad und dessen Entstehung zu sehen:

Viele Grüße,

Georg Blaschke

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Warnwesten

Neulich gab es in der Süddeutschen Zeitung einen Artikel über den Warnwestenwahnsinn. Er ist als Glosse und Stilkritik gekennzeichnet und deshalb nicht ganz ernst zu nehmen. Trotzdem weißt er darauf hin, daß letztlich eine Übertragung der Sicherheit in die Verantwortung des Einzelnen stattfindet, der bitte schön durch das Tragen einer Warnweste für seine Sicherheit zu sorgen hat.

Leider ist viel Wahres dran. Erstens ist eine Warnweste keineswegs besonders stilvoll, sondern läßt einen tatsächlich eher affig aussehen. Zweitens kann man wirklich fragen, ob es nötig ist, daß jeder jetzt Warnweste trägt und ganze Schulklassen damit ausgestattet werden. Wer regelmäßig als Verkehrsteilnehmer niederer Ordnung, Radfahrer oder Fußgänger, unterwegs ist, kennt allerdings die Antwort: Es ist nötig. Man wird oft schlicht nicht gesehen, trotz Beleuchtung. Auf den Autofahrer, der einem in die Vorfahrtstraße einbiegend die Vorfahrt nimmt, hat man sich ja längst eingestellt. Aber ob man von dem gesehen wird, der sich von hinten so schnell nähert? Da kann man sich nicht sicher sein. Als Radfahrer kann man ja gut in die Autos gucken und sieht oft genug, daß in der Hand des Fahrers ein Smartphone leuchtet…

Als meine Kinder noch zur Grundschule gingen, stand ich regelmäßig morgens als sogenanter Schulweghelfer an der einzigen Ampel Geldersheims. Natürlich mit Warnweste und sogar reflekierender Kelle. Auch da kann man sich fragen, ob das nötig ist, schließlich steht man da an einer Fußgängerampel und sorgt lediglich dafür, daß die Kinder während er Grünphase sicher über die Straße kommen. Aber ausnahmslos jeder der Schulweghelfer, mit denen ich gesprochen habe, kann von Fällen berichten, in denen ein Autofahrer das Rotlicht einfach überfahren hat. Von den üblichen regelmäßigen Rasern abgesehen. Da wäre nicht zwangsläufig etwas passiert: Die Kinder verhielten sich meist vorbildlich und haben gut aufgepaßt. Vorbildlich haben sich übrigens auch die damals noch in größerer Zahl in Schweinfurt lebenden Amerikaner verhalten. Da gab es nicht einen einzigen, der die Schule nicht mit deutlich verminderter Geschwindigkeit passiert hätte. Daran darf man sich ruhig mal erinnern in Zeiten, die man meist nur mit dem twitternden Ober-Amerikaner verbindet.

Inwieweit man sich reflektierend ausstatten möchte, muß nach wie vor jeder selbst entscheiden. Sicherheit war in diesem Sinne immer schon eine sehr persönliche Verantwortung. Das wird sich vielleicht mal irgendwann ändern, wenn alle Autos automatisiert unterwegs sind. Sollte das verläßlich funktionieren, wäre das tatsächlich eine deutliche Verbesserung. Aber bis dahin kann es meiner Meinung nach nicht schaden, sich sichtbar zu machen.

Eine Gute und eine Schlechte Nachricht

Ich hatte neulich schöne Bilder eines Kunden gezeigt. Leider gibt es dazu eine Schlechte Nachricht: Nein, man kann nicht immer an einem wunderbaren Oktobertag in malerischer Umgebung radfahren. Aber es gibt in diesen undankbaren Zeiten Hoffnung und eine Gute Nachricht: Mit dem passenden Fahrrad wird selbst der November schön!

Die folgenden Bilder sind an einem trüben Tag aufgenommen und zeigen schon als Foto, daß die Farbe sehr aufhellend wirkt. Nicht nur auf die Umgebung, auch auf das Gemüt.

Der Rest ist für regelmäßige Leser selbsterklärend und für alle anderen schnell runtergerattert: Rohloff mit Rennlenker und natürlich Rohbox, hydraulische Scheibenbremsen, maßgefertigter Gepäckträger, schwarz beschichtete Gilles Berthoud Schutzbleche, innenverlegte Züge, Compass Reifen und nicht zu vergessen: Ein gehöriges Maß an Liebe und Sorgfalt bei Herstellung der Teile und beim Aufbau.

Aber nun die Bilder:

 

Spezielle Ausfallenden mit Kupplungen für einen BobJak Anhänger. Man ist dadurch unabhängig vom Schnellspanner.

