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Bereit für kleinere, größere und tägliche Abenteuer

3. Februar 2020

Natürlich gibt es nicht das eine Rad, das alles kann. Aber wenn ich mich für nur ein Rad entscheiden müßte, wäre es wahrscheinlich eine Art Randonneur. Nach meinem Verständnis ist ein Randonneur ein rennradartiges Gefährt, das aber Schutzbleche, Licht und eine Mitnahmemöglichkeit für Gepäck liefert. Natürlich gibt es auch andere und wesentlich engere Definitionen, aber Radfahrer sollten großzügig sein. Und zusammenhalten, denn jeder von ihnen ist im heutigen Verkehr nicht gerade privilegiert. Viele meiner Fahrräder sind Nutzgeräte nicht nur für Schönwettersonntagsfahrten, sondern müssen auch auf dem Weg zur Arbeit zu Stoßzeiten im Berufsverkehr ihr Dasein fristen. Daß das nicht nur Spaß bedeutet, brauche ich wahrscheinlich niemandem hier zu erzählen. Immerhin kann man sich sein Los mit einem guten Fahrrad erleichtern und auch komfortabler gestalten.

Etwa mit dem folgenden Rad, das eben besonders komfortabel sein sollte, nicht zu schwer, aber flott und wartungsarm. Kein ausgesprochener Lastesel, aber die Sachen für das Büro und auf dem Rückweg der Einkauf sollen schon mit. Dann und wann auch mal vordere Taschen für die längere Tour. Und jeden Tag ein solides Bügelschloß, das ist leider immer nötig. Die verwendeten Schutzbleche sind übrigens von Gilles Berthoud. Mittlerweile gibt es sie auch in schwarz pulverbeschichtet.

 

Eine Rohloff Speedhub mit Kettenspanner ist etwas für Leute, die ihre Zeit lieber mit dem Fahren als der Pflege des Rades verbringen. Die Kettenstrebe aus rostfreiem Stahl ist nur teilweise lackiert.

Da meine Räder Einzelstücke sind, sind viele spezielle Details möglich. Ob das die in kleinen Müffchen halb angelegten Sitzstreben sind oder ein aufgelöteter Namenszug. Auch der GEBLA Schriftzug auf dem Unterrohr ist aufgelötet.

Der SON Nabendynamo hier in der steckerlosen Variante. Das ist sinnvoll, wenn das Vorderrad ab und zu mal ausgebaut  werden muß, zum Beispiel beim Transport.

Im Steuerrohr versteckt sich als Federung die von mir oft verwendete Cannondale Headshok Technik. Sehr reibungs- und wartungsarm, für die Straße gibt es nichts besseres.

Hier nochmal  gut zu sehen  die extra angefertigten Müffchen der Sattelstreben. Auch gut zu sehen die direkte Anbringung des Gepäckträgers ohne schwere Verstellmechanismen. Das macht es lohnend, den Gepäckträger selbst anzufertigen. Nicht weil ich ihn wesentlich besser bauen könnte als zum Beispiel ein Tubus, sondern weil ich dann eine ganze Menge weglassen kann, was ihn schwerer und weniger belastbar macht!

Ich muß mich übrigens korrigieren: Etwas an meinen Gepäckträgern ist besser! Und zwar die Befestigungspunkte für die Ortlieb-Taschen, die auch auf lange Sicht hin nicht durchgescheuert werden. Daß sich hier unter der Pulverbeschichtung rostfreies Rohr versteckt, ist eine andere Sache. Natürlich wird auch das Lichtkabel innen geführt und einen Halter für das Bügelschloß gibt es auch. Dazu demnächst mal mehr…

Ach ja, hier werkelt selbstverständlich eine Rohbox, um das Betätigen der Rohloff Speedhub durch Rennradschalter zu ermöglichen. Für besondere Bremsleistung sind die hydraulischen SRAM Bremsschalthebel übrigens mit Hope 4Kolben-Bremszangen kombiniert. Habe ich den Ständer an seinem extra angefertigten Anlötteil aus rostfreiem Stahl schon erwähnt? So ein Ständer ist natürlich relativ schwer und nur bedingt hochglanzbildtauglich, deshalb sehen ihn viele Räder gar nicht vor. Aber wer eben nicht nur Sonntagsfahrer ist, weiß ihn zu schätzen.

