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Meine Glückszahl ist die 17

11. Januar 2018

Man fällt ja doch immer wieder auf Werbung rein. Beziehungsweise Werbung fällt auf, wenn sie ihren Zweck erfüllen soll, mag man sie auch für noch so affig halten. In der letzten Zeit fällt mir immer wieder Werbung von Lotto auf, in der Leute ihre Glückszahl vorstellen. Pech natürlich, daß man schon ein paar Glückszahlen mehr braucht, um abzuräumen.

Es ist nicht so, daß ich nie Lotto gespielt hätte. Mitte der 90er Jahre habe ich es zwei mal versucht. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, kam damals der sich ständig vergrößernde Jackpot auf und stand irgendwann bei über 40 Millionen DM. Als Student hätte ich das Geld gut gebrauchen können, wurde allerdings bitterlich enttäuscht und mußte daraufhin weiterhin so spannende Dinge wie Fördertechnik oder Steuerungs-und Regelungstechnik in mich hineinlernen. Damals hätte Lotto ganz ohne teure Werbung die Möglichkeit gehabt, mich zum lebenslang dankbaren Anhänger des Lottospiels zu gewinnen. Zwei mal schnöde abgewiesen läßt mich heute die Werbung völlig kalt. Und wenn mir 49 Glückszahlen empfohlen werden…

Der Bau von Fahrrädern hat ganz anders als das Lottospiel nicht viel mit Glück zu tun. Vor allem mit Arbeit, daneben aber auch mit umsetzbaren Ideen und guter Planung. Der Bau des Rahmens ist nicht die eigentliche Hürde, das erscheint nur nach außen so. Jeder passable Handwerker könnte nach einiger Übung einen vernünftigen Rahmen bauen. Auch gute Ideen gibt es viele, aber da wird es schon knackiger: Sind die Ideen technisch sinnvoll umsetzbar? Ich hatte immer schon den Vorteil, umsetzbare technische Lösungen praktisch aus dem Ärmel schütteln zu können und konnte das in meinen dreizehn Jahren in der Entwicklung bei SRAM perfektionieren. Die gute Planung halte ich aber für das Wichtigste: Jeder, der bei mir ein Rad bestellt hat, hat mehr oder weniger wörtlich zu hören bekommen: „Wir machen Entwürfe und Änderungen, bis alles paßt, erst dann wird gebaut.“ Ich meine das ernst. Es ist klar, daß alles möglichst schnell gehen soll, wenn man sich dazu durchgerungen hat, ein Rad zu bestellen. Um so nerviger ist dann das Warten, bis es endlich losgeht mit dem Bau. Aber die Zeit bis zum Bau ist eigentlich die wichtigere, hier werden die Entscheidungen getroffen.

Aktuell baue ich ein Rad, für das ich siebzehn Entwürfe gemacht habe. Ja, 17. Das ist mein Rekord und ja, lieber siebzehn Entwürfe machen als das falsche Rad zu bauen. Allerdings wären im Nachhinein nicht so viele Schleifen nötig gewesen: Bei der Sattelposition sind wir zu lange davon ausgegangen, daß ein Rad des Kunden die angegebenen 73° Sitzrohrwinkel auch wirklich hat. Erst ein Nachmessen hat dann ergeben, daß es nur 71,2° waren. Das hat dann alle Widersprüche erklärt und danach war es ein Kinderspiel. Also: Dranbleiben, bis alles paßt!

Das ist schon ein Luxus, so arbeiten zu können. Wobei: Luxus ist das falsche Wort. Mir sitzen natürlich längst die nächsten Kunden im Nacken, die auch gerne mal an die Reihe kämen. Und auch für die ist es nicht leicht, warten zu müssen. Aber was passiert, wenn man den Eröffnungstermin für das Wichtigste hält, sehen wir an dem schönen neuen Hauptstadtflughafen, der bekanntlich 2012 eröffnet wurde. Übertragen auf das Fahrrad wäre es in etwa so, als würde ich Ihnen ein Fahrrad versprechen: Das Ihnen viel zu klein ist. Das keine Beleuchtung hat, auch wenn Sie damit gerne in der Dunkelheit fahren würden. Das schon jetzt die Luft nicht hält, die Schläuche aber nicht flickbar sind und auch eine sonst unbekannte Sondergröße aufweisen. Das Sie schon zwei mal voll bezahlt haben und das Sie auch 2020 nicht geliefert bekommen werden. Gut, daß die Gebrüder Wright als erfahrene Fahrradbauer nicht auf einen Flughafen warteten, bevor sie ein funktionierendes Flugzeug gebaut haben…

Auf meiner website gibt es mehr vom Rad und dessen Entstehung zu sehen:

Viele Grüße,

Georg Blaschke

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5 Kommentare
  1. Steffen Dietze permalink

    Immerhin hat so ein detaillierter Entwurf den Vorteil, dass man merkt, dass etwas nicht stimmt, und somit (wenn auch leider erst nach längerer Zeit) irgendwann bei den falschen Ausgangsannahmen landet. Aber Steuer- und Regelungstechnik ist ja wohl noch im viele Größenordnungen spannender als Konstruktion, trotz der tollen Zeichnungen. 😉

    Ich wünsche dem Hausherren und allen Mitlesenden ein tolles neues Jahr und an alle Wartenden: es lohnt!

    Viele Grüße
    Steffen

  2. Lieber Georg,
    du spricht mir aus der Seele, bzw. hast du ja mit diesem Flughafen auch ein gutes Beispiel genannt. Ich bin ja selbst planend tätig und diese Tätigkeit wird leider immer geringer geschätzt, gut ablesbar an den Honoraren, die mittlerweile (nicht) gezahlt werden. Dafür gibt es jetzt einen Haufen gut bezahlter Rechenkönige, die überall (vermeintliche) Einsparungen finden, die sich später zwar oft in Luft auflösen, aber egal. Dabei wäre es am günstigsten, die Rahmenbedingungen und Anforderungen im Vorfeld oder zumindest im Rahmen der Planung möglichst detailliert zu definieren (wie du es machst) und nicht erst nach Baubeginn dauernd zu ändern oder irgendwelche Kompromisse zu entwickeln. Aber das braucht nun mal Zeit. Schön, dass deine Kunden dir diese Zeit geben, sie werden auch mit einem perfekten Rad belohnt. Besser ein paar Tage oder Wochen länger warten, als jahrelang ärgern.
    Liebe Grüße
    Manfred

  3. Christoph permalink

    Hmmm, klingt so als ob bald noch einer in der Warteschlange steht: Ich 🙂

    • Christoph permalink

      Ach: Wenn die Zeit an der Uni für eines gut war: Statistisch gewinnt die Bank (Lotto) immer. Das Argument: Es gewinnt ja doch immer einer ist für mich nicht stichhaltig.

  4. Benjamin Quest permalink

    Na dann ist es ja prima, dass ich mich für ein Bikefitting angemeldet habe, dann haben wir wenigstens schon aktuelles Rad und Fahrer ordentlich vermessen. Und das jetzige (dann zukünftige Zweit-) Rad hat auch noch was davon. Könnte glatt 12 Planungsiterationen sparen … 😉

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