 

Der maßgefertigte Gepäckträger hat rostfreie Bereiche zum Einhängen der Packtaschen. Das Batterierücklicht ist fest montiert.

Der Schriftzug auf dem Unterrohr ist in rostfreiem Stahl ausgeführt.

Hier schön zu sehen die Seileinläufe für die Züge, die in drei rostfreien Röhrchen im Unterrohr laufen.

Befestigungspunkte vorne unter dem Oberrohr. Bei diesem Rad werden sie für den Akku einer Lupine Frontlampe genutzt werden. Auch für verschiedene Taschen und Schloßhalter kann das sinnvoll sein.

Die Zugausgänge der Schaltzüge vor dem Tretlager.

Übrigens hat sich der Kunde schon gemeldet: Er möchte die Reifen wieder herunternehmen. Nicht, weil sie im nicht gefallen, ganz im Gegenteil. Er möchte herausfinden, ob es an den Reifen liegt, daß das Rad so gut fährt. 🙂 Ich vermute mal, daß jedes Teil seinen Beitrag dazu leistet. Es gibt nicht das eine Teil, daß aus einem mittelmäßigen Rad einen Überflieger macht. Andersherum gilt dasselbe. Allerdings sind die Compass Reifen tatsächlich sehr gut und bieten durch ihre dünnwandige und flexible Karkasse auch dann viel Komfort und Bodenhaftung, wenn sie mit höherem Druck gefahren werden. Ich tue mich immer schwer, für Verschleißteile viel Geld auszugeben und die Compass Reifen sind nicht die günstigsten. Andererseits sind gute Reifen sicherlich sehr wichtige Komponenten für das Fahrverhalten und die Qualität ist hier deutlich eher spürbar als bei einer Sattelstütze. Insofern eine gute Investition. Zumal man die Reifen mittlerweile nicht mehr aus den USA bestellen muß, sondern in Berlin bei Dailybreadcycles fündig wird.

Viele Grüße,

Georg Blaschke

Wer hat an der Uhr gedreht?

Das müßte man können, so einfach an der Uhr drehen. Dann würde ich die Uhr flugs auf Mitte Oktober stellen und zum Starnberger See fahren. Von dort sind nämlich die folgenden Bilder. Als ich gestern eine Runde gedreht habe, war es knapp über Null, es gab runde 200 Meter Sicht und der Nebel hat mich auch noch schön durchfeuchtet. Dazu sind durch die Rübenernte auch die Straßen noch stellenweise glatt. Aber was soll´s. Fahrradfahren ist letztlich auch bei widrigen Verhältnissen besser als Nicht Fahrradfahren. Das merkt man erst so richtig, wenn man mal ein paar Wochen aussetzen mußte.

Warm wird man dann zuhause wieder, wenn man dann schöne emails bekommt:

„Was ich mir dann unterwegs so gedacht habe: es ist einfach total angenehm, wenn man sich über das Fahrrad einfach gar keine Gedanken machen muss, und man wie selbstverständlich davon ausgehen kann, dass mit dem Fahrrad alles bestens läuft. Nicht mal die kleinste Unwucht in den Felgen. Und immer sehr komfortabel. Zudem ist das ja nicht nur auf dieser Tour so gewesen, sondern auch beim Pendeln zur Arbeit. Dafür einfach mal ein Dankeschön.

Hier unten paar Bilder dazu, leider nur vom Handy.“
Übrigens fehlt bei diesem Rad etwas, wenn man es mit dem Auslieferungszustand auf der website vergleicht: Der Drehgriff am rechten Lenkerende. Der wurde mittlerweile durch eine Rohbox ersetzt.
Letztlich war es dieses Rad und sein Fahrer, die mich dazu angeregt haben, eine bessere Lösung zu finden. Dafür und natürlich für die Bilder Vielen Dank!
Viele Grüße,
Georg Blaschke

Rohbox in der TrekkingBike

In der aktuellen TrekkingBike ist auch die Rohbox an einem Santos…. getestet worden. Leider hat Santos da wohl ein vorhandenes Vorführrad geschickt, das noch mit einer der ersten 100 Rohboxen ausgestattet ist.

Folgerichtig wurde bemängelt, daß die Rohbox nur einen Gang pro Schaltschritt schalten kann. Aber seit April dieses Jahres kann die Rohbox ja auch zwei Gänge pro Schaltschritt bewältigen, die Schaltkraft und der nötige Betätigungswinkel wurden dabei reduziert. Schade, daß die aktuelle Version es nicht zum Test geschafft hat. Ich werde Santos mal Teile für die Aktualisierung schicken, damit sie ihr Vorführrad umrüsten.