Die Züge sind komplett im Unterrohr geführt.

Das Rücklich von SON ist klein, aber hell.

Auch vorne ist natürlich eine Hope 4Kolben Bremse verbaut.

Was man auf dem Bild nur erahnen kann: Das Lenkerband ist gelocht und in den Löchern zeigt sich reflektierendes Material. Es ist immer gut, gesehen zu werden.

Eine gefederte Sattelstütze sorgt hinten für Komfort. Man könnte auch eine Hinterradfederung verbauen, aber das reduziert deutlich die Gepäcklast, da sich der Gepäckträger dann nicht mehr auf der Hinterachse abstützen kann. Da muß man dann abwägen. Das eine Rad für alles gibt es dann halt doch nicht, auch wenn ein Randonneur nah dran ist. 🙂

Viele Grüße,

Georg Blaschke

15 Kommentare
  1. Christian Teufel permalink

    Hallo Herr Blaschke,
    ich finde den Aufbau grandios! Das metallic rot passt super. Die Detaillösungen sind so einfach wie wirksam, z.B. die Müffchen am Gepäckträger. Ich finde Zweckmäßigkeit und Ästhetik sind hier perfekt kombiniert.
    Welche Schutzbleche sind an dem Rad verbaut.
    Viele Grüße,
    Christian

    • georgblaschke permalink

      Hallo Christian,

      es sind die von mir gerne verwendeten Gilles Berthoud Schutzbleche verbaut. Mittlerweile gibt es die in Schwarz, sie sind dann pulverbeschichtet. Auch früher habe ich sie teilweise schon farbig beschichten lassen bzw lackiert.

      Viele Grüße,
      Georg

  2. Benjamin Quest permalink

    Ich kann als Fahrer dieses Rads das sehr breite mögliche Einsatzspektrum bestätigen: Alltagsfahrten durch die Stadt bekommen neue Ideallinien, da man abgesenkten Bordsteinen kaum mehr Aufmerksamkeit schenkt. Die bisherigen sportlichen Überlandfahrten auf Asphalt (oder was man alles so drunter versteht), Waldwegen und (teils grobem) Schotter waren super; hohes Tempo, volle Kontrolle und weder die Handgelenke, noch die vier Buchstaben haben sich irgendwie beschweren können. Bei einer Ausfahrt hat mich die Streckenführung sogar auf einen Single-Trail geschickt, und ja, sogar das geht! Und die Sitzposition ist super, genau so habe ich sie mir gewünscht! Das Rad ist echt ein Gedicht. Zum Dank ein selbiges:

    Graveleur (Traumrad)

    Dem Ingenieur
    ist nichts zu schwer
    Drum baut sich er
    ’nen Graveleur,
    Um dann auf allen Wegesarten
    Gut gefedert durchzustarten.
    Bei schnellen Wegen durch die Stadt
    Ist froh wer Scheibenbremsen hat.
    Die Lichtanlage steckerlos,
    Das Sitzrohr rostfrei, ganz famos,
    Und für Gepäck und Schlossgehänge
    Gibt es ein Spezialgestänge.
    Speedhub, Rohbox, schwarze Speichen,
    Metallicrot zum Herz erweichen,
    Headshock, by.Schulz, lange Bleche,
    Kein Körperteil zahlt hier die Zeche.
    Nichts wird gehauen, nichts verspritzt
    Und weil der Fahrer mittig sitzt,
    Tritt er flott und ohne Qualen
    Vergnügt und froh in die Pedalen.

    • georgblaschke permalink

      Perfekt! 🙂 Absolut tauglich für die Prunksitzung! 🙂 Obwohl: Dafür ist es zu gut… Da darf es sich nur so halb reimen und auch das Versmaß muß immer knapp danebenliegen. 🙂

      Vielen Dank und Viele Grüße und weiterhin Viel Spaß damit,
      Georg

  3. Benjamin Quest permalink

    Ist wie beim Rahmen bauen … 🙂

    Tust du bei’m an Reimen feilen
    Dich gar viel zu sehr beeilen
    Stimmt es vorn und hinten nicht
    Nein, so wird es kein Gedicht.