Jede ältere Rohbox kann auf die 2Gang-Version umgerüstet werden. Geänderte Teile hierfür sind Transportfedern (Grün), Rückstellfedern (Bronze) und das Transportrad (Gelb). Zusätzlich werden zwei neue Federführungen (Blau) verbaut, die nochmal die Schaltkräfte senken. Das neue Transportrad ist nicht unbedingt nötig, aber es macht die Sache noch ein Quentchen besser.

Ich habe zwei neue Umrüstkits für ältere Rohboxen im Programm, einmal mit und einmal ohne Transportrad.

Auch die Online-Einbauanleitung ist für die 2Gang-Rohbox geändert.

 

Viele Grüße,

Georg Blaschke

Bilder von unterwegs…

Ich veröffentliche hier sehr gerne Bilder aus dem wahren Leben eines Fahrrades. So schön es ist, ein Fahrrad entstehen zu sehen und sich an Details zu ergötzen: Noch schöner ist es, damit zu fahren. Auf jeden Fall dann, wenn die ersten Macken drin sind und man sich nicht mehr um neue Kratzer sorgen muß. 🙂

Und wenn man dann noch zu lesen bekommt:

„Hallo Georg,
wie geht`s, hoffe deine Schulter ist wieder in Ordnung?
Wollte nur mal kurz berichten das ich absolut zufrieden bin.
Macht Freude so ein Rad zu fahren!!! Wer das nicht selbst erlebt versteht´s eh nicht!
Haben alles richtig gemacht!
Danke nochmal!
Anbei ein paar Fotos !
Gruß und Gesundheit und schönes WE!
Ein rundum zufriedener Thomas“

Das kann selbst einen trüben Novembertag deutlich aufhellen! 🙂

Viele Grüße,

Georg Blaschke

P.S. Die ganze Entstehung des Rades mit Detailbildern gibt es übrigens hier zu sehen.

Feuchtkalt

Jetzt kommt ja wieder die Jahreszeit, in der man sich als Radfahrer wünscht, nicht so temperaturempfindlich zu sein. Auch eine gewisse Resistenz gegen Feuchtigkeit wäre ganz gut. Tja, wer weiß, was uns die Gentechnik noch so alles bringt, aber momentan sieht es da schlecht aus.

Am Fahrrad kann man allerdings einiges tun, um es tauglicher für die schlechte Jahreszeit zu machen. Wartungsarme Komponenten, gute Schutzbleche und dann noch ein Rahmen aus rostfreiem Stahl, damit erspart man sich schon einiges. Wobei auch ein Rahmen aus rostfreiem Stahl etwas Pflege erhalten sollte: Ein öliger Lappen und ab und zu etwas Möbelwachs tun auch ihm gut. Denn erstens sind die Beanspruchungen durch das Straßensalz erheblich und zweitens sind die Lötstellen nicht ganz wartungsfrei. Sie werden an der Oberfläche gern grünlich grau. Den Schweißverbindungen macht das Straßensalz weniger aus.

Übrigens gibt es bei rostfrei und rostfrei durchaus Unterschiede. Heutige Rahmenrohre sind aus härtbaren Stahlsorten, früher gab es auch Rahmenrohre aus nicht härtbarem „Besteckstahl“. Das ist nicht unbedingt schlechter, aber die nötigen größeren Wandstärken machen die Sache schwerer. Auch meine rostfreien Ausfallenden werden deshalb aus härtbarem rostfreien Stahl hergestellt, damit sie nicht schwerer sein müssen oder weniger stabil wären.

Rostfrei hin, rostfrei her, Bilder her:

Optisch sieht das Rad nach 27,5 Plus und MTB aus, aber die Größe täuscht. In Wirklichkeit ist es ein relativ kleines Rad mit 26 Zoll Laufrädern und gut 50mm breiten Reifen. Damit kann man auf Touren jeden Untergrund fahren und in der Stadt auch mal einen Bordstein rauf.

Die Spezialausfallenden können mit Aufnahmen für einen BobJak Anhänger versehen werden.

Der Schriftzug auf dem Unterrohr besteht aus einzelnen aufgelöteten Buchstaben.

Die Schutzbleche sind übrigens auch aus rostfreiem Stahl und von Gilles Berthoud. Ich halte die nach wie vor für die Besten. Hier sind sie schwarz pulverbeschichtet.

Rennlenker und Rohloff, das schreit förmlich nach einer Rohbox. 🙂

Die halbhydraulischen Scheibenbremsen haben einen etwas festeren Druckpunkt als rein mechanische Bremsen.

Der Gepäckträger verfügt über aufgelötete Edelstahl-Aufhängepunkte für die Packtaschen. Das Rücklicht kann direkt an die Streben geschraubt werden.

Viele Grüße,

Georg Blaschke