    Platzierst stattdessen Du die Worte
    an genau die richt’gen Orte
    Schiebst sie hin und lupfst sie her
    (das ist manchmal ganz schön schwer)
    Bis die Winkel und die Enden
    (manchmal muss man eines wenden)
    Silberlotrecht im Versmaße stehen …
    … ja mei passd scho, wird schon gehen …

  4. Steffen Dietze permalink

    Oh, an diesem Rad (tolles Rot!) sehe ich eine ganze Reihe Details, die ich auch von meinem kenne. Das freut mich. 🙂

    Viele Grüße
    Steffen

    • Benjamin Quest permalink

      Ja, bei dem grünen Randonneur dachte ich seinerzeit: „Huch, das ist ja (fast) mein Rad *schmacht* “ 🙂 Und diese schönen Sattelstrebenmüffchen wollte ich dann auch …

      Überhaupt ist der GEBLA’sche Backkatalog eine wunderbare Fundgrube an tollen Ideen. Den fast unsichtbaren Gepäckträger habe ich an einem postgelben Rennrad gesehen gehabt, die Edelstahlplakette an einem anderen Rad, die innenverlegten Züge mit den schönen Ein- und Auslässen an einem weiteren, die schönen Gewindeeinsätze nochmal woanders … und daß es noch Headshoks gibt … Daß es während der Wartezeit immer wieder schöne Räder hier zu bestaunen gibt, ist also „Fluch“ und Segen gleichermaßen. 🙂

      Viele Grüße,
      Benjamin

      P.S.: Übrigens, ich hatte jetzt Gelegenheit kurz mit zwei Ortliebs unterwegs zu sein und der Schlosshalter ist super! Tasche passt prima hin und nix klappert oder scheuert.

      • georgblaschke permalink

        Super mit dem Schloß, das war ja eine knappe Angelegenheit.

        Viele Grüße,
        Georg

    • georgblaschke permalink

      Ha, jetzt ist doch rausgekommen, daß ich schamlos kopiert habe! 🙂

      Viele Grüße,
      Georg

  5. Steffen Dietze permalink

    Sich selbst kopieren ist doch die höchste Form der Anerkennung – oder so. 😀

    Viele Grüße nach Geldersheim
    Steffen

    • georgblaschke permalink

      Die höchste Form des Kunden ist doch die, die ihre Ideen selbst mitbringt. 🙂

      Viele Grüße,
      Georg

  6. Ralph permalink

    Moin, was ist denn der Vorteil des Hope-Sattels (RX4?) gegenüber den Originalen von SRAM? Steigt die Bremswirkung dadurch merklich an? Und ist das wirklich kompatibel mit Bremshebeln, die sonst mit 2-Kolben-Bremsen betrieben werden?

  7. Ralph permalink

    Was ist der Vorteil der des Hope-Sattels (RX4) gegenüber dem originalen von SRAM? Steigt die Bremswirkung dadurch merklich an? Und ist das wirklich kompatibel mit Bremshebeln, die sonst mit 2-Kolben-Bremsen betrieben werden?

    • georgblaschke permalink

      Hallo Ralph,

      die RX4 haben etwas größere Beläge, dadurch steigt die Bremsleistung etwas und die Wärmeabfuhr wird etwas verbessert. Aber man sollte nicht davon ausgehen, daß das Welten sind. Man kommt auch mit den Seriensätteln gut zurecht. Allerdings sind Hope Bremsen immer auch wunderbar gemacht und die Ersatzteilversorgung ist auch nach Jahren vorbildlich.
      Letztlich zählt nicht die Anzahl der Kolben, sondern die gesamte wirksame Kolbenfläche. Wenn die bei 4 kleineren Kolben mehr oder weniger genauso groß ist wie die Fläche der 2 größeren Kolben, wird sich die Bremse sehr ähnlich verhalten. Vorteil der 4 Kolben ist, daß die Beläge etwas gleichmäßiger belastet werden und größere Beläge möglich sind.

      Viele Grüße,
      Georg Blaschke

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